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Harztor hilft Gruna

Donnerstag, 13. Juni 2013, 06:36 Uhr
Die Hilfe für die Menschen, die vom Hochwasser betroffene sind, ist sehr vielfältig. In der nnz berichtet ein Fluthelferteam aus dem Südharz über seine Hilfe und seine Eindrücke in einem kleinen Dorf an der Mulde...

Hilfe ist hier notwendig (Foto: privat) Hilfe ist hier notwendig (Foto: privat)

Die Bilder und Berichte der Jahrhundertflut 2002, insbesondere in Gruna, wo die kleine private Initiative „Ilfeld für Gruna“ damals mit der Unterstützung vieler Südharzer sehr viel Unterstützung und Hilfe leisten konnte und den Menschen Mut gemacht hat, sind sicher vielen noch gut in Erinnerung.

Nur knapp elf Jahre später hat es die kleine Gemeinde wieder hart getroffen, der Damm, der den Ort vor dem Hochwasser schützen sollte, ist an zwei Stellen gebrochen und Gruna ist „voll gelaufen, wie eine Badewanne“, die Menschen hatten keine Chance, ihren Ort zu retten.

Unverstellbar - Hochwasserschäden in Gruna (Foto: privat) Unverstellbar - Hochwasserschäden in Gruna (Foto: privat)

In fast allen Häusern stand das Wasser eine Woche lang bis unter die Zimmerdecke des Erdgeschosses, alles was nicht rechtzeitig daraus nach oben geräumt werden konnte, ist vom Hochwasser vernichtet worden, haben Muldewasser und Schlamm unbrauchbar gemacht. Als wir am 4. Juni, um 19:00 Uhr, zu Beginn des „Sachsenspiegel“ die ersten Luftbilder aus den Flutgebieten sahen, wie so oft in diesen Tagen, war unser erster Gedanke – das ist GRUNA – wieder alles unter Wasser, wie 2002.

Damals sind wir als Fluthelfer an die Mulde gefahren, um zu helfen, viele Wochen und Monate, über die vielen Jahre ist die Freundschaft zu den Grunaern geblieben, sind aus Flutopfern und Fluthelfern FREUNDE geworden. In den Zeiten der Flut 2002 sind auch viele Grunaer im Südharz zu Gast gewesen, Fam. Fleischer und Fam. Reiche haben ihre Silberhochzeitstage hier verleben dürfen, unterstützt und beschenkt durch viele liebe Südharzer. Auch in den Jahren danach sind die Grunaer immer wieder gern in den Südharz gekommen und wir sind gern nach Gruna gefahren, um zu sehen, wie die Menschen in Gruna, auch mit der Unterstützung aus dem Südharz, wieder Mut geschöpft haben, ihre Heimat wieder aufzubauen.

Schön war es geworden in GRUNA, ein idyllisches kleines Muldedörfchen, bis vor gut einer Woche wieder das Wasser kam.
Nun sind die Menschen verzweifelt, haben wieder alles verloren, was sie sich mühevoll aufgebaut haben. Neben der Fam. Fleischer wohnt die junge Familie Wöhlert, die in drei Wochen ein Baby erwartet, das Babyzimmer im Erdgeschoss war gerade fertig, auch alles andere im Haus war gerade fertig, da kam die Flut – was für ein schrecklicher Start ins Leben! Als bitterer Beigeschmack für die Eltern: es gibt die 400 Euro Soforthilfe für die Erwachsenen, aber für das ungeborene Baby – 0 Euro, es war ja zum Zeitpunkt der Flut noch nicht geboren, da fehlen mir die Worte!

Deshalb werden wir hier wieder versuchen zu helfen, mit allem was uns möglich ist. Nachdem das Wasser der Mulde soweit zurück gegangen war, dass Gruna wieder mit dem PKW befahrbar ist, haben wir uns aus dem Südharz wieder auf dem Weg nach GRUNA gemacht, um den Menschen dort Mut zu machen, zu sehen welche Hilfe nötig ist und zu helfen, wo schon was zu helfen ist. Mit Thüringer Rostbratwürstchen, Getränken und selbst gebackenem Kuchen im Gepäck wurden wir in Gruna schon erwartet.

Bürgermeister Schneider hat sich sehr über unser Kommen gefreut, begleitet wurden wir von einem Team des MDR – „Sachsenpiegel“, der Beitrag wurde am 11. Juni, 19:00 Uhr gesendet und es wurde uns ein Folgebeitrag, über das Schicksal der Menschen in Gruna, in Aussicht gestellt. Als ich am Dienstag durch Gruna lief, um mit den Menschen dort zu sprechen und zu erfahren, wie und mit was wir helfen können, haben manche „Neu – Grunaer“ nachgefragt, wer wir sind und die Grunaer, die uns noch von 2002 kannten, haben gesagt: „Dass sind unsere Freunde aus dem Südharz, sie sind wieder kommen, um uns zu helfen.“

Das macht den Menschen Mut, das brauchen die Menschen dort jetzt noch viel mehr als 2002, denn ihre Verzweiflung und ihre Verunsicherung sind groß und deshalb hoffe ich, dass auch diesmal wieder viele Südharzer ein großes Herz für die Flutopfer in Gruna haben und uns unterstützen, dort helfen zu können, wo die Hilfe ankommt – direkt bei den Betroffenen.

Wer uns am kommenden Montag (17. Juni) begleiten möchte ist herzlich willkommen, „Helfende Hände“ werden dort noch lange nötig sein, ebenso wie ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen. Der BIO-Bauernhof REICHE ist nicht „nur“ mit dem Wohnhaus betroffen, auch die Existenz der Familie in mehren Generationen ist hier gefährdet, die gesamte Ernte ist vernichtet.

Im Bürgerhaus Gruna werden die rund 220 Einwohner von Gruna täglich durch Spenden mit Speisen, Getränken und dem Notwendigsten versorgt. Die Essensversorgung wird von einem auf den anderen Tag organisiert, je nachdem, was an Lebensmitteln und Getränken gespendet wird oder organisiert werden kann. Am Montag fahren wir wieder nach GRUNA, dann gibt es wieder Thüringer Rostbratwürstchen für alle Grunaer und alle Helfer und wer noch gern Lebensmittel oder Getränke mitgeben möchte kann sich gern mit mir in Verbindung setzen:

Petra Gerlach, Steinfeld 21, 99768 Harztor, OT Ilfeld, Tel: 036331 / 46245, Fax: 036331/ 50985, e-mail: petragerlach@t-online.de oder auf das – eigens und nur für die Grunaer bestimmte Spendenkonto bei der Gemeinde Laußig /Gruna eine Spende einzahlen (bitte Namen und Adresse angeben, für die Spendenquittung)

Gemeinde Laußig/Gruna , Kto: 130 091 04 , BLZ : 860 955 54 , Volksbank Delitzsch, Zweck der Einzahlung : Hochwasseropfer GRUNA, alle Informationen dazu auch noch mal unter www.gruna.com

Aus der Fluthilfe „Ilfeld für Gruna 2002“ wird die Fluthilfe „Harztor für Gruna 2013“, persönliche Hilfe von Mensch zu Mensch – Hilfe die da ankommt, wo sie am dringendsten gebraucht wird bei den Flutopfern von GRUNA. Wir brauchen Ihre Unterstützung, um den Menschen dort helfen zu können und danken Ihnen schon vorab recht herzlich dafür.
Petra Gerlach, Gisela Bräuer, Marina Gerlach, Paula Jaeger
Autor: red

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