Bildungsvielfalt statt PISA
Freitag, 19. März 2004, 21:55 Uhr
Nordhausen (nnz). Mit jeder Schule, die schließt, gibt es weniger Bildungsalternativen für Kinder. Dem Christlichen Schulzentrum droht das Aus, aber Eltern und Kinder wollen das so nicht hinnehmen. Sie organisierten eine Demonstration.
Kinder haben Rechte, und die können sie gar nicht früh genug kennenlernen. Um der eigenen Meinung Ausdruck zu verleihen darf man zum Beispiel öffentlich demonstrieren, auf der Straße, bewacht von der Polizei. Mit selbst gebastelten Plakaten marschierten Kinder, Eltern und Lehrer von ihrer Schule in Nord zum Gemeindehaus neben der Blasii-Kirche. Mit Sprechchören machten sie sich selbst Mut und wiesen auf das drohende Aus ihrer gut funktionierenden Bildungseinrichtung hin. Die Schüler schätzen vor allem den guten Unterricht mit vielen alternativen Bildungsangeboten. Am liebsten wäre es allen, wenn nicht nur die Grundschule erhalten bliebe, sondern auch die Regelschule, die mit 40 Kindern in drei Klassenstufen aber sehr klein ist. Für die über 100 Grundschüler sieht es aber gar nicht so schlecht aus.
Nicht alle Eltern teilten die Begeisterung ihrer Kinder für die Demonstration, denn eigentlich ist Nordhausen der falsche Ort dafür. Die Unterstützung der Stadt hat das Christliche Schulzentrum. Den Plattenbau aus DDR-Zeiten in Nord gibt´s zu einem akzeptablem Mietpreis. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke setzt sich auch für den Erhalt der Schule ein, da ihr an Vielfalt im Bildungswesen liegt.
Das Problem entstand viel mehr durch die Unterschiede von Trägerschaft und Kirchenzugehörigkeit. Nordhausen gehört zur Kirchenprovinz Sachsen, Träger ist aber die Landeskirche Thüringen. Wären beide schon vereinigt oder würden enger zusammenarbeiten, was für die Zukunft geplant ist, dann wäre das Problem wesentlich kleiner. Die Elterninitiative hatte sich einen Runden Tisch mit allen Beteiligten gewünscht, aber dazu kam es bis heute nicht.
Dafür erschien Pröpstin Elfriede Begrich von der Propstei Erfurt/Nordhausen und machte den Demoteilnehmern Hoffnung. Bis zum Ultimatum am 01. April weiß sie zwar noch nicht Bescheid wie es weitergehen kann, aber 07. April kann sie der Elterninitiative Auskunft geben, versprach sie. Vorher haben die beiden Kirchen getagt und sich mit dem Problem auseinandergesetzt. Die Pröpstin bedauerte sehr, daß die christliche Schule nur noch auf das finanzielle Problem reduziert betrachtet werde, die hervorragende pädagogische Arbeit aber kaum Beachtung fände. In allen Gremien, in denen sie sitze, so Elfriede Begrich, werde sie sich für den Erhalt der Schule stark machen. Sie habe mehr als nur ein Fünkchen Hoffnung auf den Erhalt, sondern sei sicher, daß die Schule bleiben könnte. Dafür sprach sie mit allen Anwesenden ein Gebet auf dem Blasii-Platz.
Die Kinder brauchen eine Perspektive, sagte Pfarrer Marc Pokoj. Langsam werde die Zeit bis zum Ende des Schuljahres knapp und die Schüler müßten wissen, wo sie dann unterrichtet werden. Er setzte die Frist bis zum Ende dieses Monats. Wenn Anfang April aber ein positiver Bescheid für die Kinder käme, dann lohnt es sich auch noch die paar Tage abzuwarten.
Weitere Aktionen zum Erhalt des Christlichen Schulzentrums sind in Planung. Am nächsten Wochenende tagt die Synode in Halle, da wollen auch einige Nordhäuser mit ihren Kindern demonstrieren. Dort sind sie genau an der richtigen Adresse. Mit dem Erhalt der Bildungsstätte könnten die Kirchenprovinz Sachsen und die Thüringer Landeskirche zeigen, daß ihre Zusammenarbeit auch in der Praxis gut funktioniert.
