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Stockhausens Platt (6)

Freitag, 29. März 2013, 12:46 Uhr
nnz-Leser Hans-Dieter Stockhausen schreibt für sein Leben gern Gedichte. Am liebsten in Nordhäuser Platt. In seinen heutigen Versen widmet er ganz einfach dem Winterdienst...

Winterdienst

In Winter schauen frieh de Waenster

voll Erwartung ussen Faenster,

ob Frau Holle aewwer Nocht

daen erwinschten Schnee jebrocht.

Un de Kinger haen Glicke,

Schnee laeht drussen, huckedicke.

Vater sitt dos annersch aan,

daenn he aes mett dr Schtroße draan.

Dn Schupper haet he met bedocht

an Owend schunt met rinjebrocht.

Un so mocht he sich jetzt ver dr Teer

ewwer de pappijen Schneemassen her.

He schuftete mächtich in dr Frieh,

daenn de Platte muss sauwer sieh.

Do musse sin Grips zesammen nahme,

denn: wohenn met den ganzen Krame.

Uffen Trettewor kannen nich laehe loße,

drim schuppten runger uff de Schtroße.

Au de Schtadt aes inzwischen uffjewocht

un haet dn Schneeflug in gang jebrocht.

Dr schuwet, was he jeräumet hotte,

zu sinnen Entsetzen zerick uff de Platte.

Do hilleft kin Schimpen, laut un lange,

he muss von vorne ahnjefange.

Endlich aes de Platte sauwer,

waegjefecht dr ganze Zauber.

In Schtillen lowet dr Vater sich,

doch fertich aesse trotzdem nich,

weil me zu allen Äwwerfluss

bie Glätte au noch straueln muss.

In Gorten haetten Haufen Kees

dr awer dick jefroren aes.

Met Miehe taute welchen uff

un schmeißten uf de Platte druff.

Zefrieden schauet sich jetzt dr Mann

den jeräumten Gehwegk an.

He gett ins Huus un macht sich frisch

un setzt sich an dn Kaffeetisch.

Doch wie sich Vater grad noch freiet

kämmt Mutter rin un saht: “Es schneiet!“

Vater schimpt: „Nee die Frau Holle,

nischt wie Unsinn macht di Olle!“

Jedoch de Kinger frehlich jodeln:

„Do kömme uff dr Platte rodeln!“

Horst-Dieter Stockhausen
Autor: red

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