nnz-online

Berufsbildung als Standortfaktor

Freitag, 05. März 2004, 17:48 Uhr
Nordhausen (nnz). Wer eine Lehrstelle ergattert hat, kommt meist nicht um den Berufschulunterricht herum. In Nordhausen sind die Bedingungen dafür nicht besonders gut, denn die Bildungseinrichtungen sind im Stadtgebiet verstreut und in wenig erfreulichem Zustand. Doch das soll sich ändern, vielleicht schon diesen Sommer.


"Wenn wir die Fördermittel bekommen, können wir im Sommer mit dem Bau beginnen", sagt Fachbereichsleiter Gunter Brand. Eine neue gewerbliche Berufschule soll in der Morgenröthe entstehen. Das Gebäude wird saniert, der im Krieg zerstörte Teil des Realgymnasiums wieder aufgebaut. Darin hätten dann nicht nur die Schüler aus dem Gebäude in der Freiherr-von-Stein- Straße Platz, auch die Einrichtung in der Elisabethstraße könnte einziehen. Für das ehrgeizige Projekt werden etwa 12 Millionen Euro benötigt. Ein Förderantrag beim Wirtschaftsministerium wurde schon im Herbst 2003 gestellt. Für die Förderung von Gewerbe gibt´s nämlich Mittel von der EU, sogar ganze 90 %. 1,2 Millionen müßten also noch aus der eigenen Tasche zugeschossen werden.

"Moderne Berufschulen sind ein wichtiger Standortfaktor", meint Brand. "Wenn sich in Nordhausen nichts tut, dann fahren die Schüler nach Erfurt oder Mühlhausen." Der Landkreis verfügt zur Zeit nur über ein eigenes Schulgebäude, nämlich das in der Straße der Genossenschaften. Dort haben unter anderem das berufliche Gymnasium, die Fachoberschule und technische Berufe einen Platz gefunden. Die medizinische Fachschule ist derzeit Mieter in einem Objekt am Krankenhaus. Dieses steht aber dem Neubau der Psychiatrie im Weg. Die gewerblichen Berufe nutzen im Moment noch das Gebäude der IKL auf dem IFA Gelände. Das wurde nie als Schule gebaut, sondern als Bürogebäude und Ambulanz. Entsprechend sind dort die Lernbedingungen.

Zu DDR-Zeiten mußte sich der Landkreis nur um zwei Berufschulen kümmern, die gewerbliche in der Breitscheidstraße und die kaufmännische in der Wiediegsburg. Die restliche Ausbildung lag in der Hand von Betriebsberufsschulen, die größte im Besitz der IFA Motorenwerke. 1991 hatte man plötzlich 3200 Berufschüler dazubekommen. Statt eines Neubaus auf der grünen Wiese, wie es zum Beispiel Mühlhausen getan hat, wollte man die vorhandenen Gebäude nutzen.

Die Breitscheidtstraße wurde dank der Landesgartenschau schon zum Teil saniert. 50.000-60.000 Euro müssen noch investiert werden, dann wird die medizinische Fachschule auf dem Petersberg gute Lernbedingungen finden. Das Objekt läge auch nah an der neuen Schule der Morgenröthe. Fachkabinette könnten dann gemeinsam genutzt werden.

Leider gibt es keine festen Termine für die Vergabe der Fördermittel von der EU. Die Vorbereitungen sind jedoch so weit, daß es losgehen könnte, wenn das Geld da ist. Nach drei Jahren Bauzeit hätte Nordhausen dann ein modernes Bildungszentrum, was nicht einmal mit den Standorten Sondershausen und Leinefelde in Konkurrenz läge. Man spricht sich lieber ab und teilt die Auszubildenden.

Düster sieht es aus, wenn es keine Fördermittel gibt. Dann könnten bestimmte Leistungen nicht mehr hier erhalten werden, sagt Brand. Und wieder wäre ein wichtiger Infrastrukturfaktor weggebrochen. Im Landratsamt hofft man vorerst optimistisch auf eine Zusage aus Brüssel.
Autor: wf

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de