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Noch bis Ende Juli

Freitag, 12. Juli 2013, 15:07 Uhr
Noch bis 31. Juli 2013 haben die Südharzer die
Gelegenheit, die Ausstellung "Wiederentdeckt. Zeugnisse aus dem Konzentrationslager Holzen" in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora zu besichtigen. Anschließend wird sie als Wanderausstellung durch Deutschland, Frankreich und Polen reisen...


Die Ausstellung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora präsentiert einen ungewöhnlichen Quellenfund: eine Mappe mit rund 200 Häftlingszeichnungen, darunter 130 eindrucksvolle Porträts von KZ-Häftlingen, zudem etwa 20 handschriftliche Dokumente und ein Tagebuch. Der gesamte Fund stammt aus dem Kommando „Hecht”: einem Außenlager des KZ Buchenwald, das sich von September 1944 bis April
1945 bei Holzen im niedersächsischen Weserbergland befand.
Die Zeichnungen stammen von dem französischen RésistanceKämpfer Camille Delétang (1886-1969), der das Lager Holzen überlebte und nach dem Krieg Präsident des französischen Veteranen-Dachverbandes „André Maginot“ wurde. Autor der
handschriftlichen Dokumente ist sein Landsmann Dr. Armand Roux (1886-1960), der in Holzen als Häftlingsarzt eingesetzt war. Bei der Räumung des Lagers im April 1945 steckte er Delétangs Bilder zusammen mit seinen schriftlichen Aufzeichnungen in eine Mappe, die jedoch während des Todesmarsches verloren ging.

Seitdem galten die Zeichnungen und Dokumente als
verschollen. Erst im vergangenen Jahr sind sie überraschend wieder aufgetaucht: Eine Familie aus Celle übergab sie völlig überraschend im Sommer 2012 der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Die Sonderausstellung stellt den einzigartigen Quellenfund nun der Öffentlichkeit vor. Neben der Geschichte des Lagers Holzen und der Überlieferung der Dokumente steht vor allem das Schicksal der porträtierten Häftlinge im Mittelpunkt: Etwa die Hälfte von ihnen hat das Kriegsende nicht erlebt. Die Zeichnungen sind ihr letztes Lebenszeichen.

Zahlreiche Besucher haben die Ausstellung in der KZGedenkstätte Mittelbau-Dora seit ihrer Eröffnung im April besichtigt. Die sensationelle Wiederentdeckung der Zeichnungen sorgte auch im europäischen Ausland für Aufsehen. Zur Eröffnung der Ausstellung waren die Nachkommen von Camille Delétang und Dr. Armand Roux aus Frankreich nach Nordhausen angereist. Die Suche nach hinterbliebenen Familienangehörigen der porträtierten Häftlinge läuft weiter.

Nächster Präsentationsort der Ausstellung ist vom 11. August bis 6. Oktober 2013 das Schloss Bevern bei
Holzminden im südlichen Niedersachsen. In dieser Region befand sich 1944/45 das KZ-Außenlager Holzen, in dem die Zeichnungen und Schriftdokumente entstanden.
Autor: red

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