Der Wassermann
Freitag, 31. Mai 2013, 09:00 Uhr
Blauer Helm, knallgelbe Signaljacke - so kennen viele den Mann, der über zwei Jahrzehnte lang das Gesicht und die Stimme des Trinkwassers im Landkreis Nordhausen war. Heute hängt Ulrich Schardt symbolisch den blauen Helm an den Nagel...
Der langjährige Geschäftsführer des Wasserverbandes Nordhausen geht nun in den Vorruhestand. Ob ihm das leicht fallen wird? Ich könnte das anzweifeln, werde es aber nicht tun. Wer so intensiv, wer so lange an "einer Sache" dran war, der kann nicht einfach loslassen. Und das macht das Alles vermutlich sehr kompliziert.
Während der heutigen Verabschiedung am Vormittag im Wasserwerk, wird all das erwähnt und in Erinnerung gebracht werden. Allein in der nnz gibt es seit dem Jahr 2000 über 100 Berichte, in denen der Name "Schardt" auftaucht, deshalb einige persönliche Bemerkungen.
Lieber Uli, wir kennen uns nun schon über 20 Jahre und rückblickend will ich hier kundtun, dass Dein größtes Verdienst nicht die Klarheit und Reinheit, nicht die Bereitstellung des Trinkwassers ist. Nein, das war Dein Job, für den Du bezahlt wurdest. Es ist mit Dein Verdienst, dass wir hier im Landkreis Nordhausen einen kommunalen Wasserversorger haben. Das die Versorgung mit dem wichtigsten aller Grundnahrungsmittel in den Händen der Bürger liegt. Das ist es, was den Unterschied ausmacht. Und ich weiß, wie oft Du mir - auch gern mal nach 20 Uhr am Telefon - das alles erzählt hast.
Da sprachen und sprechen wir eine Sprache. Manchmal waren wir auch unterschiedlicher Meinung, vor allem, wenn es um die SPD ging, dieser Deiner Partei, die derzeit im Geburtstags-Feier-Rausch ist. Du hattest es nicht immer leicht mit Deiner SPD und sie nicht mit Dir. Ich kann mich noch immer erinnern an so manch emotionale Debatte im Kreistag, ich bezeichnete Dich einmal als "Kanonenboot", weil Du - immer vorn dran - einfach losmarschiert bist.
Lieber Uli, Du weißt, dass Kanonenboote in der Politik schnell außer Dienst gestellt werden. Dem kamst Du zuvor. Ein richtiger Schritt, das Leben besteht eben nicht nur aus Kompromissen, auch aus Entscheidungen. Das Blaue, das Wasser, es war ein wesentlicher Teil Deines Berufslebens. Jetzt lässt Du los und übergibst an Deine Nachfolgerin, die von Dir gelernt hat, die aber auch andere Akzente setzen wird. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht ist mit dem Loslassen, auch wenn Du offiziell etwas anderes sagen wirst.
Wenn ich Dir noch einen Rat mit auf den jetzt kommenden Lebensabschnitt geben kann, dann: Lass los von dem, was Du über 20 Jahren fest in Deinen kräftigen "Tatzen" hieltest. Versuche Abstand zu gewinnen und freue Dich, wenn Du in Ilfeld, in Deinem Haus, den Wasserhahn aufdrehst.
Ein wenig werden Dich die Menschen, mit denen Du "Umgang pflegtest", vermissen. Das Leben aber geht weiter, das Trinkwasser wird weiter gefördert, die Menschen im Landkreis Nordhausen weiter versorgt. Auch ohne Ulrich Schardt am Steuer. Was bleibt, das ist all das, was in den zurückliegenden 20 Jahren "erledigt" wurde. Das sind die wirklichen Spuren.
Und wenn in 100 Jahren die Wasserwerker den Besuchern im Wasserwerk erzählen, wie es denn von 1990 bis 2013 so war, dann werden sie hoffentlich mit dem gleichen Respekt davon sprechen, wie Du es von den "Altvorderen" immer gemacht hast. Vielleicht fällt dann Dein Name, vielleicht auch nicht.
