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Live-Gottesdienst aus dem Nordhäuser Dom

Sonntag, 17. März 2013, 15:50 Uhr
Wer sich von den katholischen Christen aus dem Landkreis Nordhausen am heutigen Sonntag zum Gottesdienst in den Nordhäuser Dom aufgemacht hatte, konnte schon beim Betreten des Domhofes unschwer erkennen, dass diesmal vieles ein wenig anders sein würde. Für die nnz war Hans-Georg Backhaus dabei...

Der Nordhäuser Dom (Foto: Hans-Georg Backhaus) Der Nordhäuser Dom (Foto: Hans-Georg Backhaus)

Ein nicht zu übersehender Übertragungswagen des Senders MDR Figaro (vielen noch unter der früheren Bezeichnung MDR Kultur bekannt) war vor Ort. Der Grund: Die für kirchliche Sendungen verantwortliche Redaktion des Senders unter Leitung von Pfarrer Dominik Trost hatte sich abermals das über tausend Jahre alte Nordhäuser Gotteshaus für die Live-Übertragung einer Heiligen Messe erwählt.

Übertragungswagen (Foto: Hans-Georg Backhaus) Übertragungswagen (Foto: Hans-Georg Backhaus)

Gemeindesprecher Norbert Klodt rief nach kurzer Begrüßung eingangs des Gottesdienstes einige geschichtliche Daten über den Dom in Erinnerung. Zudem stellte er den Rundfunkhörerinnen und -hörern die Gemeinde vor, die seit der einschneidenden strukturellen Veränderung im vergangenem Jahr nunmehr den gesamten Landkreis Nordhausen umfasst. Zur neuen Großgemeinde gehören fünf Gottesdienstorte mit etwa 4.000 Katholiken, die nur noch (auf Grund des akuten Priestermangels) von einem Pfarrer betreut werden.

In seinen Begrüßungsworten – gerichtet an die Gottesdienstbesucher wie auch an die Hörerinnen und Hörer an den Rundfunkgeräten – und der anschließenden Predigt gelang es Dompfarrer Richard Hentrich einen Bogen zu schlagen zwischen den derzeit verhüllten Kreuzen im Dom, der bevorstehenden Bibelwoche, der Erinnerung an das einstige KZ Mittelbau-Dora und dem neuen Papst.

Pfarrer Hentrich ging zunächst auf die bereits seit dem Mittelalter bestehende Tradition der Kreuzverhüllung ein und erinnerte an den Fastenhirtenbrief (Hirtenbriefe: von Bischöfen verfasste Schreiben an die Gemeinden) des Erfurter Weihbischofs Reinhard Hauke, der die Verhüllung als „Fasten der Augen“ bezeichnet habe. Die Farbe Violett sei die Farbe der Fastenzeit. Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn der Verhüllung der Kreuze finde sich in der 5. Station des Kreuzweges: Die Menschen fürchteten das Kreuz. Selbst Petrus, der Jünger Jesu, sei davor zurückgeschreckt. Hentrich wörtlich: „Das Kreuz ist seit dem 3. Jahrhundert für die Christen das Zeichen der Auferstehung und nicht so sehr des Todes. Es geht darum, dass durch das Verhüllen des Kreuzes auf die Leidenszeit Jesu aufmerksam gemacht wird, dass vielleicht ein neues Schauen provoziert werden kann.“

Der katholische Geistliche machte in seiner Ansprache nochmals auf den neu gestalteten Dombereich, eine Art Gedächtnis- und Gebetsecke, aufmerksam, wo Besucher still verweilen, beten und Opferkerzen entzünden können. Neben religiösen Symbolen findet sich dort an einer Seitenwand auch die Erinnerung an die weit über 20.000 zu Tode gekommenen Häftlinge des KZ-Lagers „Mittelbau-Dora“ und der über 8.800 Opfer, die bei den beiden verheerenden Bombenangriffen Anfang April 1945 auf Nordhausen ihr Leben verloren. Er rief die Kirchenbesucher dazu auf, am Nachmittag mit Christen anderer Konfessionen am traditionellen Kreuzweg durch die KZ-Gedenkstätte „Mittelbau-Dora“ teilzunehmen und gab die Frage mit auf den Weg: „Mensch, was tust Du heute gegen ungerechte Gewalt, Gemeinheit und jede so verschiedene Art von Menschenverachtung?“

Die Thematik des nahe der Rolandstadt gelegenen ehemaligen Konzentrations-lagers fand auch in einer Fürbitte Erwähnung, in der es hieß: „Lass uns das große Leid der dort gefangenen Menschen nicht vergessen und nach Kräften all das tun, was der Würde eines jeden entspricht, eingedenk deines Wortes: Liebet einander!“.

Auch die Freude über einen neuen Papst konnte und wollte Dompfarrer Hentrich in diesem Gottesdienst nicht verbergen, als er den in großer Anzahl anwesenden Kirchenbesuchern und Radiohörern zurief: „Wir haben einen neuen Papst. Franziskus ist sein Name, Franziskus ist sein Programm.“ Der bekannte Heilige Franz von Assisi, nach dem sich der argentinische Kardinal und nunmehr Oberhaupt der Katholischen Kirche benannt hat, hatte sich zur Lebensmaxime gemacht, arm und bescheiden zu leben und für die Bedürftigen da zu sein. Ein Zeichen der Nächstenliebe bekundeten auch die Kirchenbesucher mit großherzigen Spenden, die für das Misereor-Werk gedacht sind, um weltweit die Armut zu bekämpfen.

Die Heilige Messe wurde festlich untermalt durch musikalische Einlagen und moderne Kirchenlieder, gekonnt dargeboten von der Kinderschola der Domgemeinde unter Leitung von Thomas Hofereiter, der auch an der Orgel saß. Mit dem Choral „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ fand der Radio-Gottesdienst pünktlich um 10.59 Uhr seinen Abschluss.
Hans-Georg Backhaus
Autor: red

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