Alle Achtung-Arbeitssicherheit
Montag, 29. März 2004, 16:49 Uhr
Nordhausen (nnz). Arbeitsschutz ist mehr als Helmpflicht auf Baustellen. Die Aufgaben des Amtes in der Gerhard Hauptmann Straße erweisen sich als ausgesprochen vielseitig. Was alles dazugehört, hat nnz herausgefunden.
Einen interessierten Blick wirft Sozialminister Klaus Zeh (CDU) auf den Tisch mit beanstandeten Produkten. Da gibt es den Hammer aus Gußeisen, statt Stahl, die Lichterkette aus Klingeldraht, die Kreissäge mit gefälschtem Prüfzeichen und viele andere Dinge, die verschiedenste Gefahren bergen.
Dreißig Mitarbeiter hat das Nordhäuser Amt für Arbeitsschutz. Es ist für vier Landkreise mit insgesamt 14.620 Betrieben zuständig. Trotzdem ist es eines der kleinsten in Thüringen. Nicht nur die Kontrollen in Betrieben, die jederzeit unangekündigt stattfinden können, gehören zu den Aufgaben. Die Mitarbeiter fungieren auch als Berater in allen Fragen der Arbeitssicherheit. Wenn eine Firma ein neues Produkt oder eine Maschine auf den Markt bringen möchte, dann kann sie sich in der Gerhard Hauptmann Straße über die neuesten Standards informieren. Arbeitsschützer müssen sich nämlich schneller qualifizieren und mit der Technik auseinandersetzen als die Beschäftigten in den Firmen, nur so können sie dann mit Rat und Tat helfen.
Erfreulich ist die Bilanz in Zahlen. Gab es 2002 noch 2717 Arbeits- und Wegeunfälle, waren es im vergangenen Jahr nur 2418. 1993 passierten sogar rund doppelt so viele Unfälle, gibt Amtsleiter Horst Schröter Auskunft. Inzwischen existieren bessere Schutzvorrichtungen und es muß dank neuer Technik weniger schwere körperliche Arbeit verrichtet werden.
Erfolgreich sei der Arbeitsschutz wenn nichts passiert, deswegen werde die Behörde in der Öffentlichkeit nicht sehr stark wahrgenommen, so der Minister. Eigentlich gebühre ihr jedoch große Wertschätzung. Bei seinem Besuch in Nordhausen nahm sich Klaus Zeh daher Zeit für ein Gespräch mit der Belegschaft. Sehr motiviert seien die dreißig Leute.
Sie haben mit ihren Sicherheitskonzepten auch schon vielen Betrieben geholfen. Die NOI Rotortechnik stand zum Beispiel wegen der Sensibilisierung der Haut durch die Verarbeitung von Epoxydharzen in der Kritik. Mit dem Amt für Arbeitssicherheit wurden bessere Schutzkleidung und eine funktionierende Belüftungsanlage gefunden, was die Arbeit mit den Harzen weniger gesundheitsschädlich macht.
Die Mitarbeiter kontrollieren Tankstellen, wo das Amt auch als Genehmigungsbehörde beim Bau fungiert. Sie achten auf den Strahlenschutz in Röntgenpraxen und im Krankenhaus. Auch Apotheken stehen auf dem Besuchsplan, da den Sicherheitsexperten die Medizinproduktvertriebskontrolle obliegt. Billigmärkte, die zum Beispiel ungeprüfte Werkzeuge aus Fernost anbieten oder Silvesterknaller ohne Prüfzeichen müssen mit einem Besuch des Amtes rechnen. Baustellenbegehungen und die Überwachung von Fuhrunternehmen gehören selbstverständlich auch dazu.
Natürlich ist jeder Unfall einer zuviel, vor allem die etwa 20 schweren Verletzungen pro Jahr müßten vermieden werden. Im vergangenen Jahr gab es nur 3 Todesfälle im Gebiet des Nordhäuser Amtes. Mit Hilfe einer Behörde, die sich nicht als Straf- und Gängeltruppe, sondern als Berater in Sachen Sicherheit sehen möchte, lassen sich zwar nicht alle Gefahren beseitigen, aber doch eindämmen. Deutschland verfüge über einen der höchsten Sicherheitsstandards in Europa, erklärt Minister Zeh und meint, daß dies ein wichtiger Standortvorteil sei. Denn nur gesunde Mitarbeiter wären auch leistungsfähig für ihr Unternehmen.
