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Von der FH zu DaimlerChrysler

Donnerstag, 11. März 2004, 13:56 Uhr
Nordhausen (FHPN) Vor wenigen Wochen wurde die zweite Studierendengeneration von der Hochschule verabschiedet. Zeit, einmal nachzufragen, wie es dieser wie auch der vorangegangenen Studierendengeneration bei ihrem Entritt ins Berufsleben ergangen ist.
Einer von ihnen ist Stephan Blauwitz. Er hat zum Wintersemester 1999 sein Studium im Studiengang Flächen- und Stoffrecycling an der FH Nordhausen aufgenommen und nun seine ersten beruflichen Erfahrungen gesammelt, über die er berichtet:

Warum haben Sie diese Studienrichtung gewählt und wie sind Sie auf die FH Nordhausen aufmerksam geworden?
Ich habe mich für ein Studium an der FH Nordhausen entschieden, da die Hochschule damals im Aufbau war und ich mir dadurch optimale Studienbedingungen versprochen habe. Im Einzelnen waren dies: im Vergleich zu anderen Hochschulen wenige Studenten, daraus folgend weniger Studenten je Professor und damit eine optimale Betreuung durch die Dozenten, ferner eine gute bis sehr gute Ausstattung der Hochschule im Bereich der Labore, aber auch der Bibliothek und der sonstigen Einrichtungen. Zudem fand ich es reizvoll, an einer neu gegründeten Hochschule mit wenigen Studenten, einer optimalen Ausstattung und in einem innovativen Studiengang zu studieren.
Die Studienwahl war bei mir etwas schwierig. Ich hatte mich anfangs für den Studiengang Betriebswirtschaft eingeschrieben, habe mich aber dann anders entschieden, da ich mir in einem Ingenieur-Studiengang bessere berufliche Perspektiven erhofft habe und ich hier meine Fähigkeiten besser einbringen konnte.
Auf die Fachhochschule Nordhausen bin ich durch die umfassende Berichterstattung seitens der Lokalpresse aufmerksam geworden und habe mich während des Wehrdienstes über die Fachhochschule umfassend informiert.

Was hat Ihnen das Studium an der FH Nordhausen gebracht, was war besonders gut bzw. was hat gestört?
Durch die Wahl des Studiengangs und der Studienrichtung mit den dazugehörigen Fächern war es mir möglich, nicht nur während der Diplomarbeit, sondern auch schon während des Praktikums in einem global agierenden Unternehmen zu arbeiten. Durch diese praktischen Arbeiten war es mir dann wesentlich einfacher, eine Anschlussbeschäftigung zu finden. Es vereinfacht den Berufseinstieg in solch großen Firmen immens, wenn man vorher dort eine Diplomarbeit geschrieben bzw. ein Praktikum absolviert hat.
Besonders gut war, wie bereits oben erwähnt, die geringe Anzahl an Studierenden und die gute Ausstattung der Fachhochschule Nordhausen, was dazu geführt hat, dass man ohne Umwege und Wartezeiten studieren konnte. Zudem habe ich zu einigen Professoren ein richtig gutes, fast schon persönliches Verhältnis aufbauen können, was an einer Massenhochschule sicherlich nicht so möglich wäre. Durch das Studium sind außerdem sehr gute Freundschaften mit anderen Studierenden entstanden.
Als verbesserungswürdig empfand ich, dass Selbstständigkeit nicht noch stärker gefördert wurden bzw. auch gefordert wurde. Von den Firmen wird jedoch Engagement seitens der Studierenden erwartet, deshalb sollte man als Studierender sich um seine Praktikums- und Diplomarbeitsstellen selbst kümmern. Wenn man das als Studierender tut, kann man sich bei einem Vorstellungsgespräch schon einmal ein Bild von der Firma machen, von den Betreuern, von den bevorstehenden Aufgaben etc. und sich dann zielgerichtet das Beste für sich heraussuchen. Außerdem ist dies ein gutes Training für spätere Bewerbungsgespräche.
Ferner finde ich gut, dass so viel Wert auf den Sprachenunterricht gelegt wird. Ich könnte mir kaum vorstellen, wie ich meine Arbeit ausüben kann ohne diese Ausbildung. Wenn ich mir vorstelle, seit dem Abitur im Jahre 1998 keinen Englischunterricht gehabt zu haben, dann würde ich heute glatt untergehen.

Können Sie die Studienbedingungen mit anderen Hochschulen vergleichen (besser/schlechter)?
Dazu kann ich leider keine Angaben machen, da ich nur die FH Nordhausen kennen gelernt habe.

Wie sind Sie zu Ihrem Schwerpunktfach und Ihrer Diplomarbeit gekommen?
Ich habe mich für das Schwerpunktfach „Verfahrenstechnik“ nach gründlicher Analyse des Arbeitsmarktes entschieden. Zu dem damaligen Zeitpunkt gab es 75.000 offene Stellen in diesem Bereich. Für das Schwerpunktfach Flächenrecycling sah ich diese guten Perspektiven nicht. Außerdem fand ich die Studieninhalte von Verfahrenstechnik wesentlich „attraktiver“.
Das Thema der Diplomarbeit wurde von smart gestellt. Die Diplomandenstelle mit dem dazugehörigem Thema wurde im Internet ausgeschrieben, ich habe mich daraufhin beworben, wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und habe mich dann für diese Firma und dieses Thema entschieden.

