Unzerstörbares Steinmühlental (3)
Montag, 24. Juni 2013, 16:38 Uhr
Es geht um das Steinmühlental im Landkreis Nordhausen. In das soll, so sehen es Planungen vor, ein Pumpspeicherwerk "integriert" werden. Dazu eine Beitragsserie von Bodo Schwarzberg in Ihrer nnz.
In einer Äußerung vom April 2013 (Lokalpresse) versuchte Ellrichs Bürgermeister Ehrhold gegen ein Pumpspeicherwerk eventuell kritisch eigestellte Bürger mit der Bemerkung zu beruhigen, das Naturdenkmal Haynerlinde (siehe Unzerstörbares Steinmühlental 2) bliebe vom Bau eines Pumpspeicherwerkes im Fuhrbachtal/Steinmühlental unberührt.
Gott sei Dank, werden da manche sagen, dann ist ja alles gut. Unsere Linde bleibt, so schlimm wird es also gar nicht. Was wollt ihr denn noch? Mit dieser Art Politikerpsychologie wurde schon oft in der bundesrepublikanischen Geschichte versucht, nicht gerade attraktive Maßnahmen bzw. Entwicklungen schön zu reden. Man braucht ja nur das weniger Schöne, das ja in solchen Fällen meist viel größer ist, vom winzigen (vermeintlich) Schönen überstrahlen zu lassen.
Das weniger Schöne wäre die Rodung Dutzender Hektar naturnahen Waldes, der Bau einer Straße ins kaum berührte Tal, der Lärm, Staub und die Abgase von hunderten LKW-Fahrten und das täglich über Jahre. Und dann ist da die unwiederbringliche Zerstörung eines der letzten naturbelassenen Täler durch eine Baumaßnahme. Und deren Ergebnis bleibt für immer. Trotz der nicht gefällten Haynerlinde, sehr geehrter Herr Ehrhold.
Allmählich sickern Gerüchte durch: Das Kraftwerk soll für hiesige Verhältnisse geradezu gigantische Ausmaße annehmen.
Die unseelige Verquickung von Politik und Wirtschaft ist es, die den gesamten Planeten an den Rand des ökologischen Kollapses gebracht hat. In Indonesien ist es die Kungelei zwischen Papier- und Holzkonzernen sowie den lokalen Gouverneuren, die Sumatra seine letzten Wälder kostet. Und in der hiesigen Presse war von Bürgermeister Ehrholds guten Kontakten zur Energiewirtschaft die Rede. Beziehungen reichen oft schon aus, um ökologisch großen Schaden zu verursachen. Sie sind nicht unbedingt im Interesse des wirklich Erforderlichen.
Weitere Lebensräume, die ihr Hauptvorkommen in Thüringen haben und für die deshalb international eine große Verantwortung besteht, sind Hainbuchen-, Schlucht- und Hangmischwälder sowie verschiedene Rasen- und Grünlandgesellschaften, z. B. artenreiche Borstgrasrasen, Kalk-Trockenrasen und Berg-Mähwiesen." (Quelle: http://www.thueringen.de/de/publikationen/pic/pubdownload1281.pdf)
Vielleicht haben die Planer des Naturparks ja sogar Kenntnis von einem im Fuhrbach- und Steinmühlental geplanten NSG? Denn wie ich der Homepage www.naturpark-südharz.de entnehmen konnte, gilt im Steinmühlental Vorrang für die Natur (= Entwicklungsschwerpunkt Natur) siehe Unzerstörbares Steinmühlental 1), was sich mit der Rodung dutzender Hektar naturnahen Laubwaldes zugunsten eines Wasserkraftwerkes wohl eher weniger vereinbaren lässt.
Die Abwesenheit jeglichen Schutzstatus‘ im Steinmühlental dürfte aber möglicherweise auch den Plänen der Stadt Ellrich geschuldet sein, die vor einigen Jahren den tollkühnen Bau einer Straße von Sülzhayn nach Rothesütte verfolgte. Dies ist ja nun glücklicherweise vom Tisch. Es könnte aber sein, dass die Stadt Ellrich glaubt, durch die Hintertür doch noch zu ihrer Straße zu kommen – im Zuge des erträumten Baus eines Kraftwerks ein paar Täler weiter. Vorsicht ist also auch hier angebracht.
Deren verbreitete, ausschließlich am Geld orientierte Haltung ist mit den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts, in dem es darauf ankommt, z.B. die Milleniumsziele zur Rettung der Menschheit zu erreichen, schlichtweg unvereinbar, es ist verantwortungslos und rückwärtsgewandt.
Es kann nicht sein, dass es in diesem zubetonierten Land immer noch Fördermittel für Großprojekte in Millionenhöhe gibt, während sich die Arbeit eines für die Erhaltung unserer Kulturlandschaft zwingend notwendiger Schäfers so gut wie nicht mehr lohnt. Hier ist eine schlimme Schieflage eingetreten, denn letztlich sind es unsere Lebensgrundlagen, die uns ernähren und nichts anderes.
