nnz-Betrachtung: Fataler Eindruck
Montag, 08. April 2013, 06:56 Uhr
Die nnz hatte am Wochenende über eine Dienstreise des CDU-Bundestagsabgeordneten Manfred Grund berichtet, über die heftig diskutiert wurde. Dazu ein Gastkommentar von Thomas Rothbart...
Für Abgeordnete, die wie Manfred Grund als Fachpolitiker im Bundestag über wichtige Aspekte deutscher Außenpolitik entscheiden, sind Reisen unabdingbar. Schließlich bieten sie die Möglichkeit Informationen aus erster Hand zu erlangen.
Dennoch: Die Grenzen zum Polittourismus sind fließend. Und eine weitere Gefahr besteht: Gerade als Ostdeutscher müsste Manfred Grund wissen, wie leicht man von der Propaganda totalitärer Regimes vereinnahmt werden kann. Erinnert sei an die Anbiederungsreisen westdeutscher SPD-Politiker in die DDR. Hätte ein Politiker der Linken sich im Falle Nordkoreas einen solchen Missgriff erlaubt, wäre der Eichsfelder wohl in der ersten Reihe der Kritiker gewesen. Zu Recht.
Bei Reisen in Länder wie Nordkorea ist Fingerspitzengefühl gefragt. Oder einfach Professionalität. Beides hat Grund vermissen lassen. Sein Trip ins Krisengebiet hat nicht mehr Erkenntnisse gebracht, als die intensive Medienberichterstattung nicht zuletzt unter Bezug auf Experten für die Region in jüngster Zeit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.
Der Besuch Grunds an den Schreinen der Kim-Dynastie hat allenfalls dem Regime genutzt, das in seiner Propaganda den Eindruck erweckt, der parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion stelle sich in dieser kritischen Situation auf die Seite Nordkoreas. In der aktuellen Situation ist dieser Eindruck fatal. Angesichts dieser Auswirkungen ist der Aspekt der Verschwendung von Steuergeldern für eine fragwürdige Unternehmung fast schon marginal.
Über die Gründe, die den nordthüringer Hinterbänkler zu seiner einsamen Mission und deren Vermarktung bewogen haben, kann man nur spekulieren. Selbstüberschätzung, Abenteuerlust oder Unprofessionalität? Egal wie die Antwort ausfällt, für die Thüringer Union ist dieser Fehlgriff ihres Bundestags-Spitzenkandidaten peinlich. Muss der Wähler doch davon ausgehen, dass die Partei kein besseres Personal aufzubieten hat.
Thomas Rothbart
Autor: redFür Abgeordnete, die wie Manfred Grund als Fachpolitiker im Bundestag über wichtige Aspekte deutscher Außenpolitik entscheiden, sind Reisen unabdingbar. Schließlich bieten sie die Möglichkeit Informationen aus erster Hand zu erlangen.
Dennoch: Die Grenzen zum Polittourismus sind fließend. Und eine weitere Gefahr besteht: Gerade als Ostdeutscher müsste Manfred Grund wissen, wie leicht man von der Propaganda totalitärer Regimes vereinnahmt werden kann. Erinnert sei an die Anbiederungsreisen westdeutscher SPD-Politiker in die DDR. Hätte ein Politiker der Linken sich im Falle Nordkoreas einen solchen Missgriff erlaubt, wäre der Eichsfelder wohl in der ersten Reihe der Kritiker gewesen. Zu Recht.
Bei Reisen in Länder wie Nordkorea ist Fingerspitzengefühl gefragt. Oder einfach Professionalität. Beides hat Grund vermissen lassen. Sein Trip ins Krisengebiet hat nicht mehr Erkenntnisse gebracht, als die intensive Medienberichterstattung nicht zuletzt unter Bezug auf Experten für die Region in jüngster Zeit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.
Der Besuch Grunds an den Schreinen der Kim-Dynastie hat allenfalls dem Regime genutzt, das in seiner Propaganda den Eindruck erweckt, der parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion stelle sich in dieser kritischen Situation auf die Seite Nordkoreas. In der aktuellen Situation ist dieser Eindruck fatal. Angesichts dieser Auswirkungen ist der Aspekt der Verschwendung von Steuergeldern für eine fragwürdige Unternehmung fast schon marginal.
Über die Gründe, die den nordthüringer Hinterbänkler zu seiner einsamen Mission und deren Vermarktung bewogen haben, kann man nur spekulieren. Selbstüberschätzung, Abenteuerlust oder Unprofessionalität? Egal wie die Antwort ausfällt, für die Thüringer Union ist dieser Fehlgriff ihres Bundestags-Spitzenkandidaten peinlich. Muss der Wähler doch davon ausgehen, dass die Partei kein besseres Personal aufzubieten hat.
Thomas Rothbart
