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Fischotter-Exkursion an der Helme

Donnerstag, 11. Juli 2013, 16:00 Uhr
„Fischotter im Landkreis Nordhausen“ nannte sich ein Freilandseminar. Die Tour führte an die Helme zwischen Sundhausen und Görsbach und an Nebengewässern im Bereich der Goldenen Aue. Veranstalter war die Deutsche Umwelthilfe im Rahmen des „Modellprojektes zum Schutz des Fischotters in Thüringen“. Kurt Frank informierte sich...

Fischotter (Foto: Flussbüro Erfurt) Fischotter (Foto: Flussbüro Erfurt)

Diplom-Biologin Maria Schmalz zeigte sich über die Teilnehmerzahl hocherfreut. Vertreten waren das Nordthüringer Straßenbauamt, Regierungsvertreter aus Hessen und Darmstadt. Die Naturschutzbehörde des Landkreises vertrat Matthias Piontek. Anliegen war es, aktuelle Lebensräume des Wassermarders, wie er auch genannt wird, für ihn geeignete aber auch ungeeignete Brücken und Spuren des Raubtieres vorzustellen.

In Augenschein nahm man acht Brücken. In sieben Fällen registrierten die Teilnehmer Uferbewuchs zwischen dem Fundament des Bauwerkes und dem Wasserlauf. Otterfreundlich. Weniger bei einem Flutkanal zwischen Görsbach und Auleben, stellte Maria Schmalz fest. Der Fischotter sei in den Gewässern des Landkreises wieder angekommen, vorrangig an Helme und Zorge, weiß Matthias Piontek. Eingewandert oder ausgesetzt ? Eingewandert, meinen beide Experten. Es liegen keine Angaben darüber vor, ob er in früheren Zeiten hier schon heimisch war.

Lange Zeit wegen seines Pelzes – zwischen 35 000 und 50 000 Haare auf einen Quadratzentimeter – und als Fastenspeise geschätzt, wurde er gefangen und als Fischereischädling strikt bejagt. Noch zu Anfang des letzten Jahrhunderts wurden in Deutschland 10 000 Fischotter-Felle abgeliefert. Das Tier starb auch hierzulande aus.

Obwohl er zum jagdbaren Wild zählt, darf er in Deutschland seit 1968 nicht mehr gejagt werden.

Die stromlinienförmige Körperform des Otters ist hervorragend an das Leben im Wasser angepasst. Er misst 110 bis 130 Zentimeter vom Kopf bis zur Schwanzspitze, wiegt etwa 7 bis 12 Kilogramm und hat neben dem Nerz als einziges heimische Raubtier Deutschlands Schwimmhäute zwischen den Zehen. Als exzellenter Schwimmer und Taucher kann er bis zu acht Minuten lang unter Wasser bleiben und bis zu 18 Meter tief tauchen.

Ist der Otter den Fischereibetreibern heute noch ein Dorn im Auge? Angeblich sei er schon bei den Teichen bei Auleben gesichtet worden. „Ich habe noch keinen gesehen“, versichert Benno Koschorreck, Geschäftsführer der dortigen Fischzucht. Einige Exemplare, fügt er an, könne er schon verkraften. Der Fischräuber trete schließlich nicht so massenhaft wie der Kormoran auf.

Der Wassermarder bevorzugt Fische bis 20 cm, ernährt sich aber auch von Muscheln, Krebsen, Fröschen, Schnecken, gelegentlich von Mäusen und Ratten. Bis 20 Kilometer kann er in einer Nacht zurücklegen, meint Piontek. Auch größere Strecken über Land bewältige er, wenn er zwischen Gewässerläufen und Teichen wechselt. Oft findet er auf Straßen den Tod.
Kurt Frank
Autor: red

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