Generationen-Tour
Freitag, 15. März 2013, 17:25 Uhr
Am letzten Tag ihrer Info-Tour war Landrätin Birgit Keller heute in Bleicherode und Ellrich unterwegs. Erste Station war das Seniorenzentrum Glück auf, das das Jugendsozialwerk 2011 in Bleicherode eröffnete. Die nnz mit dem Tourbericht von Jessica Piper...
Das Zentrum bietet Platz für 55 pflegebedürftige Senioren. Der Name erinnert an die gut 100-jährige Bergbautradition in der ehemaligen Kalistadt. Von außen sieht man noch, dass wir ganz neu sind, sagte Heimleiterin Babette Wolf. Zwei Jahre sind fast nichts in der Altenhilfe. Wir sind noch keine eingefahrene Einrichtung, was auch viele Vorteile hat.
Da die bisherigen stationären Angebote in Bleichrode nicht ausreichten, hatte das Jugendsozialwerk den Neubau in Angriff genommen und dabei Wert gelegt auf eine neue, helle, moderne Konzeption und Raumaufteilung. Anfangs war es umstritten, dass wir mitten im Zentrum bauen - direkt gegenüber einer Schule, so Babette Wolf. Aber die Bewohner hätten überhaupt kein Problem damit, denn so komme auch Leben in die Einrichtung und alles in der Stadt wie beispielsweise der Wochenmarkt sei gut zu erreichen.
Unsere Bänke draußen vorm Haus sind immer voll, sagte Pflegedienstleiterin Kathrin Schuster. Unsere Bewohner wollen nicht nur auf Bäume schauen, ergänzte Babette Wolf. Nach einem halben Jahr war die Einrichtung voll belegt. Die Bewohner leben in fünf Wohngruppen, deren Mittelpunkt immer eine Wohnküche ist und um die sich jeweils ein Alltagsbegleiter und Pflegeteams kümmern. Der Fachkräfteschlüssel ist genau vorgegeben von den Pflegekassen, die regelmäßig zur Qualitätskontrolle kommen, ebenso wie die Heimaufsicht.
Auch über andere Möglichkeiten des Zusammenlebens wie beispielsweise ambulant betreute Wohngruppen kam die Heimleiterin mit der Landrätin ins Gespräch. Es macht Sinn gerade im ländlichen Raum etwas gegen die Vereinsamung zu tun und da glaube ich, dass eine Wohngemeinschaft älterer Menschen ein Ansatz sein kann", so Birgit Keller. Dem stimmte Babette Wolf zu, ergänzte jedoch, dass es immer Fälle geben werde, in denen eine stationäre Pflege notwendig werde. Denn schwierig werde es, wenn die Bewohner zunehmend älter werden.
Heute ziehen sich beispielsweise Demenzerkrankungen nicht mehr nur über wenige, sondern auch über zehn, zwanzig Jahre hin, weil die Menschen immer älter werden, so Babette Wolf. Pflegeheime müssten an ihrem Image arbeiten, damit der Gedanke aus den Köpfen verschwinde, Leute würden ins Heim abgeschoben. Diesen Eindruck habe man hier wirklich nicht, so Birgit Keller. Die zweite Station des Tages war die Albert Schweizer Schule in Bleicherode. Das Bindeglied zum Seniorenzentrum war schnell gefunden. Das ist einer unserer Kooperationspartner in der Berufsvorbereitung, sagte Schulleiter Jörg Lorenz. Wir sind als berufswahlfreundliche Schule ausgezeichnet und ‚Lernen am anderen Ort’, wo die Schüler die Praxis direkt erleben, ist für uns sehr wichtig. Da unterstützt uns auch der Landkreis als Schulträger, beispielsweise beim Transport. Belohnt wird dieser Einsatz mit einem hohen Anteil an Schülern, die nach ihrem Abschluss eine betriebliche Ausbildung beginnen.
Birgit Keller nutzte den Besuch in der Schule, um u.a. die Herausforderungen des demografischen Wandels anzusprechen. Wenn es uns da nicht gelingt, die Menschen mitzunehmen, werden wir Probleme bekommen. Ein Thema von vielen wird dabei auch die Schulnetzplanung sein. Das Förderzentrum in Bleicherode war selbst schon von einer Schließung betroffen. 2011 musste der Schulteil in Sülzhayn aufgelöst werden, weil es zu wenig Schüler gab.
