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Menschenbilder (72)

Donnerstag, 25. Juli 2013, 08:16 Uhr
Im Spätherbst 2013 veröffentlicht der Nordhäuser Autor Bodo Schwarzberg den zweiten, reich bebilderten Band der Buchreihe "Menschenbilder aus der Harz- und Kyffhäuserregion" - wiederum mit rund 200 Texten über Zeitzeugen unserer jüngeren Geschichte...

Michael Caspari

„Blitzlicht“
99734 Nordhausen
Internet: www.blitzlicht-nordhausen.de


Schon wenige Minuten, nachdem man mit Michael Caspari ein Gespräch über das Fotografieren begonnen hat, wird mindestens zweierlei klar: Der am 11.02.1972 in Bad Frankenhausen geborene Wahlnordhäuser und Inhaber der Firma „Blitzlicht“, ist ein Experte auf seinem Gebiet und Fotografieren ist eine Kunst, für die das altbekannte „Die Sonne lacht, Blende acht“, keineswegs ausreicht. Am Umgang mit einem Hochzeitspaar am wichtigsten Tag seines Lebens, macht er einige Aspekt deutlich:

„Das Hochzeitsfoto hält den schönsten und wichtigsten Moment im Leben zweier Menschen fest. An ihn denken sie sehr oft zurück. Das sich daraus ergebende Vertrauen des Paares ist eine besonders hohe, aber auch wunderbare Herausforderung für mich“, sagt er. Die verständliche Aufgeregtheit der angehenden Eheleute auf dem Foto nicht sichtbar werden zu lassen, benennt er als eine grundlegende Aufgabe. „Hochzeitsfotos sollen den einzigartigen Anlass perfekt zum Ausdruck bringen, mit Lebensfreude als tragendem Element“, bekräftigt er.

Um dies zu erreichen, steht die Kommunikation mit dem Paar für Michael Caspari ganz weit oben: „Die beiden müssen z.B. spüren, dass auch der Fotograf ein Mensch ist und nicht eine Ebene über ihnen steht. Wir drei haben es gemeinsam in der Hand, ob wir mit dem Ergebnis unseres Kontaktes zufrieden sein werden.“

Die Fotografie bestimmt das Leben meines Gesprächspartners seit dessen Kindheit. Bereits mit 10 war er stolzer Besitzer einer Kamera vom Typ Certo SL 110. Sie ist noch heute ebenso in seinem Besitz, wie auch die ersten Fotos, die er mit ihr aufnahm: Sie zeigen ein auf dem Tisch stehendes Spielzeugmotorrad. „Ich wollte einfach alles fotografieren: Menschen, bestimmte Situationen und die Natur. Alles halt, was mir vor die Linse kam.“ Und die alledem zugrundeliegende Motivation liefert er gleich hinterher: „Mit einem Foto schafft und unterstützt man die eigene Erinnerung, ja die eigene Identität, weil man Gesehenes und Erlebtes mitnehmen kann.“ – Aus einer Klassenfahrt nach Berlin entstand eine seiner ersten großen Fotoserien, für die er von seinen Freunden viel Lob erntete: „Was Du fotografierst, ist einfach toll“, sagten sie zu ihm.

Für einige Jahre jedoch legte der talentierte junge Mann die Kamera noch einmal beiseite. Anderes war zunächst wichtiger: Nach der Beendigung der 10. Klasse absolvierte der junge Mann eine Lehre zum Facharbeiter für Holztechnik und während der Wendezeit zum Bau- und Möbeltischler. Sein Zivildienst motivierte ihn schließlich zum Beruf des examinierten Krankenpflegers, den er 1996 erlangte.

Seit mittlerweile 20 Jahren ist Michael Caspari im heutigen Südharzklinikum tätig. Zunächst war er im Bereich Neurologie beschäftigt und arbeitet seit 1999 im Bereich Kardiologie / Angiologie. An der Seite von Fachärzten wirkt er dort u.a. an der Behandlung von Patienten mit, die kurze Zeit zuvor einen Herzinfarkt erlitten haben.

Dass er sich nach der Wende wieder verstärkt der Fotografie zuwandte, schreibt er vor allem der Liebe zu. Seine heutige Ehefrau Babette sah er erstmals im Jahre 1993 während seiner Ausbildung zum Krankenpfleger. „Ich sagte damals zu meinem Banknachbarn: „Genau sie werde ich später heiraten.“ - Er sollte recht behalten. „Babette ist die beste Frau der Welt, weswegen ich sie unbedingt fotografieren wollte. Ihr habe ich wesentlich mit zu verdanken, dass ich mich später auf diesem Gebiet selbstständig machte“, sagt er.

