nnz-online

Unzerstörbares Steinmühlental (2)

Montag, 10. Juni 2013, 06:48 Uhr
Es geht um das Steinmühlental im Landkreis Nordhausen. In das soll, so sehen es Planungen vor, ein Pumpspeicherwerk "integriert" werden. Dazu eine Beitragsserie von Bodo Schwarzberg in Ihrer nnz. Im zweiten Teil widmet sich Schwarzberg dem Fuhrbachtal...


Damit möchte ich Ihnen aufzeigen, welcher natürliche Reichtum zerstört werden könnte und dem Tal zugleich „ein Gesicht geben“. Besuchen Sie selbst das Fuhrbach- und Steinmühlental, lassen sie sich verzaubern und schätzen Sie selbst ein, ob der Verlust auch nur eines einzigen Talausschitts „ausgleichbar“ ist. Für die Erhaltung naturnaher Hang- bzw. Schluchtwälder trägt Thüringen laut seiner eigenen Biodiversitätsstrategie international beispielsweise eine ganz besondere Verantwortung. Diese Wälder aber nehmen große Teile des Tales ein.

Ich wünsche mir von vielen Seiten her entschiedenen Widerstand gegen die, angesichts des Naturreichtums unglaublichen Bauplanungen, die zumindest von der Stadt Ellrich und von Wirtschaftsvertretern verfolgt werden.

Das aktuelle starke Hochwasser belehrt uns zum wiederholten Male, unseren Bächen und Flüssen so naturnahe Räume wie möglich zu erhalten oder zurück zu geben.

Die gesamte Serie wird übrigens u.a. dem Erfurter Wirtschaftsministerium zugehen. Denn ich wette, dass sich Herr Machnig, ein Befürworter der Talzerstörung, noch nie im Fuhrbach- und Steinmühlental umgesehen hat.

Das Fuhrbachtal nördlich von Appenrode

Von der Landstraße Appenrode-Ilfeld zweigt, nur wenige Meter hinter dem Ortsausgang, der noch unbefestigte Weg in Richtung Fuhrbach ab, der südöstlich von Rothesütte entspringt und nördlich des Mühlberges in Niedersachswerfen in die Bere mündet.

Auf dem Weg zum Fuhrbach fällt die Vorstellung schwer, dass dieser Weg oder der benachbarte Kreuzweg, von schweren Baumaschinen oder LKW befahren werden könnte. - Kein Motorengeräusch ist an diesem milden Maiabend zu hören, nur einige Vögel bereichern mit ihrem Gesang die ansonsten vollkommen ruhige Atmosphäre. Ein Kirschbaum blüht und duftet. Nur, wenn man genau unter oder neben ihm steht, ist das Brummen von Bienen und Hummeln zu hören.

Die erste Besonderheit, die uns aufmerksam werden lässt, ist die Haynerlinde, die wir nach weniger als einem Kilometer erreichen. Eine Informationstafel klärt uns auf, dass der Baum bereits 750 Jahre alt ist. Einst wurde er als Dorflinde der Siedlung „Bettlershayn“ gepflanzt, die aber bereits 1412 einem Krieg zum Opfer fiel. Die Linde indes überdauerte die Jahrhunderte und hat schon viele Menschen kommen und gehen sehen.

Schauen wir von der Haynerlinde nach Norden, offenbart sich dem Spaziergänger ein wunderschöner Blick: artenreiche Feuchtwiesen, die an ihrem östlichen Rand von einer dichten Palisade sommergrüner Laubbäume begrenzt werden. Hinter dieser Palisade sprudeln die Wasser des Fuhrbachs ungezähmt und in zahlreichen Mäandern, durch den naturnahen Harzwald. Ihn werde ich in der dritten Folge der Reihe „Unzerstörbares Steinmühlental“ vorstellen.

Die Fotos der heutigen Ausgabe führen sie von der Straße Appenrode-Ilfeld bis zur Haynerlinde. Das letzte Foto gibt einen Vorgeschmack auf die nächste Folge: zwei mächtige Schwarz-Erlen, zwischen denen sich der Fuhrbach hindurch schlängelt.
Bodo Schwarzberg

Kommentare bitte nur mit Klarnamen
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de