Das war lange vorbereitet und wir haben gemeinsam ein Konzept gestrickt, wie wir das ins Kollegium, in die Eltern- und Schülerschaft hinein tragen konnten, meinte Jörg Lorenz. So sei es gelungen, dass die Schließung unproblematisch ablief. Wichtig ist, dass wir langfristig und ehrlich miteinander umgehen und nicht erst über fertige Konzepte reden, die aus der Schublade gezogen werden, ergänzte der Schulleiter. Dem konnte die Landrätin nur zustimmen. Über 90 Schüler besuchen derzeit die Schweizer Schule, 24 Kinder gehen in die Schulvorbereitende Einrichtung und 65 Schüler werden im Gemeinsamen Unterricht, kurz GU, in Grund- und Regelschulen begleitet. Wir haben bereits 2003 mit dem GU in einem Modellprojekt mit der Uni Bremen und den Grund- und Regelschulen begonnen, da haben andere noch gar nicht darüber gesprochen, sagte Jörg Lorenz.
Die dritte Station war die Regelschule Ellrich und hier insbesondere die Turnhalle, gegenwärtig einer der Hauptdiskussionspunkte im Landkreis. Landrätin Keller sprach mit Vertretern der Schule, der Stadtverwaltung und der Vereine. Ich will als Landrätin nichts versprechen, was ich am Ende nicht halten kann, betonte Birgit Keller.
Es stellt sich nun einmal die Frage nach der Finanzierung des Baus und auch der Bewirtschaftung der Halle. Wir werden mit dieser Maßnahme Mittel über viele Jahre binden und das muss jeder wissen. Unerhört finde sie es, so Keller weiter, wie das Land mit dem Landkreis umgehe. In den nächsten Jahren müsse die Region Druck in Erfurt machen, um noch etwas vor Ort bewegen zu können. Birgit Keller sagte zu, bei ihrem geplanten Gespräch mit Finanzminister Voß Möglichkeiten einer zweckgebundenen Bedarfszuweisung für die Halle zu besprechen und gemeinsam mit der Stadtverwaltung Ellrich zu überlegen, inwieweit man sich bei der Finanzierung des Baus weiter aufeinander zu bewegen könne. Außerdem müsse man sich über die Zeitschiene einer möglichen Realisierung des Projekts verständigen. In der Kreistagssitzung Anfang April steht der Bau der Turnhalle auf der Tagesordnung.
Eine positive Bilanz zog Birgit Keller am Ende ihrer einwöchigen Info-Tour, deren Ziel es u.a. war, Anregungen und Kritik aufzunehmen, um die Arbeit der Kreisverwaltung weiter zu verbessern. Auch zukünftig plant die Landrätin solche Info-Touren, um auch ohne konkreten Anlass verschiedene Einrichtungen im Landkreis zu besuchen und mit den Akteuren dort ins Gespräch zu kommen.
Jessica Piper
Autor: redDas Zentrum bietet Platz für 55 pflegebedürftige Senioren. Der Name erinnert an die gut 100-jährige Bergbautradition in der ehemaligen Kalistadt. Von außen sieht man noch, dass wir ganz neu sind, sagte Heimleiterin Babette Wolf. Zwei Jahre sind fast nichts in der Altenhilfe. Wir sind noch keine eingefahrene Einrichtung, was auch viele Vorteile hat.
Da die bisherigen stationären Angebote in Bleichrode nicht ausreichten, hatte das Jugendsozialwerk den Neubau in Angriff genommen und dabei Wert gelegt auf eine neue, helle, moderne Konzeption und Raumaufteilung. Anfangs war es umstritten, dass wir mitten im Zentrum bauen - direkt gegenüber einer Schule, so Babette Wolf. Aber die Bewohner hätten überhaupt kein Problem damit, denn so komme auch Leben in die Einrichtung und alles in der Stadt wie beispielsweise der Wochenmarkt sei gut zu erreichen.
Unsere Bänke draußen vorm Haus sind immer voll, sagte Pflegedienstleiterin Kathrin Schuster. Unsere Bewohner wollen nicht nur auf Bäume schauen, ergänzte Babette Wolf. Nach einem halben Jahr war die Einrichtung voll belegt. Die Bewohner leben in fünf Wohngruppen, deren Mittelpunkt immer eine Wohnküche ist und um die sich jeweils ein Alltagsbegleiter und Pflegeteams kümmern. Der Fachkräfteschlüssel ist genau vorgegeben von den Pflegekassen, die regelmäßig zur Qualitätskontrolle kommen, ebenso wie die Heimaufsicht.
Auch über andere Möglichkeiten des Zusammenlebens wie beispielsweise ambulant betreute Wohngruppen kam die Heimleiterin mit der Landrätin ins Gespräch. Es macht Sinn gerade im ländlichen Raum etwas gegen die Vereinsamung zu tun und da glaube ich, dass eine Wohngemeinschaft älterer Menschen ein Ansatz sein kann", so Birgit Keller. Dem stimmte Babette Wolf zu, ergänzte jedoch, dass es immer Fälle geben werde, in denen eine stationäre Pflege notwendig werde. Denn schwierig werde es, wenn die Bewohner zunehmend älter werden.
