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Falle gegen Waschbär und Fuchs

Montag, 24. Juni 2013, 16:13 Uhr
Der Waschbär ist beliebt und verteufelt zugleich. Im Südharz erlegte man im Vorjahr 909 der putzigen Tiere, informierte Christian Büchting, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft. Auch im Stadtgebiet von Nordhausen, wo nicht geschossen werden darf, ist man hinter ihm her. Kurt Frank informierte sich...

Waschbär mitten in Nordhausen - Aufnahme von 2003 (Foto: nnz) Waschbär mitten in Nordhausen - Aufnahme von 2003 (Foto: nnz) Viele Menschen, vor allem Kinder, mögen den Waschbären, weil er so putzig aussieht. Andere verteufeln ihn. 909 der kleinen Petze wurden im Vorjahr im Südharz erlegt

Es war vor zwei Jahren. Ein Fuchs pirschte zur nächtlichen Stunde um das klotzige Bahnhofsgebäude in der Rolandstadt, im Volksmund „Grünes Ungeheuer“genannt. Da er wenig Scheu zeigte, wurde vermutet, das Tier sei krank. Die Kunde rief das Ordnungsamt der Stadt auf den Plan. Es handelte, um eventuelle Gefahren für Menschen abzuwenden. Das Amt kaufte sich eine Falle, stellte sie fachgerecht auf. Bei jeder täglichen Kontrolle aber das gleiche Bild: Reinecke, das schlaue Tier, ließ sich partout nicht einfangen. Später entdeckte man den Rotfuchs tot am Ufer der Zorge. Das Fell zerzaust.

Die Ordnungsamts-Falle hatte ihren Zweck damit nicht erfüllt. Im Gegenteil. Seitdem fängt man damit Waschbären. Vier sind es bisher in der Stadt. In der Kyffhäuser Straße schloss sich die „Kiste“ gleich für zwei Halbwüchsige. Ein Tier war in Bielen nicht clever genug. Ein erfahrener Weidmann schickte die Kleinpetze human in den Tierhimmel.

Waschbär mitten in Nordhausen - Aufnahme von 2003 (Foto: nnz) Waschbär mitten in Nordhausen - Aufnahme von 2003 (Foto: nnz) Die Leute, sagte Christian Kowal, Leiter des Ordnungsamtes, informierten uns. Sie hatten die Tiere herumlaufen sehen und fühlten sich nicht wohl dabei. Die Waschbären, sei zu ihrer Verteidigung vermerkt, hatten weder eine Katze im Hof gebissen, noch ein Huhn getötet oder im Dachboden des Hauses rumort. Momentan, mein Kowal, gebe es keine Anfragen, weshalb die Falle derzeit ruhend im Keller der Stadtverwaltung stehe. Bei bedarf könne sie aber jederzeit ausgeliehen und aktiviert werden.

Der Waschbär ist ein Allesfresser. 40 Prozent seiner Nahrung bestehen aus pflanzlicher Kost, 33 Prozent sind Weich- und 27 Prozent Wirbeltiere, haben Wildforscher ermittelt. Förster und Jäger sehen ihn nicht gern in ihren Revieren. Nicht nur bodenbrütende Vögel fielen ihm zum Opfer, weiß der Vorsitzender der Kreisjägerschaft aus Erfahrung. Auf der Suche nach Nahrung plündere das Tier auch Vogelnester in den Bäumen, da es ein guter Kletterer sei.

Der größte Vertreter der Familie der Kleinbären misst etwa 41 bis 71 Zentimeter und wird 3,6 bis 9 Kilo schwer. Typisch für den Waschbären sind das ausgeprägte haptische Wahrnehmungsvermögen der Vorderpfoten und die schwarze Gesichtsmaske. Seine Nahrung taucht er oft in das Wasser, was als „Waschen“ gedeutet wurde. Außer den 909 im Vorjahr erlegten Waschbären blieben auch 1200 Füchse auf der Strecke.

Fairerweise sei aber auch gesagt, dass weder Fuchs noch Waschbär für den Niedergang des Niederwilder verantwortlich zu machen sind. Es ist die heutige Struktur der Landwirtschaft, die kaum noch einen Platz für Wildkräuter (Flurhygiene) , Büsche und Sträucher zulässt.
Kurt Frank
Autor: red

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