Werte und Vorurteile
Montag, 08. Juli 2013, 08:45 Uhr
Sie entschieden sich am Ende der achten Klasse für den projektorientierten musisch-künstlerischen Zweig, der mit Darstellen und Gestalten, Musik und Kunst fünf Stunden in der Woche umfasst. Nachdem vor zwei Wochen die neunten Klassen für Mitschüler und Eltern spielten, präsentierten sich nun die zehnten Klassen auch dem öffentlichen Publikum. Ein Bericht von Heike Roeder...
Die Schülerinnen und Schüler können sich bei der Anwahl für die Oberstufe entscheiden, ob sie den Kurs weiterhin belegen wollen oder nicht. Damit stellt die Klassenstufe Zehn eine Zäsur dar, den die 10/1 zum Anlass nahm, einen Abend der Künste auszugestalten.
Unter Anleitung der Kursleiterin Babett Liebram wendeten sich die Schüler Fragen zu, die man sich im Leben oft stellen muss. So entstanden Texte, die in einer Szenencollage, betitelt So oder so, zusammengefügt wurden. Kontrastierend und wertend setzten sich die Jugendlichen mit Klischees auseinander, so bei der Bewerbung, bei der das Äußere manchmal mehr zählt als die Fähigkeiten und Fertigkeiten.
Ein ungleiches Schwesternpaar- Dana, die Emotionale und Nachdenkliche, und Alina, die Unverstandene und Impulsive
Auch dem Thema Toleranz widmen sich die Darstellenden und setzen ein Zeichen, indem sie den Wandel einer alten Dame, die die homosexuelle Beziehung ihres Enkels erst verstört aufnimmt, bevor sie sich damit auseinandersetzt und einlenkt, auf die Bühne bringen. Anhand zweier Freundinnen wird der durch äußere Einflüsse ausgelöste Wertewandel dem Publikum vor Augen geführt. Gerade auch Erscheinungen und Beobachtungen, die ihre Generation betreffen, erhalten Raum und Gesicht.
Sei es das Desinteresse am anderen, die zu Enttäuschung und Ausweglosigkeit in Form kommunikativer Leere wird, familiäre Zerrissenheit oder der Notendruck in der Schule, der durch elterlichen Ehrgeiz ein Gewaltpotenzial erzeugt, dem aber mit Hilfe verbaler, emotionaler und mentaler Stärke entgegengetreten werden kann. Einen großen Stellenwert nahm die an Medien ausgerichtete Gesellschaft ein, die mit ihrer steten Erreichbarkeit und dem Termindruck die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen oftmals auf ein Minimum reduzieren.
Verzweifelte Teenager, gestresste Elternteile und bewusst offene Situationen auf der Bühne wurden Idealbildern gegenübergestellt. So kann ein Stromausfall zum Anlass genommen werden, einen Abend gemeinsam zu verbringen, Zeit zu verschenken, zu kommunizieren und die Rastlosigkeit des Alltags zu vergessen. Schön, wenn ein selbst gebackener Kuchen das Geburtstagskind erfreut und kleine Gesten der Zuwendung ein Lächeln auf das Gesicht der Darsteller zaubern.
Herrengespräch in der Bar (Foto: Heike Roeder)
Nach einer kurzen Pause präsentierte die Klasse ein Drama nach einer Romanvorlage und legte auch hier Wert auf den unverblümt wahrnehmenden Blickwinkel der Jugendlichen. In Anlehnung an Wegbergs Roman Klassenziel entstanden zwanzig Seiten Dialogbuch, in denen Schulprobleme thematisiert und Charaktere gewandelt wurden. Tiefsinnig, sehenswert und sprachlich der Zielgruppe entsprechend, nahmen die Darsteller heutige Jugendprobleme auf, Mobbing an Schulen, das Gefallen an tödlichen PC-Spielen.
Sie hinterfragen anhand des fiktiven Beispiels, wie es nach einem Amoklauf ist, behandelt zu werden, als hätte die ganze Familie gemordet. Mit Feingefühl erzählen sie die Geschichte über die Tragödie einer zerbrochenen Familie, über Freundschaft und Geschwisterliebe über den Tod hinaus und stimmen den Zuschauer nachdenklich und betroffen. Fragen nach dem Warum der Tat setzten die Schüler in Form von Rückblicken um, spielten Datumsangaben, Videos und Musik ein. Eine Geschichte, die, obwohl sie vermutlich nicht vermag etwas zu ändern, doch einen wichtigen Beitrag leistet und Diskussionsstoff bietet.
Hier gehe es nicht um den pädagogischen Zeigefinger, sondern um Wahrnehmung und Positionierung, bekräftigten die Schüler im nachfolgenden Gespräch und schufen eine Homage an das Leben, in dem Geld und die Medien nicht die erste Rollen spielen sollten. Diese Haltung bekräftigten die Gymnasiasten mit einem selbst geschriebenen und komponierten Lied, das die Verletzbarkeit der Menschen aufnahm, klar stellt, dass Vorurteile zum Leben gehören, und das zur Veränderung aufruft. Individualität des Einzelnen sei das Eine, die Stärke, das Ich auch ausleben zu können, die andere, notwendige Seite. Damit bewiesen die DG-Schüler einen realistischen Blick, den sie mit Sprech- und Bewegungstheater, Schattenspiel und Musikeinspielungen umsetzten.
