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Kompromißbereit für Kinder

Freitag, 02. April 2004, 17:03 Uhr
Nordhausen (nnz). Trotz Sparzwang, Kinder sollen nicht die Opfer sein, darin sind sich die Stadt Nordhausen und die freien Träger der Kindereinrichtungen einig. Wer ist aber schuld, daß die neuen Verträge nicht zustande kommen? Die Vertreter der Kitas sprachen mit der nnz.


Kinder

Bildung in Vielfalt, von Anfang an, noch ist das in Nordhausen möglich. Eltern können auswählen, ob ihr Kind nach der Pädagogik Friedrich Froebels lernen soll, ob es im Kindergarten Englischunterricht bekommt, in einer christlichen Einrichtung den Glauben leben kann oder mit behinderten Kindern gemeinsam aufwächst. Nach dem PISA Schock, der wohl allen Erziehern noch in den Gliedern steckt, gaben sich alle große Mühe ein eigenes Profil zu entwickeln. Wurden die Kindergärtnerinnen plötzlich verdächtigt die Schuldigen am Bildungsproblem sein, stehen sie nun in Nordhausen auch als Verhinderer der neuen Verträge zwischen den Einrichtungen und der Stadtverwaltung da.

Seit 2000 wird das Problem diskutiert. Im Januar 2001 erhielten die Träger Vertragsentwürfe der Miet- und Betreiberverträge. Im Frühsommer konnte man sich auf eine neue Nutzungs- und Elternbeitragsordnung einigen. Am 10. 04. 2002 fand ein Gespräch zwischen den beiden Parteien statt, am 30. 04. übersandten die freien Träger ein Schreiben mit Anmerkungen zu dem vorgestellten Entwurf. Ein Jahr später, im März 2003, wurden die Vertreter der Tagesstätten zu einem neuen Gespräch eingeladen, was am 8. April stattfand. Im Juni gab´s dann die überarbeiteten Verträge, aber bis auf winzige Korrekturen enthielten sie den selben Inhalt wie die beanstandeten Entwürfe. All das berichtet Norbert Klodt vom Ökumenischen Kindergarten. Am 11. Februar diesen Jahres fand das bisher letzte Gespräch statt, welches jedoch nicht zur gewünschten Einigung führte.

Für den Zeitverzug verantwortlich sind nach Meinung der freien Träger die unterschiedlichen Meinungen in den Ämtern der Stadtverwaltung. Bevor man sich mit den Kitas an einen Tisch setze, könne man doch erst einmal eine gemeinsame Meinung finden, so Klodt.

Die freien Träger, bestehend aus dem Jugendsozialwerk mit den meisten Kindertagesstätten in Nordhausen, dem DRK, der Johanniter-Unfall-Hilfe und dem ökumenischen Kindergarten, sind sich einig. Sie sichern der Stadt Kooperationsbereitschaft zu und wollen eine einvernehmliche Lösung finden. Für die Kinder und Eltern sowie das Personal sei Planungssicherheit sehr wichtig, erklärt Sigrid Trinkler vom Jugendsozialwerk. Der Bedarf an Kinderbetreuung sei groß, die Übernahme der städtischen Pflichtaufgabe durch freie Träger für Nordhausen preisgünstiger, also müßte sich doch eine einvernehmliche Lösung finden lassen.

Problematisch sei vor allem die Pauschale zur Abrechnung der Betriebskosten, sagt Norbert Klodt vom ökumenischen Kindergarten. Neue und sanierte Einrichtungen kämen sicher mit dem Geld hin, aber in alten wären zum Beispiel die Heizkosten durch nicht vorhandene Isolierung groß.

Am Mittwoch wurde nun der Rahmenvertrag im Stadtrat beschlossen. Den Trägern der Kinderbetreuung sei aber kein Exemplar zugegangen. Zu einem Vertrag gehören zwei Partner, so die Tagesstättenvertreter, aber wie sollen sie einem Entwurf zustimmen, den sie gar nicht kennen?

Die Qualität in den Einrichtungen soll erhalten bleiben, was bei Kürzungen im Bereich der Personal- und Betriebskosten schwierig sei. Im Gespräch mit der Stadt hätten sie ein konstruktives Miteinander erkennen können, so die Träger, im kleinen klappe die Zusammenarbeit mit einzelnen Ämtern sogar sehr gut, deswegen hoffe man auf eine einvernehmliche Lösung des Problems und wolle vermeiden, daß es als Wahlkampfthema "ausgeschlachtet" wird.
Autor: nnz

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