Schreckliche Hinterlassenschaft
Sonntag, 17. März 2013, 10:48 Uhr
Das Gaswerk ist Geschichte, die Hinterlassenschaft aber blieb. Sie gehört zu den hässlichsten in Nordhausen. Ein Bericht von Kurt Frank in Ihrer nnz...
Der Bau des Gaswerkes war für die Stadt ein Meilenstein in die Moderne. Von der Deutschen Continental-Gasgesellschaft zu Dessau, mit der Nordhausen einen Vertrag abgeschlossen hatte, von Juni bis Dezember 1857 erbaut, wurden am 13. Juni des gleichen Jahres die ersten Gasrohre verlegt.
Schon ein Jahr später, weiß der Heimatforscher Rainer Hellberg, diente das Gas dazu, die belebtesten Straßen in Nordhausen zu beleuchten. 1862 erhellten 200 Gas- und 46 sogenannte Photogen-Laternen die Straßen, was die Stadt jährlich 2000 Taler kostete. In den Wohnungen konnten sich vorerst nur finanziell gut gestellte Bürger Gas leisten. Aber schon in den Jahren 1864 bis 1875 steigerte sich die abgegebene Gasmenge um 400 Prozent. Während das jährliche Volumen der Stadt 1910 insgesamt 2600000 Kubikmeter betrug, stieg es bis 1945 auf rund sieben Millionen Kubikmeter an.
Ab 1953 erneuerte man das Ofensystem nicht mehr, die ausfallenden Mengen vom Gaswerk Mühlhausen zugeführt. Am 30.April 1971 stellte das Nordhäuser Gaswerk die eigene Erzeugung ein, war doch die Stadt schon 1970 an die Gasfernleitung angeschlossen worden. Am 19. Februar 1972 wurde der Ofenblock des Gaswerkes gesprengt, der Schornstein am 13. März des gleichen Jahres. Danach rührte sich keine Hand mehr. Dementsprechend sieht das Terrain aus.
Die einst attraktive Villa ist nur noch eine hässliche leere Hülle. Das Gebäude parallel zur Zorge sieht aus wie nach einem Bombenangriff. Nach dem nächsten Sturm wird wohl das Dach des Gebäudes links der Villa völlig einstürzen. Der flache Garagenkomplex hinter dem ehemaligen Herrenhaus spottet jeder Beschreibung: Dreck, Müll, Unrat jeder Art. Schrecklich. Wohl um neugierigen Menschen eine nähere Betrachtung dieser Schande zu ersparen, legte man kürzlich um das gesamte Gelände einen Metallzaun.
Was soll aus dieser üblen Hinterlassenschaft werden? Der Landkreis Nordhausen prüfe derzeit, welche sanierungsbedürftigen Gebäude in seinem Bestand wieder hergerichtet werden können, wie sich die Sanierung gestalten lässt und welche Möglichkeiten sich für eine weitere Nutzung ergeben können, teilte auf Anfrage Jessica Piper, verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landkreises, mit.
Verschiedene Möglichkeiten der Nutzung wurden bereits mit den beteiligten Unteren Behörden des Landkreises diskutiert. Sein Anliegen sei es, schreibt Pressesprecherin Piper, die Sanierung des Geländes voranzutreiben. Neue Idee würden zurzeit ausgewertet. Ein Gutachten soll in Abstimmung mit der Bodenschutzbehörde das Vorhaben aktuell bewerten und Perspektiven für die weitere Nutzung aufzeigen. Daran anschließend wolle man Finanzierungs- und Investitionsmöglichkeiten prüfen und den Kreistag in den Prozess einbinden.
Bauplanungsrechtlich sei das Gebiet für eine Wohnbebauung und Gewerbeansiedlung vorgesehen. In der Vergangenheit, lässt Jessica Piper wissen, habe es schon verschiedene Überlegungen und Konzepte zur Nachnutzung des Geländes gegeben. Diese scheiterten im Wesentlichen an den Kosten der Sanierung des Standortes.