Heike Roeder
Autor: redDie Schülerinnen und Schüler können sich bei der Anwahl für die Oberstufe entscheiden, ob sie den Kurs weiterhin belegen wollen oder nicht. Damit stellt die Klassenstufe Zehn eine Zäsur dar, den die 10/1 zum Anlass nahm, einen Abend der Künste auszugestalten.
Unter Anleitung der Kursleiterin Babett Liebram wendeten sich die Schüler Fragen zu, die man sich im Leben oft stellen muss. So entstanden Texte, die in einer Szenencollage, betitelt So oder so, zusammengefügt wurden. Kontrastierend und wertend setzten sich die Jugendlichen mit Klischees auseinander, so bei der Bewerbung, bei der das Äußere manchmal mehr zählt als die Fähigkeiten und Fertigkeiten.
Ein ungleiches Schwesternpaar- Dana, die Emotionale und Nachdenkliche, und Alina, die Unverstandene und Impulsive
Auch dem Thema Toleranz widmen sich die Darstellenden und setzen ein Zeichen, indem sie den Wandel einer alten Dame, die die homosexuelle Beziehung ihres Enkels erst verstört aufnimmt, bevor sie sich damit auseinandersetzt und einlenkt, auf die Bühne bringen. Anhand zweier Freundinnen wird der durch äußere Einflüsse ausgelöste Wertewandel dem Publikum vor Augen geführt. Gerade auch Erscheinungen und Beobachtungen, die ihre Generation betreffen, erhalten Raum und Gesicht.
Sei es das Desinteresse am anderen, die zu Enttäuschung und Ausweglosigkeit in Form kommunikativer Leere wird, familiäre Zerrissenheit oder der Notendruck in der Schule, der durch elterlichen Ehrgeiz ein Gewaltpotenzial erzeugt, dem aber mit Hilfe verbaler, emotionaler und mentaler Stärke entgegengetreten werden kann. Einen großen Stellenwert nahm die an Medien ausgerichtete Gesellschaft ein, die mit ihrer steten Erreichbarkeit und dem Termindruck die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen oftmals auf ein Minimum reduzieren.
Verzweifelte Teenager, gestresste Elternteile und bewusst offene Situationen auf der Bühne wurden Idealbildern gegenübergestellt. So kann ein Stromausfall zum Anlass genommen werden, einen Abend gemeinsam zu verbringen, Zeit zu verschenken, zu kommunizieren und die Rastlosigkeit des Alltags zu vergessen. Schön, wenn ein selbst gebackener Kuchen das Geburtstagskind erfreut und kleine Gesten der Zuwendung ein Lächeln auf das Gesicht der Darsteller zaubern.
Herrengespräch in der Bar (Foto: Heike Roeder)
Nach einer kurzen Pause präsentierte die Klasse ein Drama nach einer Romanvorlage und legte auch hier Wert auf den unverblümt wahrnehmenden Blickwinkel der Jugendlichen. In Anlehnung an Wegbergs Roman Klassenziel entstanden zwanzig Seiten Dialogbuch, in denen Schulprobleme thematisiert und Charaktere gewandelt wurden. Tiefsinnig, sehenswert und sprachlich der Zielgruppe entsprechend, nahmen die Darsteller heutige Jugendprobleme auf, Mobbing an Schulen, das Gefallen an tödlichen PC-Spielen. Sie hinterfragen anhand des fiktiven Beispiels, wie es nach einem Amoklauf ist, behandelt zu werden, als hätte die ganze Familie gemordet. Mit Feingefühl erzählen sie die Geschichte über die Tragödie einer zerbrochenen Familie, über Freundschaft und Geschwisterliebe über den Tod hinaus und stimmen den Zuschauer nachdenklich und betroffen. Fragen nach dem Warum der Tat setzten die Schüler in Form von Rückblicken um, spielten Datumsangaben, Videos und Musik ein. Eine Geschichte, die, obwohl sie vermutlich nicht vermag etwas zu ändern, doch einen wichtigen Beitrag leistet und Diskussionsstoff bietet.
Hier gehe es nicht um den pädagogischen Zeigefinger, sondern um Wahrnehmung und Positionierung, bekräftigten die Schüler im nachfolgenden Gespräch und schufen eine Homage an das Leben, in dem Geld und die Medien nicht die erste Rollen spielen sollten. Diese Haltung bekräftigten die Gymnasiasten mit einem selbst geschriebenen und komponierten Lied, das die Verletzbarkeit der Menschen aufnahm, klar stellt, dass Vorurteile zum Leben gehören, und das zur Veränderung aufruft. Individualität des Einzelnen sei das Eine, die Stärke, das Ich auch ausleben zu können, die andere, notwendige Seite. Damit bewiesen die DG-Schüler einen realistischen Blick, den sie mit Sprech- und Bewegungstheater, Schattenspiel und Musikeinspielungen umsetzten.
Heike Roeder

