Wann wir schreiten Seit' an Seit' ... (4. Teil)
Dienstag, 28. Mai 2013, 06:16 Uhr
Die älteste Partei Deutschlands – die SPD – begeht in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag. NNZ-Autor Hans-Georg Backhaus befasst sich in diesem Teil mit dem wirtschaftlichen Niedergang des Reiches nach dem Ersten Weltkrieg, der schwierigen Lage der SPD und des aufkommenden Nationalsozialismus...
Trotz gravierender Fehlentscheidungen erreichte die SPD bei den nachfolgenden Wahlen rund 38 Prozent der Stimmen und wurde stärkste Kraft im Reichstag. Mit der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und der (katholischen) Zentrumspartei ging sie eine Koalition ein, nachdem sich die USPD einer weiteren Zusammenarbeit verweigert hatte. Die neue Regierung schloss mit den Siegermächten den Versailler(Friedens)Vertrag, der von vielen Deutschen als ein diktierter Vertrag empfunden wurde, und konzipierte eine neue Verfassung, die in vielen Passagen sozialdemokratische Grundzüge, wie Verankerung von Grundrechten, die Möglichkeit der Verstaatlichung von Schlüsselindustrien und die Bildung von Betriebsräten, enthielt.
Für große Teile des Industrieproletariats aber waren diese Neuerungen nicht revolutionär genug. So war es nicht verwunderlich, dass die SPD bei den Reichstagswahlen 1920 gewaltige Stimmenverluste hinnehmen musste, zumal sie auch für sämtliche Kriegsfolgen allein verantwortlich gemacht wurde, während die USPD einen großen Sieg (17,6 %) einfahren konnte. Wenig später wechselten große Teile der USPD zur KPD. Der SPD blieb nur noch der Weg in die Opposition.
1925 verstarb Reichspräsident Friedrich Ebert. Und die Jahre bis 1928 bescherten der SPD keine nennenswerte Regierungsverantwortung mehr. Letzter sozialdemokratischer Reichskanzler wurde 1928 Hermann Müller, der sich vorrangig mit dem wirtschaftlichen Niedergang und bitterster Armut der Bevölkerung konfrontiert sah. Angesichts dieser Situation gab es für die Regierung keine Überlebenschance. Von nun an hatte die SPD nur noch aus der Opposition heraus die Möglichkeit, sich mit den vom neuen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg eingesetzten Notstandsregierungen auseinanderzusetzen, zumal sich der Rechtstrend der bürgerlichen Mittel- und Oberschichten immer weiter fortsetzte.
Die politischen Auseinandersetzungen zwischen Links und Rechts waren zudem mehr und mehr durch gewaltsame Aktionen gekennzeichnet – im rechten Spektrum vor allem durch die faschistische SA (Sturm-Abteilung) und auf der extrem linken Seite durch die Rotfront-Kämpfer, die zumeist der KPD angehörten oder zumindest mit ihr sympathisierten. Zu allem Übel nahm der sogenannte Preußenschlag am 20. Juli 1932 der SPD die letzte Machtbastion im Land Preußen, wo die Partei die Regierungsgewalt inne hatte, auch wenn sie nur eine Minderheitsregierung war. Da die KPD zu dieser Zeit an einer Zusammenarbeit mit der SPD nicht interessiert war, blieb die SPD bis zum Ende der Weimarer Republik die einzige Partei, die für den Erhalt der parlamentarischen Demokratie kämpfte. Die bürgerlichen Parteien und mit ihr große Wählerschaften schlugen einen nationalistischen Kurs ein, der künftig die Richtung bestimmen sollte. Der Weg zur Diktatur war geebnet.
Der große Verdienst der SPD während der Weimarer Republik bestand vor allem im Aufbau des Sozialstaates, und hier hauptsächlich in der Etablierung der Arbeitslosenversicherung und eines neuen Arbeitsrechts. Größter Schwachpunkt war der Vertrag von Versailles, den die SPD unterzeichnen musste und für deren Folgen sie allein verantwortlich gemacht wurde.
