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Neues Leben in einem alten Haus

Samstag, 20. Juli 2013, 11:50 Uhr
Der 21. Juni 2012 wird in der Chronik der Gemeinde Kehmstedt einen Platz finden. Davon ist der Klub der Dorffrauen fest überzeugt. An diesem Tag wurde das Kaffeekränzchen aus der Taufe gehoben. Seitdem ist es zu einer festen Größe im gesellschaftlichen Leben des Ortes geworden. Die Vorgeschichte erzählt Kurt Frank...


Ilona Mückenheim und fünf weitere Frauen waren als Wahlhelferinnen angetreten. In einem 1878 erbauten Bauernhaus in der Dorfstraße 12. Lange Zeit stand es leer. Dementsprechend sah es aus. Aus dem Vorhaben eines Nachkommens, es wieder herzurichten, wurde nichts. Heute gehört es der Agrargesellschaft Wipperdorf.

Nur ein Tisch und fünf Stühle befanden sich im sogenannten Kaminzimmer. Der Kachelofen der einzige Glanz. Am Anfang stand die Idee der Ilona Mückenheim, Leben in das alte Gebäude zu bringen. Bei Worten allein sollte es nicht bleiben. Der Anfang war schwer, mühevoll und stressig. Zu den ersten vereinbarten Treffen, zuerst die Zimmer zu malern, erschien zunächst keine Seele. Ilona Mückenheim gab nicht auf. Und hatte Erfolg.

Als erstes kam schließlich das Kaminzimmer in Kur. Manfred Wille und Christa Spangenberg, beides Rentner, schwangen den Malerpinsel. Dann folgten Flur, Toiletten und Küche. Letztere war auch nur ein unansehnlicher Raum. Eine Familie, die (warum eigentlich?) nicht genannt werden möchte, spendete eine Arbeitsplatte, Geschirrspüler und einen Schrank für Tassen und Teller. Später vervollständigten Kaffeemaschinen die Küche. Sie erfüllen ihren guten Zweck. Zu den monatlichen Kaffeekränzchen finden sich immerhin zwischen 26 und 36 Frauen ein, die ihren Treff selbst finanzieren und sich schmecken lassen, was sie selbst backen.

Das Kaminzimmer bietet heute 34 Personen Platz. Um den säuberlich gedeckten Tisch stehen auch Stühle aus dem Sperrmüll, was man ihnen aber nicht ansieht. Ilona Mückenheim bewahrte sie vor dem Schredder und polierte sie tipptopp auf. Die Tischdecken resultieren aus privaten Spenden. Dieser Raum sieht nicht nur die Frauen bei angeregter Unterhaltung, wenn es draußen kalt ist oder regnet, auch Weihnachtsfeiern und anderen freudigen Anlässen bietet er Platz.

Neues Leben im alten Haus (Foto: Kurt Frank) Neues Leben im alten Haus (Foto: Kurt Frank)

Dieser Tage erfolgte das Juli-Kränzchen. Auf dem Hof unter Linden. Gleich neben einem Teich mit herrlichen Seerosen. Im Bild links Ilona Mückenheim. Zur guten Tradition gehört, den Frauen zu gratulieren, die im jeweiligen Monat Geburtstag hatten. Diesmal war Ingrid Steinmüller an der Reihe, die 65 wurde. Zu den Helferinnen, welche die Seniorinnen bedienten, gehörten Viola Just, die stellvertretende Bürgermeisterin (im Bild bei der Bedienung) und Andrea Schmiedekind, die Krankenschwester.

Neues Leben im alten Haus (Foto: Kurt Frank) Neues Leben im alten Haus (Foto: Kurt Frank)

Der 21. Juni 2012 ist nicht zuletzt auch deshalb reif für die Chronik, weil im gleichen Haus die Bücherstube eröffnete. Mit 123 Büchern. Annemarie Staudinger aus Bleicherode, eine Bekannte von Ilona Mückenheim, zog um und wollte sich einiger Bände entledigen. „Her damit!“, forderte sie die 62-Jährige auf. Mittlerweile wuchs der Bestand auf 445 Bücher an. Leiterin Mückenheim legte eine Karteikarte mit den Buchtiteln und Autoren an. Und freut sich über zahlreiche Stammleser. Zur Auswahl stehen Romane, Erzählungen, Liedtexte, Back- und Kinderbücher. Neues Leben kehrte in das alte Haus ein

Der Klub der Dorffrauen wohnt zur Miete, wird einen Vertrag mit der Agrargesellschaft abschließen. Dennoch ist das Domizil kostenfrei. Dafür auch ein Dankeschön an Geschäftsführer Uwe Merx, dem Bürgermeister.
Kurt Frank
Autor: red

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