Das untere Fuhrbachtal umfasst grob zwei wesentliche Biotoptypen: Nährstoffreiche Feuchtwiesen- und Weiden (Rote Liste Thüringen 2 (stark gefährdet) und bachbegleitende Erlen-Eschenwäldder (Rote Liste Thüringen 3 (gefährdet). Hinzu kommen u.a. E ichen-Hainbuchenwälder frischer Standorte (Rote Liste Thüringen 3 (gefährdet), die sich an die bachbegleitenden Erlen-Bestände anschließen.
Für letztere trägt Thüringen laut seiner Biodiversitätsstrategie eine besondere internationale Verantwortung. Und da das Tal voll ist von Biotoptypen, für die Thüringen auf Grund ihrer Seltenheit international verantwortlich ist, wird hier noch öfter über sie zu schreiben sein. Die Naturnähe des Fuhrbaches ergibt sich auch dem hohen Totholzanteil.
Ich frage mich, wozu wir die Roten Listen eingeführt haben und eine Biodiversitätsstrategie, wenn wir hernach doch weiter daran arbeiten, nicht in deren Sinne zu handeln.
Die Fotos zeigen den naturnahen Fuhrbach mit den ihn säumenden Hochstauden- und den besonders wertvollen Waldgesellschaften, unter denen die bachnahen, frischen Eichen-Hainbuchenwälder herausragen. Im Frühjahr verzaubern die Hochstaudenfluren den Betrachter insbesondere mit den großen Horsten des Ausdauernden Silberblatts (Lunaria rediviva), (bläulich blühend), das zur Familie der Kreuzblütengewächse gehört und entlang des Fuhrbaches noch gut vertreten ist.
In der nächsten Folge nehmen wir weiterhin das untere Fuhrbachtal unter die Lupe und gehen ein wenig mehr ins Detail. Es soll auch weiterhin gezeigt werden, was droht, der Profitgier zum Opfer zu fallen oder schwer in Mitleidenschaft gezogen zu werden.
Bodo Schwarzberg
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Autor: redIn einer Äußerung vom April 2013 (Lokalpresse) versuchte Ellrichs Bürgermeister Ehrhold gegen ein Pumpspeicherwerk eventuell kritisch eigestellte Bürger mit der Bemerkung zu beruhigen, das Naturdenkmal Haynerlinde (siehe Unzerstörbares Steinmühlental 2) bliebe vom Bau eines Pumpspeicherwerkes im Fuhrbachtal/Steinmühlental unberührt.
Gott sei Dank, werden da manche sagen, dann ist ja alles gut. Unsere Linde bleibt, so schlimm wird es also gar nicht. Was wollt ihr denn noch? Mit dieser Art Politikerpsychologie wurde schon oft in der bundesrepublikanischen Geschichte versucht, nicht gerade attraktive Maßnahmen bzw. Entwicklungen schön zu reden. Man braucht ja nur das weniger Schöne, das ja in solchen Fällen meist viel größer ist, vom winzigen (vermeintlich) Schönen überstrahlen zu lassen.
Das weniger Schöne wäre die Rodung Dutzender Hektar naturnahen Waldes, der Bau einer Straße ins kaum berührte Tal, der Lärm, Staub und die Abgase von hunderten LKW-Fahrten und das täglich über Jahre. Und dann ist da die unwiederbringliche Zerstörung eines der letzten naturbelassenen Täler durch eine Baumaßnahme. Und deren Ergebnis bleibt für immer. Trotz der nicht gefällten Haynerlinde, sehr geehrter Herr Ehrhold.
Allmählich sickern Gerüchte durch: Das Kraftwerk soll für hiesige Verhältnisse geradezu gigantische Ausmaße annehmen.
Die unseelige Verquickung von Politik und Wirtschaft ist es, die den gesamten Planeten an den Rand des ökologischen Kollapses gebracht hat. In Indonesien ist es die Kungelei zwischen Papier- und Holzkonzernen sowie den lokalen Gouverneuren, die Sumatra seine letzten Wälder kostet. Und in der hiesigen Presse war von Bürgermeister Ehrholds guten Kontakten zur Energiewirtschaft die Rede. Beziehungen reichen oft schon aus, um ökologisch großen Schaden zu verursachen. Sie sind nicht unbedingt im Interesse des wirklich Erforderlichen.
Naturschutzgebiet statt Beton!
