Wann wir schreiten Seit' an Seit'... (3. Teil)
Montag, 27. Mai 2013, 07:00 Uhr
Die älteste Partei Deutschlands – die SPD – begeht in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag. nnz-Autor Hans-Georg Backhaus befasst sich in diesem Teil vorrangig mit der Zustimmung der SPD bei der Bewilligung der Kriegskredite und deren fatale Folgen...
Das Jahr 1914 schließlich wurde für die SPD zum Jahr der Zäsur. Der Erste Weltkrieg brach aus. In der Vorbereitung dieses Krieges hatten die Vertreter der deutschen Rechten eine Gesetzesvorlage zur finanziellen Absicherung der Kriegshandlungen in den Reichstag eingebracht. Nun musste die SPD-Fraktion Farbe bekennen – und sie stimmte den Kriegskrediten einstimmig zu, vor allem wohl auch deshalb, weil dies im Reichstag mit dem historischen Satz Wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich begründet wurde. Eine für die Partei verheerende Entscheidung, die nicht ohne Folgen bleiben konnte.
Als schon im Dezember 1914 eine abermalige Abstimmung über weitere Kriegsgelder anstand, stimmte Karl Liebknecht als einziger dagegen, im Dezember 1915 waren es bei den Sozialdemokraten schon 41 Abgeordnete, die weitere Kriegsgelder ablehnten. In massive Opposition zur offiziellen Parteilinie gingen bekannte Persönlichkeiten wie Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Karl Liebknecht, was letztlich zum Ausschluss aus der Reichstagsfraktion führte.
Kurze Zeit später gründeten sie mit weiteren Anhängern den Spartakusbund, aus dem später die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) hervor ging. Es war schließlich nur noch eine Frage der Zeit, bis sich weitere SPD-Mitglieder von der Mutterpartei abspalteten und 1917 die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) gründeten. Sie sah sich als Anti-Kriegspartei und agierte entsprechend. Mit der Einheit der politischen Interessenvertretung der deutschen Arbeiterklasse war es nun vorbei.
Doch die SPD-Führung ging weiter massiv gegen Abtrünnige in den eigenen Reihen vor, die den Kriegs bejahenden Kurs nicht (mehr) mittragen wollten. Immer mehr Zweifel waren mittlerweile auch bei denen aufgetreten, die bislang hinter der Parteiführung standen. Und angesichts der russischen Oktoberrevolution 1917 und einer hungernden Bevölkerung im eigenen Land, sah sich die Führung der Partei in die Enge gedrängt und bildete mit zwei weiteren Fraktionen (katholische Zentrumspartei und Fortschrittspartei) einen Ausschuss zur Beendigung des Krieges.
Im Herbst 1918 konnte die Sozialdemokratie einen beachtlichen Erfolg verbuchen: Die Reichsregierung unter Max von Baden berief erstmals SPD-Mitglieder zu Staatssekretären. Die SPD begann sich somit einerseits zu einer staatstragenden Partei zu entwickeln und sah sich als Verteidigerin der demokratischen Republik, andererseits hatte sie – schon wegen der Konkurrenz zur KPD – die Interessen der nach dem Sozialismus strebenden Arbeiterschaft zu wahren. Kurz darauf endete der Erste Weltkrieg.
Das soziale Elend nahm nun immer größere Ausmaße an. Äußerst umstritten war der sogenannte Burgfrieden, den die Sozialdemokraten mit den Vertretern der reaktionären deutschen Machtelite eingingen, erhofften sie sich doch davon erforderliche Freiräume für Reformen, um das soziale Elend zumindest zu lindern. Immerhin konnte sie SPD-Führung erreichen, dass sich die noch bislang in ihren Reihen verbliebene linksradikale Gruppierung, die als einzigen Ausweg die Revolution sah, von der MSPD (M: Mehrheits-SPD) trennte (viele wechselten zur USPD oder KPD) und nun der Weg für einen parlamentarisch-demokratischen Kurs frei war.
Trotzdem kam es, bedingt durch die unsagbare Not, vielerorts zu Aufständen, an denen auch heimkehrende Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg teilnahmen und die sich über das gesamte Reich verbreiteten. Der deutsche Kaiser Wilhelm musste abdanken. Auch die alte Reichsregierung war am Ende. Neuer Reichskanzler wurde erstmals ein Sozialdemokrat - Friedrich Ebert, und am 9. November 1918 rief Philipp Scheidemann (SPD) die Republik aus. SPD und USPD stellten ihre Differenzen zurück und bildeten einen Rat der Volksbeauftragten, der sich zum Ziel setzte, eine Nationalversammlung zu wählen, die eine demokratische Verfassung ausarbeiten und Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Lage der Volksmassen ergreifen sollte.
Oberstes politisches Ziel war die Stärkung der Demokratie, nicht die Errichtung der Diktatur des Proletariats. Ein fataler Fehler bestand jedoch darin, dass sich die sozialdemokratische Führung der reaktionären Freikorps und der Reichswehr bediente und sämtliche Aufstände brutal niederschlagen ließ. Der Traum der linken Kräfte unter der Arbeiterschaft von einer Räterepublik nach sowjetischem Vorbild war zerplatzt. (Wird fortgesetzt).
