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Gesundheitsberufe besser bezahlen

Mittwoch, 20. März 2013, 10:31 Uhr
„Lohnfindung in den Gesundheitsberufen – viel Dienst, wenig Verdienst“ – mit diesem Schwerpunktthema befasst sich der Equal Pay Day in diesem Jahr. Der jährliche internationale Aktionstag macht morgen bereits zum 6. Mal deutschlandweit auf die ungleiche Entlohnung von Männern und Frauen aufmerksam. Auch im Landkreis Nordhausen....


Aktionstaschen (Foto: Inge Haar) Aktionstaschen (Foto: Inge Haar) Anlässlich des Equal Pay Days hat die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Carmen Kaap gemeinsam mit dem Offenen Kanal OKN eine Sendung gestaltet, die morgen um 11 Uhr ausgestrahlt wird. „Mit mir im Studio waren zwei Altenpflegerinnen und eine Hebamme. Obwohl es beispielsweise vorgeschrieben ist, dass bei jeder Geburt eine Hebamme anwesend sein muss, aber keineswegs unbedingt ein Arzt, wird diese verantwortungsvolle Tätigkeit nicht dementsprechend entlohnt“, so Carmen Kaap.

Im Gegenteil: Gerade Hebammen hätten aufgrund der hohen Versicherungsanforderungen häufig Probleme, ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern. Ähnlich schwierig sei die Situation in der Altenpflege. „Der Fachkräftemangel in der Pflege ist auch hausgemacht, denn die harte Arbeit wird nur gering entlohnt“, sagt Carmen Kaap.

Ziel des Equal Pay Days ist in diesem Jahr insbesondere die finanzielle Aufwertung von Gesundheitsberufen. Rund 80 Prozent der Beschäftigten in diesem Bereich sind Frauen. Obwohl Hebammen, Pflegekräfte, Arzthelferinnen oder Laborfachkräfte sehr anspruchsvolle Tätigkeiten mit hoher Verantwortung ausüben, werden sie im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen mit vergleichbarer Qualifikation am unteren Einkommensniveau entlohnt.

Oder wie im Fall der Hebammen schrecken hohe Haftpflichtprämien davon ab, solche Berufe zu ergreifen. „Auch Schicht- und Feiertagsarbeit sind nicht gerade familienfreundlich und führen ebenfalls nicht dazu, dass sich junge Menschen dauerhaft für diesen Berufszweig entscheiden“, sagt Carmen Kaap. „Daher ist es notwendig und fair, Gesundheitsberufe auch finanziell aufzuwerten. Der demografische Faktor wird den Anteil alter und pflegebedürftiger Menschen in der Zukunft weiter erhöhen, so dass es auch eine gesellschaftliche Notwendigkeit ist, die geleistete Arbeit in den Gesundheitsberufen gesellschaftlich und finanziell anzuerkennen, damit mehr Jugendliche für eine Beschäftigung und eine professionelle Ausbildung im Gesundheitswesen motiviert werden.“

Auch über die Gesundheitsbranche hinaus stünden Frauen aus der Gehaltsperspektive insgesamt nicht so gut da wie Männer, so die Gleichstellungsbeauftragte: „Obwohl Frauen heute mindestens genau so gut ausgebildet sind und genau so viel Engagement wie ihre männlichen Kollegen zeigen, verdienen Frauen in Deutschland immer noch im Durchschnitt 22 Prozent weniger als die Männer. Um das Einkommen zu erzielen, das Männer bereits am 31. Dezember des Vorjahres hatten, müssen Frauen bis zum Equal Pay Day des Folgejahres arbeiten.“

Denn das Datum das Equal Pay Day wird jedes Jahr neu errechnet und fällt auf genau den Tag, wenn Frauen das durchschnittliche Jahresgehalt von Männern erreicht haben. Dafür gibt es mehrere Gründe: Frauen sind immer noch zu selten in führenden Positionen in Politik und Wirtschaft zu finden. Sie arbeiten häufiger in Teilzeit, oft auf Minijob-Niveau und unterbrechen öfter die Erwerbstätigkeit wegen familiärer Aufgaben wie die Betreuung der Kinder oder die Pflege von Angehörigen als Männer und „verpassen“ dadurch beispielsweise Gehaltserhöhungen. „Das führt oftmals im Alter zu einer Rentenlücke bis hin zur Altersarmut“, sagt Carmen Kaap.

Die Idee des Equal Pay Day stammt aus den USA, dort fand er 1966 zum ersten Mal statt. Heute beteiligen sich viele europäische Länder an den zahlreichen Aktionen weltweit.
Autor: red

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