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nnz-Betrachtung: Das Ende?

Freitag, 26. März 2004, 10:16 Uhr
Nordhausen (nnz). Können Sie sich eine Partei vorstellen, deren Anhänger den Ministerpräsidenten der „Konkurrenz“ besser finden, als den eigenen Kandidaten? Es gibt eine solche Partei. In Thüringen. Und die will nach dem 13. Juni dieses Land sogar (mit)regieren.


Es ist die SPD. Die sozialdemokratische Partei ist ein paar Wochen vor den entscheidenden Wahlen in Thüringen gerade dabei sich selbst zu demontieren. Konnte die Selbstauflösung nach dem Verkünden der Agenda 2010 gerade noch so verhindert werden, so wird nun vermutlich ein neuer Anlauf genommen. Das – mit Verlaub – ist nicht das „Gespinne einer kleinen Online-Zeitung“, das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap, die vom MDR in Auftrag gegeben wurde.

Daß der jetzige Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) von 60 Prozent aller wahlberechtigten Thüringer wieder zum ersten Mann im Lande gewählt würde, das ist eine Überraschung so nicht. Das ist ausschließlich die erste Demütigung für die Herren Matschie und Ramelow. Deren Abschneiden ist momentan desaströs und eher gelben oder grünen Kandidaten zuzutrauen, wenn die sich eine Kandidatur zutrauen würden. Die PDS hat sich in diesem Jahr getraut, das vorläufige Ergebnis liegt seit gestern vor.

Bei der SPD ist das Aufstellen eines Ministerpräsidenten-Kandidaten natürlich Pflicht, schließlich nennt man sich selbst im grünen Herzen Deutschlands „Volkspartei“. Doch deren Anhänger haben den Glauben an das Sozialdemokratische verloren, sie sind vermutlich selbst nach einem neuen Kandidaten als Althaus-Herausforderer auf der Suche. Wie anders ist zu erklären, dass 42 Prozent der Sozi-Anhänger Dieter Althaus wählen würden, 31 Prozent aber nur Christoph Matschie?

Die nnz hatte schon mehrfach den Landesvorsitzenden in seinem Agieren kommentiert, nach seinen taktischen Meisterleistungen hinsichtlich der Landesliste, bleibt auch lokal-orientiert arbeitenden Redakteuren schlicht und ergreifend die Sprache weg. Die bleibt auch den Sozialdemokraten vermutlich weg, vielleicht gibt es ab Sonntag was zu sagen. In Jena, da müssen sich auch die zehn Delegierten aus dem Landkreis Nordhausen morgen erst einmal mit zwei Listenvorschlägen auseinandersetzen. Die eine hatte Anfang der Woche der Landesvorstand beschlossen, die andere hatte Christoph Matschie gestern durchgeboxt, sie trägt den Namen „Vorschlagsliste der Kreisvorsitzenden“. Nur gibt es ein Gremium namens „Kreisvorsitzende“ nicht, nicht einmal in der Thüringer SPD.

Ob es am Sonntag auch noch den Landesvorsitzenden und Althaus-Herausforderer Matschie gibt, dass kann momentan niemand voraussagen. Vielleicht weiß es ja der Kanzler, der in Jena auch reden will? Vielleicht findet Gerhard Schröder mitten in Ostdeutschland auch ein paar mehr Worte zu diesem „vergessenen Landstrich“ außer „Abkindern“?

Von Schröders Worten wird abhängen, ob sich die Sozialdemokratie nach einem anderen Kandidaten umsehen muß. Personelle Alternativen werden momentan offiziell nicht gesehen. Vielleicht eine, aber die darf zwischen Nordhausen und Hildburghausen nicht ausgesprochen werden: Richard Dewes. Politisch gesehen, könnten die nächsten beiden Tage einer vergnüglichen Veranstaltung gleichen – für die Thüringer Christdemokratie und ihre Anhängerschar, die mit 87 Prozent Althaus wählen würde. Und die zwei Prozent, die sich für Matschie entschieden haben, die sind nun wirklich eine zu vernachlässigende Größe.
Autor: nnz

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