Hans-Georg Backhaus
Autor: redDas Jahr 1914 schließlich wurde für die SPD zum Jahr der Zäsur. Der Erste Weltkrieg brach aus. In der Vorbereitung dieses Krieges hatten die Vertreter der deutschen Rechten eine Gesetzesvorlage zur finanziellen Absicherung der Kriegshandlungen in den Reichstag eingebracht. Nun musste die SPD-Fraktion Farbe bekennen – und sie stimmte den Kriegskrediten einstimmig zu, vor allem wohl auch deshalb, weil dies im Reichstag mit dem historischen Satz Wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich begründet wurde. Eine für die Partei verheerende Entscheidung, die nicht ohne Folgen bleiben konnte.
Als schon im Dezember 1914 eine abermalige Abstimmung über weitere Kriegsgelder anstand, stimmte Karl Liebknecht als einziger dagegen, im Dezember 1915 waren es bei den Sozialdemokraten schon 41 Abgeordnete, die weitere Kriegsgelder ablehnten. In massive Opposition zur offiziellen Parteilinie gingen bekannte Persönlichkeiten wie Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Karl Liebknecht, was letztlich zum Ausschluss aus der Reichstagsfraktion führte.
Kurze Zeit später gründeten sie mit weiteren Anhängern den Spartakusbund, aus dem später die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) hervor ging. Es war schließlich nur noch eine Frage der Zeit, bis sich weitere SPD-Mitglieder von der Mutterpartei abspalteten und 1917 die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) gründeten. Sie sah sich als Anti-Kriegspartei und agierte entsprechend. Mit der Einheit der politischen Interessenvertretung der deutschen Arbeiterklasse war es nun vorbei.
Doch die SPD-Führung ging weiter massiv gegen Abtrünnige in den eigenen Reihen vor, die den Kriegs bejahenden Kurs nicht (mehr) mittragen wollten. Immer mehr Zweifel waren mittlerweile auch bei denen aufgetreten, die bislang hinter der Parteiführung standen. Und angesichts der russischen Oktoberrevolution 1917 und einer hungernden Bevölkerung im eigenen Land, sah sich die Führung der Partei in die Enge gedrängt und bildete mit zwei weiteren Fraktionen (katholische Zentrumspartei und Fortschrittspartei) einen Ausschuss zur Beendigung des Krieges.
Im Herbst 1918 konnte die Sozialdemokratie einen beachtlichen Erfolg verbuchen: Die Reichsregierung unter Max von Baden berief erstmals SPD-Mitglieder zu Staatssekretären. Die SPD begann sich somit einerseits zu einer staatstragenden Partei zu entwickeln und sah sich als Verteidigerin der demokratischen Republik, andererseits hatte sie – schon wegen der Konkurrenz zur KPD – die Interessen der nach dem Sozialismus strebenden Arbeiterschaft zu wahren. Kurz darauf endete der Erste Weltkrieg.
Das soziale Elend nahm nun immer größere Ausmaße an. Äußerst umstritten war der sogenannte Burgfrieden, den die Sozialdemokraten mit den Vertretern der reaktionären deutschen Machtelite eingingen, erhofften sie sich doch davon erforderliche Freiräume für Reformen, um das soziale Elend zumindest zu lindern. Immerhin konnte sie SPD-Führung erreichen, dass sich die noch bislang in ihren Reihen verbliebene linksradikale Gruppierung, die als einzigen Ausweg die Revolution sah, von der MSPD (M: Mehrheits-SPD) trennte (viele wechselten zur USPD oder KPD) und nun der Weg für einen parlamentarisch-demokratischen Kurs frei war.
Trotzdem kam es, bedingt durch die unsagbare Not, vielerorts zu Aufständen, an denen auch heimkehrende Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg teilnahmen und die sich über das gesamte Reich verbreiteten. Der deutsche Kaiser Wilhelm musste abdanken. Auch die alte Reichsregierung war am Ende. Neuer Reichskanzler wurde erstmals ein Sozialdemokrat - Friedrich Ebert, und am 9. November 1918 rief Philipp Scheidemann (SPD) die Republik aus. SPD und USPD stellten ihre Differenzen zurück und bildeten einen Rat der Volksbeauftragten, der sich zum Ziel setzte, eine Nationalversammlung zu wählen, die eine demokratische Verfassung ausarbeiten und Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Lage der Volksmassen ergreifen sollte.
Oberstes politisches Ziel war die Stärkung der Demokratie, nicht die Errichtung der Diktatur des Proletariats. Ein fataler Fehler bestand jedoch darin, dass sich die sozialdemokratische Führung der reaktionären Freikorps und der Reichswehr bediente und sämtliche Aufstände brutal niederschlagen ließ. Der Traum der linken Kräfte unter der Arbeiterschaft von einer Räterepublik nach sowjetischem Vorbild war zerplatzt. (Wird fortgesetzt).
Hans-Georg Backhaus