Wie wurde der Kontakt zum Arbeitgeber hergestellt?
Im Juli 2002 habe ich mich bundesweit beworben. Alle Diplomandenstellen waren im Internet ausgeschrieben. Ich hatte drei Vorstellungsgespräche und drei Zusagen (DaimlerChrysler in Hamburg, Continental in Hannover und smart in Böblingen). Dadurch, dass ich in meinem Praxissemester (BOSCH) und während den Ferien (DaimlerChrysler-Werk Sindelfingen) im Raum Stuttgart gearbeitet habe wollte ich a) im Raum Stuttgart und b) bei DaimlerChrysler arbeiten. Das Thema, welches von smart gestellt wurde, war ebenfalls sehr interessant. Aus diesen Gründen habe ich mich für smart entschieden. Nach einer einmonatigen Einarbeitung als Praktikant war ich vier Monate als Diplomand eingestellt. Da nach Abschluss der Diplomarbeit keine offenen Stellen vorhanden waren, wurde mir offeriert, als Aushilfe zu arbeiten. Ende des Jahres wurde eine Stelle vakant, die mit mir besetzt wurde. Seit Januar bin ich unbefristet als Dipl.-Ing. beschäftigt.

Womit haben sie in der Diplomarbeit beschäftigt?
Es gibt eine komplizierte (offizielle) Variante. Ich versuche, es hier einmal mit meinen Worten zu erklären. In der EU-Altfahrzeugrichtlinie ist mit Stichtag 01.07.2002 ein Schwermetallverbot (Blei, sechswertiges Chrom, Cadmium, Quecksilber) erlassen worden. Da man in einigen Anwendungen auf diese Schwermetalle noch nicht verzichten kann, wurden Ausnahmen zugelassen. Dort ist ein Blei-Grenzwert von 60 g im Lötmittel von elektrischen Anwendungen zugelassen. Sollte dieser Grenzwert überschritten werden, so muss eine Demontagestrategie erstellt werden, die erläutert, wie man dieses Blei bei der Fahrzeug Demontage wieder herausholt, um wieder unter den Wert von 60 g zu gelangen. Diese Daten müssen dann in das Internationale Demontage-Informations-System (IDIS) einstellt werden. Ich habe also für alle smart-Baureihen untersucht, ob sie diesen Grenzwert überschreiten oder nicht. Da alle Baureihen unterhalb dieser 60 g Grenze lagen, musste aus gesetzlichen Gründen keine Demontagestrategie erstellt werden. Da diese Stoffverbote jedoch sehr dynamisch sind und zu erwarten ist, dass die EU diesen Grenzwert in absehbarer Zeit heruntersetzen wird, wurde bereits eine Demontagestrategie erstellt. Damit soll eine Wert unterhalb von 30 g erreicht werden. Diese Daten wurde ins IDIS gestellt.

Wie gut hat der Übergang in der Beruf geklappt?
Der Übergang hat hervorragend geklappt. Ich bin in derselben Abteilung geblieben und habe nur das Team gewechselt. Da ich, bevor ich einen Festvertrag bekommen habe, 10 Monate bei smart gearbeitet habe, gab es im Prinzip keine Umstellung. Der Übergang vom Studenten zum Diplomanten war auch sehr unproblematisch. Ich hatte sehr nette Kollegen, die Einarbeitung war auch unkompliziert. Alles in allem sehr positiv.

Aus der Rückschau: Was bringt der Beruf Neues, was braucht man aus dem Studium, was fehlt oder war man optimal vorbereitet?
Der Beruf bringt jede Menge neue Erfahrungen, ich habe innerhalb des letzten Jahres sehr, sehr viel gelernt. Es gibt neue Herausforderungen, die einen stark fordern. Wenn man als Praktikant arbeitet, hat man einen sehr begrenzten Aufgabenbereich als wenn man festangestellt ist; mit seinem eigenen Aufgabenbereich ist das sehr herausfordernd und sehr reizvoll. Deshalb sollte im Studium viel auf das Selbstengagement der Studenten geachtet und dies gefordert und gefördert werden. Selbstständige Arbeitsweise ist im Berufsleben unverzichtbar. Im Studium wird lediglich die Wissensbasis gelegt und die fand ich ausreichend. Die Arbeitseinstellung ist aber noch viel wichtiger und die kann man nicht erst im Beruf lernen.

Was ist der Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit jetzt?
Ich bin immer noch in der Abteilung P/QC (Qualitätsmanagement) beschäftigt, jedoch im Team Produktbewährung Components (Aggregate, Fahrwerk, Bremse, Motoren etc.)

Würden Sie nochmals dieses Studienfach wählen und die FH Nordhausen?
Zweimal ja!
Autor: nnz

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