Durch eine gemäßigte Außenpolitik trug die Partei immerhin dazu bei, dass die auferlegten Reparationslasten zumindest in Grenzen gehalten werden konnten. Sie handelte also staatstragender als die rechten Oppositionsparteien, die unaufhörlich mit nationalistischen Parolen das Feuer schürten. (Wird fortgesetzt).
Hans-Georg Backhaus
Autor: redTrotz gravierender Fehlentscheidungen erreichte die SPD bei den nachfolgenden Wahlen rund 38 Prozent der Stimmen und wurde stärkste Kraft im Reichstag. Mit der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und der (katholischen) Zentrumspartei ging sie eine Koalition ein, nachdem sich die USPD einer weiteren Zusammenarbeit verweigert hatte. Die neue Regierung schloss mit den Siegermächten den Versailler(Friedens)Vertrag, der von vielen Deutschen als ein diktierter Vertrag empfunden wurde, und konzipierte eine neue Verfassung, die in vielen Passagen sozialdemokratische Grundzüge, wie Verankerung von Grundrechten, die Möglichkeit der Verstaatlichung von Schlüsselindustrien und die Bildung von Betriebsräten, enthielt.
Für große Teile des Industrieproletariats aber waren diese Neuerungen nicht revolutionär genug. So war es nicht verwunderlich, dass die SPD bei den Reichstagswahlen 1920 gewaltige Stimmenverluste hinnehmen musste, zumal sie auch für sämtliche Kriegsfolgen allein verantwortlich gemacht wurde, während die USPD einen großen Sieg (17,6 %) einfahren konnte. Wenig später wechselten große Teile der USPD zur KPD. Der SPD blieb nur noch der Weg in die Opposition.
1925 verstarb Reichspräsident Friedrich Ebert. Und die Jahre bis 1928 bescherten der SPD keine nennenswerte Regierungsverantwortung mehr. Letzter sozialdemokratischer Reichskanzler wurde 1928 Hermann Müller, der sich vorrangig mit dem wirtschaftlichen Niedergang und bitterster Armut der Bevölkerung konfrontiert sah. Angesichts dieser Situation gab es für die Regierung keine Überlebenschance. Von nun an hatte die SPD nur noch aus der Opposition heraus die Möglichkeit, sich mit den vom neuen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg eingesetzten Notstandsregierungen auseinanderzusetzen, zumal sich der Rechtstrend der bürgerlichen Mittel- und Oberschichten immer weiter fortsetzte.
Die politischen Auseinandersetzungen zwischen Links und Rechts waren zudem mehr und mehr durch gewaltsame Aktionen gekennzeichnet – im rechten Spektrum vor allem durch die faschistische SA (Sturm-Abteilung) und auf der extrem linken Seite durch die Rotfront-Kämpfer, die zumeist der KPD angehörten oder zumindest mit ihr sympathisierten. Zu allem Übel nahm der sogenannte Preußenschlag am 20. Juli 1932 der SPD die letzte Machtbastion im Land Preußen, wo die Partei die Regierungsgewalt inne hatte, auch wenn sie nur eine Minderheitsregierung war. Da die KPD zu dieser Zeit an einer Zusammenarbeit mit der SPD nicht interessiert war, blieb die SPD bis zum Ende der Weimarer Republik die einzige Partei, die für den Erhalt der parlamentarischen Demokratie kämpfte. Die bürgerlichen Parteien und mit ihr große Wählerschaften schlugen einen nationalistischen Kurs ein, der künftig die Richtung bestimmen sollte. Der Weg zur Diktatur war geebnet.
Der große Verdienst der SPD während der Weimarer Republik bestand vor allem im Aufbau des Sozialstaates, und hier hauptsächlich in der Etablierung der Arbeitslosenversicherung und eines neuen Arbeitsrechts. Größter Schwachpunkt war der Vertrag von Versailles, den die SPD unterzeichnen musste und für deren Folgen sie allein verantwortlich gemacht wurde.
Durch eine gemäßigte Außenpolitik trug die Partei immerhin dazu bei, dass die auferlegten Reparationslasten zumindest in Grenzen gehalten werden konnten. Sie handelte also staatstragender als die rechten Oppositionsparteien, die unaufhörlich mit nationalistischen Parolen das Feuer schürten. (Wird fortgesetzt).
Hans-Georg Backhaus
