Inklusion kommt voran
Montag, 18. März 2013, 08:16 Uhr
Die Inklusion in Thüringens Schulsystem ist in den vergangenen Jahren erheblich vorangekommen. Seit Deutschland sich vor vier Jahren verpflichtet hat, Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten, ist der Anteil der Förderschüler, die eine reguläre Schule besuchen, von 16,9 auf 27,8 Prozent geklettert...
Thüringen liegt damit knapp oberhalb des Bundesdurchschnitts von 25 Prozent. Zugleich ist der Anteil der Sonderschüler an der gesamten Schülerschaft deutlich zurückgegangen. Das geht aus einer aktuellen Studie von Bildungsökonom Professor Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor.
Grafik (Foto: Bertelsmann Stiftung)
Inklusion nimmt in Thüringen an Fahrt auf. Kinder mit Handicaps müssen nicht länger automatisch auf eine getrennte Förderschule gehen, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, mit Verweis auf den deutlich gestiegenen Inklusionsanteil. Zugleich werden in Thüringen immer weniger Schüler mit Förderbedarf separat unterrichtet.
Im März 2009, als die UN-Konvention zur Abkehr vom derzeitigen Sonderschulsystem in Kraft trat, besuchten noch 7,5 Prozent aller Schüler eine separate Förderschule, im vergangenen Schuljahr waren es nur noch 5,2 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit verringerte sich der Anteil der Schüler, die nicht auf eine Regelschule gehen, im selben Zeitraum nur minimal von 4,9 auf 4,8 Prozent. Unter den ostdeutschen Bundesländern hat einzig Brandenburg eine noch niedrigere Exklusionsquote.
Ebenfalls erheblich gesunken ist in Thüringen der Anteil der Schüler, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert wurde. 2009 betrug die Förderquote noch neun Prozent, im vergangenen Schuljahr lag der Anteil der Förderschüler an der gesamten Schülerschaft nur noch bei 7,2 Prozent. In keinem anderen Bundesland sank die Förderquote derart schnell, auch wenn sie nach wie vor oberhalb des Bundesdurchschnitts (6,4 Prozent) liegt.
Auch in den einzelnen Bildungsstufen liegen in Thüringen die Inklusionsanteile oberhalb des Bundesdurchschnitts. Trotzdem gilt: Je älter die Kinder, desto geringer die Chance auf gemeinsames Lernen. Während vor der Einschulung in Thüringen die meisten förderbedürftigen Kinder (83 Prozent) in eine inklusive Kindertageseinrichtung gehen, sind es bundesweit nur zwei Drittel. Grundschüler mit Förderbedarf besuchen in Thüringen zu knapp 42 Prozent inklusiven Unterricht; der Bundesdurchschnitt beträgt knapp 40 Prozent. In der Sekundarstufe I besucht in Thüringen fast jedes dritte Kind mit Förderbedarf eine Regelschule (31 Prozent). Bundesweit ist es nicht einmal jedes vierte (22 Prozent).
Dräger wies darauf hin, dass erfolgreiche Inklusion zusätzlicher Investitionen bedarf. Im vergangenen Jahr hatte Professor Klemm in einer Studie für die Bertelsmann Stiftung berechnet, dass – selbst wenn die Mittel der Sonderschulen weitgehend zu den Regelschulen umgeschichtet würden – in Thüringen jährlich mehr als 45 Millionen Euro für 636 zusätzliche Lehrkräfte gebraucht werden, um inklusiven Unterricht in angemessener Qualität anzubieten.
Dräger: Inklusion ist richtig und wichtig, aber die Schulen brauchen Unterstützung und vor allem genügend gut ausgebildetes Personal.
Autor: redThüringen liegt damit knapp oberhalb des Bundesdurchschnitts von 25 Prozent. Zugleich ist der Anteil der Sonderschüler an der gesamten Schülerschaft deutlich zurückgegangen. Das geht aus einer aktuellen Studie von Bildungsökonom Professor Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor.
Grafik (Foto: Bertelsmann Stiftung)
Inklusion nimmt in Thüringen an Fahrt auf. Kinder mit Handicaps müssen nicht länger automatisch auf eine getrennte Förderschule gehen, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, mit Verweis auf den deutlich gestiegenen Inklusionsanteil. Zugleich werden in Thüringen immer weniger Schüler mit Förderbedarf separat unterrichtet.
Im März 2009, als die UN-Konvention zur Abkehr vom derzeitigen Sonderschulsystem in Kraft trat, besuchten noch 7,5 Prozent aller Schüler eine separate Förderschule, im vergangenen Schuljahr waren es nur noch 5,2 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit verringerte sich der Anteil der Schüler, die nicht auf eine Regelschule gehen, im selben Zeitraum nur minimal von 4,9 auf 4,8 Prozent. Unter den ostdeutschen Bundesländern hat einzig Brandenburg eine noch niedrigere Exklusionsquote.
Ebenfalls erheblich gesunken ist in Thüringen der Anteil der Schüler, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert wurde. 2009 betrug die Förderquote noch neun Prozent, im vergangenen Schuljahr lag der Anteil der Förderschüler an der gesamten Schülerschaft nur noch bei 7,2 Prozent. In keinem anderen Bundesland sank die Förderquote derart schnell, auch wenn sie nach wie vor oberhalb des Bundesdurchschnitts (6,4 Prozent) liegt.
Auch in den einzelnen Bildungsstufen liegen in Thüringen die Inklusionsanteile oberhalb des Bundesdurchschnitts. Trotzdem gilt: Je älter die Kinder, desto geringer die Chance auf gemeinsames Lernen. Während vor der Einschulung in Thüringen die meisten förderbedürftigen Kinder (83 Prozent) in eine inklusive Kindertageseinrichtung gehen, sind es bundesweit nur zwei Drittel. Grundschüler mit Förderbedarf besuchen in Thüringen zu knapp 42 Prozent inklusiven Unterricht; der Bundesdurchschnitt beträgt knapp 40 Prozent. In der Sekundarstufe I besucht in Thüringen fast jedes dritte Kind mit Förderbedarf eine Regelschule (31 Prozent). Bundesweit ist es nicht einmal jedes vierte (22 Prozent).
Dräger wies darauf hin, dass erfolgreiche Inklusion zusätzlicher Investitionen bedarf. Im vergangenen Jahr hatte Professor Klemm in einer Studie für die Bertelsmann Stiftung berechnet, dass – selbst wenn die Mittel der Sonderschulen weitgehend zu den Regelschulen umgeschichtet würden – in Thüringen jährlich mehr als 45 Millionen Euro für 636 zusätzliche Lehrkräfte gebraucht werden, um inklusiven Unterricht in angemessener Qualität anzubieten.
Dräger: Inklusion ist richtig und wichtig, aber die Schulen brauchen Unterstützung und vor allem genügend gut ausgebildetes Personal.
