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Die Spielzeit der Jubiläen

Freitag, 19. April 2013, 17:28 Uhr
Das Theater Nordhausen stellte heute den Spielplan für die kommende Saison 2013/14vor, in der es jede Menge Jahrestage zu überstehen gilt. Intendant Lars Tietje und sein Team sind dafür gut gerüstet.

Neben dem Intendanten werden auch Chefdramaturgin Dr. Anja Eisner und Balettdirektorin Jutta Ebnother ihre 10. Spielzeit am Fuße des Harzes erleben. Alle drei haben große Verdienste daran, dass sich das theatralische Aushängeschild im Norden Thüringens sensationell entwickelt hat. Von einstmals 6% eingespielter Eigeneinnahmen im Jahresetat ging es stetig, aber rasant auf nunmehr 12% hoch. Fand vor acht Jahren ein einziges Schlosskonzert des Loh-Orchesters statt, so sind es heute fünf Aufführungen zu jedem der drei Schlosskonzerte . Das Orchester geht unter seinem GMD Markus L. Frank immere wieder und immer weiter neue Wege. Da wird unter anderem von den Musikern auf eigenes Gehalt verzichtet, um zwei Musikerstellen zusätzlich schaffen zu können. Ein einzigartiger Vorgang, der einmal mehre zeigt, dass es in der Ägide Tietje um das Publikum geht, um einen ausgewogenen Spielplan und um die Reputation des Theaters.

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Geballte Theaterkompetenz in einer Linie lauscht den Ausführungen des Intendanten

So wie der Spielplan für die nächste Spielzeit aufgestelt ist, wird es an diesen Grundprinzipien keine Abstriche geben. Mit einem wahren Klassiker und einer Perle als Schauspielvorlage wie als Oper eröffnet das Theater Nordhausen im Herbst den bunten Reigen an Inszenierungen: Wolfgang Amadeus Mozarts "Die Hochzeit des Figaro". Im Musiktheater folgen "Der Vogelhändler" als herbstliche Operette und die Oper "Tiefland" von Eugen d'Albert. "Singin in the rain" soll die Musicaltradition fortführen und – Achtung Jubiläum! - Iris Limbarth wird bereits zu zehnten Male in Nordhausen inszenieren. Vedis Meister werk "Rigoletto" beschließt im Mai die Inszenierungen im Hause, aber noch nicht die spektakulären Neuinszenierungen 2013/14. Zu den Schlossfestspielen im nächsten Jahr gibt es dann in Sondershausen nichts weniger als den immergrünenden Evergreen "My fair Lady" zu bewundern. Dieses Programm verspricht großes Zuschauerinteresse und dürfte den Nerv der Nordhäuser Theaterfreunde treffen.

Oben erwähnte Jutta Ebnother hat seit mehreren Spielzeiten einen hervorragenden Ruf, der sich unter den Tänzern herumgesprochen hat. So gibt es viele Bewerbungen aber kaum freie Stellen, denn die Bewegungskünstler wollen alle gern in Nordhausen bleiben und an den nichtalltäglichen Projekten der Balettchefin teilnehmen. Erster Höhepunkt wird im Oktober ein Abend, der einem Theatermann huldigt, der mit Tanz wohl eher weniger zu tun hatte. William Shakespeare, der unsterbliche Barde aus Stratford up on Avon würde im Jahre 2014 stolze 450 Jahre alt. Ebnother will aber keine Romeo-und-Julia-Instzenierung oder ähnliches, sondern sich mit eigenen Ideen der Figurenvielfalt des Meisters annähern. Einen zweiten Ballettabend gibt es Ende Januar und im Mai einen weitere Kammertanzabend. Zu Weihnachten kommt der "Nussknacker" wieder auf die Bühne und im April erwartet Nordhausen wieder Balletttruppen aus ganz Deutschland zu den Nordhäuser Ballett-Tagen.

Auch die Kooperation mit dem Rudolstädter Schauspielern geht in das zehnte Jahr und soll laut der Intendanten Mensching und Tietje unbedingt fortgesetzt werden, denn beide Seiten halten diesen Austausch für gelungen und beispielhaft. Zwei Komödien, ein Schauspiel und einen Schwank werden die Mimem aus Südthüringen beisteuern. Mit Sean O'Casey, einem der ganz großen aus der großen Reihe berühmter Iren, und dem Amerikaner Tennessee Williams sind zudem zwei der bedeutendsten Theatermoralisten des 20. Jahrhunderts vertreten ("Purpurstaub" und "Orpheus steigt herab" werden gespielt). "Die Wahrheit" heißt eine Komödie des französischen Autoren Florian Zeller, in der es – wie der Titel schon verrät – um viele Lügen und ihre Kurzbeinigkeit geht. Mit "Weekend im Paradies" kommt ein Schwank des Autorenteams Arnold und Bach hinzu, der getrost als Mercedes seines Genres bezeichnet werden kann.

Das Loh-Orchester greift ebenfalls Shakespeares Jubiläum auf und widmet ihm sein 4. Sinfoniekonzert am 1. und 2. Februar. Neben sechs Sinfoniekonzerten gibt es drei verschiedene Schlosskonzerte und vier Loh-Konzerte. Aber auch Weinhachts-, Faschings-, Neujahrs- und After-work-Konzerte, Kammerkonzerte und "Spanische Nacht" mit Kompositionen von alten Meistern und jungen Komponistenhoffnungen - für jeden Geschmack ist etwas dabei. Was die 53 Musiker, die auch alle Musiktheateraufführungen begleiten, über das Jahr leisten, nötigt vollen Respekt ab. Detaillierte Informationen zu den einzelnen Konzerten geben wir Ihnen zu gegebener Zeit natürlich hier in Ihrer nnz.

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Starke Marke in der Region: Nordhausens Theater ist ein künstlerischer Leuchtturm

Das junge Theater unter der Leitung von Bianca Sue Henne hat sich viel vorgenommen, bringt mit Jewgeni Schwarz' "Rotkäppchen" einen Märchenklassiker heraus, widmet sich tänzerisch dem rusischen Nationaldichter Alexander Puschkin und dem Grimmschen Märchen "Dienzertanzten Schuhe". Außerdem versuchen sich die jungen Leute Anang April an Henrik Ibsens Monumentalwerk "Peer Gynt".

Eine Spielzeit wurde da heute im Foyer des Theaters Nordhausen angekündigt, die ambitioniert ein reichhaltiges Angebot offeriert und auf ein interessiertes und begeisterungsfähiges Publikum wartet. Keine andere Kultureinrichtung im weiten Harzer Umkreis kann solch eine geballte Menge Kunst vorlegen. Dieses Theater in dieser Stadt Nordhausen ist ein echter Standortvorteil gegenüber vielen Nachbarstädten. Bleibt zu hoffen, dass daraus auch endlich einmal touristisches Kapital geschlagen werden kann und viele Besucher aus Nah und Fern in die Kollwitz-Straße strömen.

An zwei Tagen wird das Theater im Winter jedenfalls rammelvoll sein, das steht jetzt schon fest. Da wird nämlich unter dem Motto "Hinter den Kulissen von Paris" wieder der legendäre Bühnenball durchs Haus fegen. Also dann – Vorhang auf für die 97. Spielzeit in Nordhausen!
Autor: nnz/kn

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