Vielleicht motivierte ihn dazu ja auch ein Foto, das er von ihr auf der Insel Saona (Domikanische Republik) anfertigte: Dabei lehnte sie sich an die vielleicht berühmteste Palme der Welt, die Teil einer unvergesslichen Werbung für eine Rum-Marke ist.

Forciert wurde die fotografische Leidenschaft des Nordhäusers weiter durch die Geburt von Tochter Frederike im Jahre 2002. „Ich wollte jeden Moment ihrer Entwicklung festhalten. Mitunter bannte ich bis zu zehn Fotos pro Situation auf Zelluloid“, sagt er.

Letzteres tat er noch bis zum Jahre 2008, als er sich endgültig der digitalen Fotografie zuwandte. Zum einen, weil er seine Fotos gern auf einem Chip oder auf seinem PC speichern wollte, worin er vor allem eine Kostenfrage sah. Und zum zweiten, weil sich ihm nun fast unbegrenzte Möglichkeiten der Bildbe- und -verarbeitung boten. Ab und an fotografierte Michael Caspari nun auch auf Familienfesten von Verwandten und Bekannten. „Du hast den fotografischen Blick“, sagte einer von ihnen anerkennend und motivierte ihn zur Selbstständigkeit. Mehr als schiefgehen könne dies ja nicht.

Allerdings wollte er diesen neuen Lebensabschnitt keinesfalls auf „wacklige Füße“ stellen: „Wichtig war mir von Beginn an die Schaffung solider Grundlagen“, bekräftigt er. Diese erlangte er einerseits durch die Teilnahme an einem Existenzgründerkurs und andererseits durch die Absolvierung eines Onlinestudiums am Fotoinstitut Köln: Dieses schloss er 2012 ab, wobei ihm nur vier Punkte an der Höchstpunktzahl fehlten. „Das Schwierige an dem Studium war der hohe Grad an geforderter Selbständigkeit, aber es war auch nicht einfach, das Studium und die berufliche Tätigkeit in drei Schichten unter einen Hut zu bringen sowie dem Wunsch folgen zu können, Zeit mit der Familie zu verbringen“, sagt er.

Doch vielleicht war es ihm gerade dadurch besonders gut möglich, den Umgang mit Belichtungszeiten, mit Blenden und Situationen sowie das ‚Spiel mit dem Licht‘ jederzeit anwendungsbereit zu verinnerlichen: „Fotografieren ist eine Kunst für sich. Man muss den geeigneten Augenblick für ein gelungenes Foto erkennen. Wenn zwei Fotografen dieselbe Szene aufnehmen, entstehen auch zwei unterschiedliche Fotos“, sagt er. Dass Michael Caspari dabei den Wünschen seiner Kunden gerecht wird, beweisen die lobenden Worte einer Mutter: „Die beiden süßen Grübchen bei meinem Kind. Sie sind der erste, der es geschafft hat, sie zu fotografieren“, sagte sie zu ihm.

Sein nebenberufliches Gewerbe betreibt der Nordhäuser seit dem 06.03.2012. Einer der ersten Auftraggeber war die Neue Nordhäuser Zeitung nnz, für die er zum Beispiel das Rolandsfest, die Rolandrallye und zahlreiche weitere Events ins rechte Bild setzte. „Für Auftragsfotografie jeder Art stehe ich zur Verfügung, auch natürlich im privaten Bereich“, sagt er.

Besonders gern fotografiert Michael Caspari Kinder. „Das ist eine ganz besonders spannende Herausforderung“, sagt er. Wichtig für den Erfolg sei das entsprechende „Equipment“, also Lutscher, Spielzeug und Kaugummi.

Mein Gesprächspartner sieht im Fotografieren für sich den idealen Ausgleich zum hauptberuflichen Alltag im Südharzklinikum. Wobei er seine Freizeit allerdings am liebsten mit seiner Familie verbringt. Zu dieser gehört neben der bereits erwähnten Frederike auch die achtjährige Tochter Henriette. Sie ist eine versierte Primaballerina, während ihre große Schwester virtuos Klavier spielt.

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Autor: red

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