Autor: wf
Einen interessierten Blick wirft Sozialminister Klaus Zeh (CDU) auf den Tisch mit beanstandeten Produkten. Da gibt es den Hammer aus Gußeisen, statt Stahl, die Lichterkette aus Klingeldraht, die Kreissäge mit gefälschtem Prüfzeichen und viele andere Dinge, die verschiedenste Gefahren bergen.Dreißig Mitarbeiter hat das Nordhäuser Amt für Arbeitsschutz. Es ist für vier Landkreise mit insgesamt 14.620 Betrieben zuständig. Trotzdem ist es eines der kleinsten in Thüringen. Nicht nur die Kontrollen in Betrieben, die jederzeit unangekündigt stattfinden können, gehören zu den Aufgaben. Die Mitarbeiter fungieren auch als Berater in allen Fragen der Arbeitssicherheit. Wenn eine Firma ein neues Produkt oder eine Maschine auf den Markt bringen möchte, dann kann sie sich in der Gerhard Hauptmann Straße über die neuesten Standards informieren. Arbeitsschützer müssen sich nämlich schneller qualifizieren und mit der Technik auseinandersetzen als die Beschäftigten in den Firmen, nur so können sie dann mit Rat und Tat helfen.
Erfreulich ist die Bilanz in Zahlen. Gab es 2002 noch 2717 Arbeits- und Wegeunfälle, waren es im vergangenen Jahr nur 2418. 1993 passierten sogar rund doppelt so viele Unfälle, gibt Amtsleiter Horst Schröter Auskunft. Inzwischen existieren bessere Schutzvorrichtungen und es muß dank neuer Technik weniger schwere körperliche Arbeit verrichtet werden.
Erfolgreich sei der Arbeitsschutz wenn nichts passiert, deswegen werde die Behörde in der Öffentlichkeit nicht sehr stark wahrgenommen, so der Minister. Eigentlich gebühre ihr jedoch große Wertschätzung. Bei seinem Besuch in Nordhausen nahm sich Klaus Zeh daher Zeit für ein Gespräch mit der Belegschaft. Sehr motiviert seien die dreißig Leute.
Sie haben mit ihren Sicherheitskonzepten auch schon vielen Betrieben geholfen. Die NOI Rotortechnik stand zum Beispiel wegen der Sensibilisierung der Haut durch die Verarbeitung von Epoxydharzen in der Kritik. Mit dem Amt für Arbeitssicherheit wurden bessere Schutzkleidung und eine funktionierende Belüftungsanlage gefunden, was die Arbeit mit den Harzen weniger gesundheitsschädlich macht.
Die Mitarbeiter kontrollieren Tankstellen, wo das Amt auch als Genehmigungsbehörde beim Bau fungiert. Sie achten auf den Strahlenschutz in Röntgenpraxen und im Krankenhaus. Auch Apotheken stehen auf dem Besuchsplan, da den Sicherheitsexperten die Medizinproduktvertriebskontrolle obliegt. Billigmärkte, die zum Beispiel ungeprüfte Werkzeuge aus Fernost anbieten oder Silvesterknaller ohne Prüfzeichen müssen mit einem Besuch des Amtes rechnen. Baustellenbegehungen und die Überwachung von Fuhrunternehmen gehören selbstverständlich auch dazu.
Natürlich ist jeder Unfall einer zuviel, vor allem die etwa 20 schweren Verletzungen pro Jahr müßten vermieden werden. Im vergangenen Jahr gab es nur 3 Todesfälle im Gebiet des Nordhäuser Amtes. Mit Hilfe einer Behörde, die sich nicht als Straf- und Gängeltruppe, sondern als Berater in Sachen Sicherheit sehen möchte, lassen sich zwar nicht alle Gefahren beseitigen, aber doch eindämmen. Deutschland verfüge über einen der höchsten Sicherheitsstandards in Europa, erklärt Minister Zeh und meint, daß dies ein wichtiger Standortvorteil sei. Denn nur gesunde Mitarbeiter wären auch leistungsfähig für ihr Unternehmen.