Ach so, bevor ich es vergesse: Was ich vermissen werde, ganz ehrlich, das sind die Witze, die es immer zum Abschluss unserer Telefonate gab. In diesem Sinne, lieber Uli, alles Gute und vor allem Gesundheit im hoffentlichen Unruhestand.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redDer langjährige Geschäftsführer des Wasserverbandes Nordhausen geht nun in den Vorruhestand. Ob ihm das leicht fallen wird? Ich könnte das anzweifeln, werde es aber nicht tun. Wer so intensiv, wer so lange an "einer Sache" dran war, der kann nicht einfach loslassen. Und das macht das Alles vermutlich sehr kompliziert.
Während der heutigen Verabschiedung am Vormittag im Wasserwerk, wird all das erwähnt und in Erinnerung gebracht werden. Allein in der nnz gibt es seit dem Jahr 2000 über 100 Berichte, in denen der Name "Schardt" auftaucht, deshalb einige persönliche Bemerkungen.
Lieber Uli, wir kennen uns nun schon über 20 Jahre und rückblickend will ich hier kundtun, dass Dein größtes Verdienst nicht die Klarheit und Reinheit, nicht die Bereitstellung des Trinkwassers ist. Nein, das war Dein Job, für den Du bezahlt wurdest. Es ist mit Dein Verdienst, dass wir hier im Landkreis Nordhausen einen kommunalen Wasserversorger haben. Das die Versorgung mit dem wichtigsten aller Grundnahrungsmittel in den Händen der Bürger liegt. Das ist es, was den Unterschied ausmacht. Und ich weiß, wie oft Du mir - auch gern mal nach 20 Uhr am Telefon - das alles erzählt hast.
Da sprachen und sprechen wir eine Sprache. Manchmal waren wir auch unterschiedlicher Meinung, vor allem, wenn es um die SPD ging, dieser Deiner Partei, die derzeit im Geburtstags-Feier-Rausch ist. Du hattest es nicht immer leicht mit Deiner SPD und sie nicht mit Dir. Ich kann mich noch immer erinnern an so manch emotionale Debatte im Kreistag, ich bezeichnete Dich einmal als "Kanonenboot", weil Du - immer vorn dran - einfach losmarschiert bist.
Lieber Uli, Du weißt, dass Kanonenboote in der Politik schnell außer Dienst gestellt werden. Dem kamst Du zuvor. Ein richtiger Schritt, das Leben besteht eben nicht nur aus Kompromissen, auch aus Entscheidungen. Das Blaue, das Wasser, es war ein wesentlicher Teil Deines Berufslebens. Jetzt lässt Du los und übergibst an Deine Nachfolgerin, die von Dir gelernt hat, die aber auch andere Akzente setzen wird. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht ist mit dem Loslassen, auch wenn Du offiziell etwas anderes sagen wirst.
Wenn ich Dir noch einen Rat mit auf den jetzt kommenden Lebensabschnitt geben kann, dann: Lass los von dem, was Du über 20 Jahren fest in Deinen kräftigen "Tatzen" hieltest. Versuche Abstand zu gewinnen und freue Dich, wenn Du in Ilfeld, in Deinem Haus, den Wasserhahn aufdrehst.
Ein wenig werden Dich die Menschen, mit denen Du "Umgang pflegtest", vermissen. Das Leben aber geht weiter, das Trinkwasser wird weiter gefördert, die Menschen im Landkreis Nordhausen weiter versorgt. Auch ohne Ulrich Schardt am Steuer. Was bleibt, das ist all das, was in den zurückliegenden 20 Jahren "erledigt" wurde. Das sind die wirklichen Spuren.
Und wenn in 100 Jahren die Wasserwerker den Besuchern im Wasserwerk erzählen, wie es denn von 1990 bis 2013 so war, dann werden sie hoffentlich mit dem gleichen Respekt davon sprechen, wie Du es von den "Altvorderen" immer gemacht hast. Vielleicht fällt dann Dein Name, vielleicht auch nicht.
Ach so, bevor ich es vergesse: Was ich vermissen werde, ganz ehrlich, das sind die Witze, die es immer zum Abschluss unserer Telefonate gab. In diesem Sinne, lieber Uli, alles Gute und vor allem Gesundheit im hoffentlichen Unruhestand.
Peter-Stefan Greiner