Das Gaswerk wird uns wohl noch in den kommenden Jahren in der Hinterlassenschaft in Erinnerung bleiben.
Kurt Frank
Autor: redDer Bau des Gaswerkes war für die Stadt ein Meilenstein in die Moderne. Von der Deutschen Continental-Gasgesellschaft zu Dessau, mit der Nordhausen einen Vertrag abgeschlossen hatte, von Juni bis Dezember 1857 erbaut, wurden am 13. Juni des gleichen Jahres die ersten Gasrohre verlegt.
Schon ein Jahr später, weiß der Heimatforscher Rainer Hellberg, diente das Gas dazu, die belebtesten Straßen in Nordhausen zu beleuchten. 1862 erhellten 200 Gas- und 46 sogenannte Photogen-Laternen die Straßen, was die Stadt jährlich 2000 Taler kostete. In den Wohnungen konnten sich vorerst nur finanziell gut gestellte Bürger Gas leisten. Aber schon in den Jahren 1864 bis 1875 steigerte sich die abgegebene Gasmenge um 400 Prozent. Während das jährliche Volumen der Stadt 1910 insgesamt 2600000 Kubikmeter betrug, stieg es bis 1945 auf rund sieben Millionen Kubikmeter an.
Ab 1953 erneuerte man das Ofensystem nicht mehr, die ausfallenden Mengen vom Gaswerk Mühlhausen zugeführt. Am 30.April 1971 stellte das Nordhäuser Gaswerk die eigene Erzeugung ein, war doch die Stadt schon 1970 an die Gasfernleitung angeschlossen worden. Am 19. Februar 1972 wurde der Ofenblock des Gaswerkes gesprengt, der Schornstein am 13. März des gleichen Jahres. Danach rührte sich keine Hand mehr. Dementsprechend sieht das Terrain aus.
Die einst attraktive Villa ist nur noch eine hässliche leere Hülle. Das Gebäude parallel zur Zorge sieht aus wie nach einem Bombenangriff. Nach dem nächsten Sturm wird wohl das Dach des Gebäudes links der Villa völlig einstürzen. Der flache Garagenkomplex hinter dem ehemaligen Herrenhaus spottet jeder Beschreibung: Dreck, Müll, Unrat jeder Art. Schrecklich. Wohl um neugierigen Menschen eine nähere Betrachtung dieser Schande zu ersparen, legte man kürzlich um das gesamte Gelände einen Metallzaun.
Was soll aus dieser üblen Hinterlassenschaft werden? Der Landkreis Nordhausen prüfe derzeit, welche sanierungsbedürftigen Gebäude in seinem Bestand wieder hergerichtet werden können, wie sich die Sanierung gestalten lässt und welche Möglichkeiten sich für eine weitere Nutzung ergeben können, teilte auf Anfrage Jessica Piper, verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landkreises, mit.
Verschiedene Möglichkeiten der Nutzung wurden bereits mit den beteiligten Unteren Behörden des Landkreises diskutiert. Sein Anliegen sei es, schreibt Pressesprecherin Piper, die Sanierung des Geländes voranzutreiben. Neue Idee würden zurzeit ausgewertet. Ein Gutachten soll in Abstimmung mit der Bodenschutzbehörde das Vorhaben aktuell bewerten und Perspektiven für die weitere Nutzung aufzeigen. Daran anschließend wolle man Finanzierungs- und Investitionsmöglichkeiten prüfen und den Kreistag in den Prozess einbinden.
Bauplanungsrechtlich sei das Gebiet für eine Wohnbebauung und Gewerbeansiedlung vorgesehen. In der Vergangenheit, lässt Jessica Piper wissen, habe es schon verschiedene Überlegungen und Konzepte zur Nachnutzung des Geländes gegeben. Diese scheiterten im Wesentlichen an den Kosten der Sanierung des Standortes.
Das Gaswerk wird uns wohl noch in den kommenden Jahren in der Hinterlassenschaft in Erinnerung bleiben.
Kurt Frank