Heute ziehen sich beispielsweise Demenzerkrankungen nicht mehr nur über wenige, sondern auch über zehn, zwanzig Jahre hin, weil die Menschen immer älter werden, so Babette Wolf. Pflegeheime müssten an ihrem Image arbeiten, damit der Gedanke aus den Köpfen verschwinde, Leute würden ins Heim abgeschoben. Diesen Eindruck habe man hier wirklich nicht, so Birgit Keller. Die zweite Station des Tages war die Albert Schweizer Schule in Bleicherode. Das Bindeglied zum Seniorenzentrum war schnell gefunden. Das ist einer unserer Kooperationspartner in der Berufsvorbereitung, sagte Schulleiter Jörg Lorenz. Wir sind als berufswahlfreundliche Schule ausgezeichnet und ‚Lernen am anderen Ort’, wo die Schüler die Praxis direkt erleben, ist für uns sehr wichtig. Da unterstützt uns auch der Landkreis als Schulträger, beispielsweise beim Transport. Belohnt wird dieser Einsatz mit einem hohen Anteil an Schülern, die nach ihrem Abschluss eine betriebliche Ausbildung beginnen.
Birgit Keller nutzte den Besuch in der Schule, um u.a. die Herausforderungen des demografischen Wandels anzusprechen. Wenn es uns da nicht gelingt, die Menschen mitzunehmen, werden wir Probleme bekommen. Ein Thema von vielen wird dabei auch die Schulnetzplanung sein. Das Förderzentrum in Bleicherode war selbst schon von einer Schließung betroffen. 2011 musste der Schulteil in Sülzhayn aufgelöst werden, weil es zu wenig Schüler gab.
Das war lange vorbereitet und wir haben gemeinsam ein Konzept gestrickt, wie wir das ins Kollegium, in die Eltern- und Schülerschaft hinein tragen konnten, meinte Jörg Lorenz. So sei es gelungen, dass die Schließung unproblematisch ablief. Wichtig ist, dass wir langfristig und ehrlich miteinander umgehen und nicht erst über fertige Konzepte reden, die aus der Schublade gezogen werden, ergänzte der Schulleiter. Dem konnte die Landrätin nur zustimmen. Über 90 Schüler besuchen derzeit die Schweizer Schule, 24 Kinder gehen in die Schulvorbereitende Einrichtung und 65 Schüler werden im Gemeinsamen Unterricht, kurz GU, in Grund- und Regelschulen begleitet. Wir haben bereits 2003 mit dem GU in einem Modellprojekt mit der Uni Bremen und den Grund- und Regelschulen begonnen, da haben andere noch gar nicht darüber gesprochen, sagte Jörg Lorenz.
Die dritte Station war die Regelschule Ellrich und hier insbesondere die Turnhalle, gegenwärtig einer der Hauptdiskussionspunkte im Landkreis. Landrätin Keller sprach mit Vertretern der Schule, der Stadtverwaltung und der Vereine. Ich will als Landrätin nichts versprechen, was ich am Ende nicht halten kann, betonte Birgit Keller.
Es stellt sich nun einmal die Frage nach der Finanzierung des Baus und auch der Bewirtschaftung der Halle. Wir werden mit dieser Maßnahme Mittel über viele Jahre binden und das muss jeder wissen. Unerhört finde sie es, so Keller weiter, wie das Land mit dem Landkreis umgehe. In den nächsten Jahren müsse die Region Druck in Erfurt machen, um noch etwas vor Ort bewegen zu können. Birgit Keller sagte zu, bei ihrem geplanten Gespräch mit Finanzminister Voß Möglichkeiten einer zweckgebundenen Bedarfszuweisung für die Halle zu besprechen und gemeinsam mit der Stadtverwaltung Ellrich zu überlegen, inwieweit man sich bei der Finanzierung des Baus weiter aufeinander zu bewegen könne. Außerdem müsse man sich über die Zeitschiene einer möglichen Realisierung des Projekts verständigen. In der Kreistagssitzung Anfang April steht der Bau der Turnhalle auf der Tagesordnung.
Eine positive Bilanz zog Birgit Keller am Ende ihrer einwöchigen Info-Tour, deren Ziel es u.a. war, Anregungen und Kritik aufzunehmen, um die Arbeit der Kreisverwaltung weiter zu verbessern. Auch zukünftig plant die Landrätin solche Info-Touren, um auch ohne konkreten Anlass verschiedene Einrichtungen im Landkreis zu besuchen und mit den Akteuren dort ins Gespräch zu kommen.
Jessica Piper