Autor: wf
Kinder haben Rechte, und die können sie gar nicht früh genug kennenlernen. Um der eigenen Meinung Ausdruck zu verleihen darf man zum Beispiel öffentlich demonstrieren, auf der Straße, bewacht von der Polizei. Mit selbst gebastelten Plakaten marschierten Kinder, Eltern und Lehrer von ihrer Schule in Nord zum Gemeindehaus neben der Blasii-Kirche. Mit Sprechchören machten sie sich selbst Mut und wiesen auf das drohende Aus ihrer gut funktionierenden Bildungseinrichtung hin. Die Schüler schätzen vor allem den guten Unterricht mit vielen alternativen Bildungsangeboten. Am liebsten wäre es allen, wenn nicht nur die Grundschule erhalten bliebe, sondern auch die Regelschule, die mit 40 Kindern in drei Klassenstufen aber sehr klein ist. Für die über 100 Grundschüler sieht es aber gar nicht so schlecht aus.
Nicht alle Eltern teilten die Begeisterung ihrer Kinder für die Demonstration, denn eigentlich ist Nordhausen der falsche Ort dafür. Die Unterstützung der Stadt hat das Christliche Schulzentrum. Den Plattenbau aus DDR-Zeiten in Nord gibt´s zu einem akzeptablem Mietpreis. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke setzt sich auch für den Erhalt der Schule ein, da ihr an Vielfalt im Bildungswesen liegt.
Das Problem entstand viel mehr durch die Unterschiede von Trägerschaft und Kirchenzugehörigkeit. Nordhausen gehört zur Kirchenprovinz Sachsen, Träger ist aber die Landeskirche Thüringen. Wären beide schon vereinigt oder würden enger zusammenarbeiten, was für die Zukunft geplant ist, dann wäre das Problem wesentlich kleiner. Die Elterninitiative hatte sich einen Runden Tisch mit allen Beteiligten gewünscht, aber dazu kam es bis heute nicht.
Dafür erschien Pröpstin Elfriede Begrich von der Propstei Erfurt/Nordhausen und machte den Demoteilnehmern Hoffnung. Bis zum Ultimatum am 01. April weiß sie zwar noch nicht Bescheid wie es weitergehen kann, aber 07. April kann sie der Elterninitiative Auskunft geben, versprach sie. Vorher haben die beiden Kirchen getagt und sich mit dem Problem auseinandergesetzt. Die Pröpstin bedauerte sehr, daß die christliche Schule nur noch auf das finanzielle Problem reduziert betrachtet werde, die hervorragende pädagogische Arbeit aber kaum Beachtung fände. In allen Gremien, in denen sie sitze, so Elfriede Begrich, werde sie sich für den Erhalt der Schule stark machen. Sie habe mehr als nur ein Fünkchen Hoffnung auf den Erhalt, sondern sei sicher, daß die Schule bleiben könnte. Dafür sprach sie mit allen Anwesenden ein Gebet auf dem Blasii-Platz.Die Kinder brauchen eine Perspektive, sagte Pfarrer Marc Pokoj. Langsam werde die Zeit bis zum Ende des Schuljahres knapp und die Schüler müßten wissen, wo sie dann unterrichtet werden. Er setzte die Frist bis zum Ende dieses Monats. Wenn Anfang April aber ein positiver Bescheid für die Kinder käme, dann lohnt es sich auch noch die paar Tage abzuwarten.
Weitere Aktionen zum Erhalt des Christlichen Schulzentrums sind in Planung. Am nächsten Wochenende tagt die Synode in Halle, da wollen auch einige Nordhäuser mit ihren Kindern demonstrieren. Dort sind sie genau an der richtigen Adresse. Mit dem Erhalt der Bildungsstätte könnten die Kirchenprovinz Sachsen und die Thüringer Landeskirche zeigen, daß ihre Zusammenarbeit auch in der Praxis gut funktioniert.