Das Paradies pflegt sich erst dann als Paradies zu erkennen zu geben, wenn wir daraus vertrieben wurden, sagte Hemann Hesse und ich sage, dass uns das beim Steinmühlental nicht so ergehen soll. Ganz im Gegenteil: Das Fuhrbach- und Steinmühlental sollte unverzüglich einen Schutzstatus als Naturschutzgebiet erhalten, wofür das Nebeneinader von Feuchtwiesen, einem naturnahen Bachtal nebst eigenwilliger Felsstrukturen ebenso spricht, wie die Anwesenheit ausgedehnter naturnaher Hangwälder, über die die Thüringer Biodiversitätsstrategie sagt:Weitere Lebensräume, die ihr Hauptvorkommen in Thüringen haben und für die deshalb international eine große Verantwortung besteht, sind Hainbuchen-, Schlucht- und Hangmischwälder sowie verschiedene Rasen- und Grünlandgesellschaften, z. B. artenreiche Borstgrasrasen, Kalk-Trockenrasen und Berg-Mähwiesen." (Quelle: http://www.thueringen.de/de/publikationen/pic/pubdownload1281.pdf)
Vielleicht haben die Planer des Naturparks ja sogar Kenntnis von einem im Fuhrbach- und Steinmühlental geplanten NSG? Denn wie ich der Homepage www.naturpark-südharz.de entnehmen konnte, gilt im Steinmühlental Vorrang für die Natur (= Entwicklungsschwerpunkt Natur) siehe Unzerstörbares Steinmühlental 1), was sich mit der Rodung dutzender Hektar naturnahen Laubwaldes zugunsten eines Wasserkraftwerkes wohl eher weniger vereinbaren lässt.
Die Abwesenheit jeglichen Schutzstatus‘ im Steinmühlental dürfte aber möglicherweise auch den Plänen der Stadt Ellrich geschuldet sein, die vor einigen Jahren den tollkühnen Bau einer Straße von Sülzhayn nach Rothesütte verfolgte. Dies ist ja nun glücklicherweise vom Tisch. Es könnte aber sein, dass die Stadt Ellrich glaubt, durch die Hintertür doch noch zu ihrer Straße zu kommen – im Zuge des erträumten Baus eines Kraftwerks ein paar Täler weiter. Vorsicht ist also auch hier angebracht.
Kein Widerstand?
Mein Ziel ist es, die Pläne überregional bekannt zu machen, durch eine Facebookseite, durch die Informierung maßgeblicher Umweltaktivsten und entsprechende Verlinkungen. Viele Menschen sollen zu sehen bekommen, dass den hiesigen Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft jegliches Verantwortungsgefühl für Nachhaltigkeit und für die Wertigkeit unserer naturgegebenen und schon jetzt arg malträtierten Landschaft abhanden gekommen ist.Deren verbreitete, ausschließlich am Geld orientierte Haltung ist mit den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts, in dem es darauf ankommt, z.B. die Milleniumsziele zur Rettung der Menschheit zu erreichen, schlichtweg unvereinbar, es ist verantwortungslos und rückwärtsgewandt.
Es kann nicht sein, dass es in diesem zubetonierten Land immer noch Fördermittel für Großprojekte in Millionenhöhe gibt, während sich die Arbeit eines für die Erhaltung unserer Kulturlandschaft zwingend notwendiger Schäfers so gut wie nicht mehr lohnt. Hier ist eine schlimme Schieflage eingetreten, denn letztlich sind es unsere Lebensgrundlagen, die uns ernähren und nichts anderes.
Internationale Verantwortung Thüringens
Der Fuhrbach ist ein naturnaher Bach, nicht begradigt und nicht verbaut.Das untere Fuhrbachtal umfasst grob zwei wesentliche Biotoptypen: Nährstoffreiche Feuchtwiesen- und Weiden (Rote Liste Thüringen 2 (stark gefährdet) und bachbegleitende Erlen-Eschenwäldder (Rote Liste Thüringen 3 (gefährdet). Hinzu kommen u.a. E ichen-Hainbuchenwälder frischer Standorte (Rote Liste Thüringen 3 (gefährdet), die sich an die bachbegleitenden Erlen-Bestände anschließen.
Für letztere trägt Thüringen laut seiner Biodiversitätsstrategie eine besondere internationale Verantwortung. Und da das Tal voll ist von Biotoptypen, für die Thüringen auf Grund ihrer Seltenheit international verantwortlich ist, wird hier noch öfter über sie zu schreiben sein. Die Naturnähe des Fuhrbaches ergibt sich auch dem hohen Totholzanteil.
Ich frage mich, wozu wir die Roten Listen eingeführt haben und eine Biodiversitätsstrategie, wenn wir hernach doch weiter daran arbeiten, nicht in deren Sinne zu handeln.
Die Fotos zeigen den naturnahen Fuhrbach mit den ihn säumenden Hochstauden- und den besonders wertvollen Waldgesellschaften, unter denen die bachnahen, frischen Eichen-Hainbuchenwälder herausragen. Im Frühjahr verzaubern die Hochstaudenfluren den Betrachter insbesondere mit den großen Horsten des Ausdauernden Silberblatts (Lunaria rediviva), (bläulich blühend), das zur Familie der Kreuzblütengewächse gehört und entlang des Fuhrbaches noch gut vertreten ist.
In der nächsten Folge nehmen wir weiterhin das untere Fuhrbachtal unter die Lupe und gehen ein wenig mehr ins Detail. Es soll auch weiterhin gezeigt werden, was droht, der Profitgier zum Opfer zu fallen oder schwer in Mitleidenschaft gezogen zu werden.
Bodo Schwarzberg
Kommentare bitte mit Klarnamen












