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Zufriedene Kühe?

Mittwoch, 13. März 2013, 11:28 Uhr
Kuhkomfort ist ein Stichwort, das häufiger fällt, als Birgit Keller gestern auf ihrer Info-Tour die Agrarproduktion Goldene Aue in Görsbach besucht hat. Hatte sie dort wirklich zufriedene Kühe...


„Ich freue mich, heute hier sein zu können, denn so oft habe ich nicht die Gelegenheit dazu, in die landwirtschaftliche Produktion hineinzuschauen“, sagte Keller. Geschäftsführer Wolfgang Benkstein führte die Landrätin gemeinsam mit seinen Söhnen Björn und Dirk, Susann Goldhammer vom Kreisbauernverband und Görsbachs Bürgermeister Siegfried Junker durch die Ställe.

Die Agrarproduktion hält 315 Milchkühe, um die sich 15 Mitarbeiter jeden Tag, sonn- wie feiertags kümmern. „Eine Kuh liefert nur Milch, wenn sie sich wohl fühlt“, sagte Dirk Benkstein. In den offenen Ställen haben die Kühe immer frische Luft, viel Platz, um sich bequem hinzulegen und Bürsten, um sich auch mal am Rücken kratzen und schubbern zu können. Die Agrarproduktion hat investiert in die Ställe, das Land Thüringen hat den Betrieb für seine Arbeit mit dem Tierschutzpreis ausgezeichnet.
Die Kühe belohnen diesen Einsatz mit hohen Milcherträgen, im vergangenen Jahr waren es durchschnittlich 11.900 Kilo Milch je Tier. Die gemolkene Milch wird gleich heruntergekühlt, alle zwei bis drei Tage holt eine Molkerei aus Coburg die Milch aus Görsbach ab und stellt daraus Käse her.

„Wir produzieren zu Weltmarktpreisen“, spielte Wolfgang Benkstein auf die schwierige Frage der Preispolitik an. Denn in viele Produkte fließe heute „Pulver-Milch“, so genannte Instantmilch. Da sei es egal, wo die herkomme, denn Haltbarkeit und Transport sind da problemlos zu gewährleisten – auch aus Neuseeland. Was die Arbeit der deutschen Bauern erschwere, seien die hohen Standards und bürokratischen Herausforderungen hierzulande. Da sei es oft schwierig, mit anderen Ländern preislich mitzuhalten.

„Ein Problem ist momentan, dass wir nicht wissen, wie es in der nächsten EU-Förderperiode weitergeht“, meinte Wolfgang Benkstein. Wenn die EU 2015 die Milchquoten abschafft, die bislang die Milchproduktion in den einzelnen Ländern deckelt, befürchtet der Geschäftsführer, dass der Milchpreis noch weiter fallen könne – wenn jeder so viel produzieren darf, wie er will.

Deshalb habe man neben der Milch weitere Standbeine. Auf den 1.300 Hektar großen Feldern wird neben dem Futter für die Kühe auch Getreide und Raps für den Markt angebaut. Seit 2010 ist die eigene Biogasanlage am Netz. Verarbeitet wird dort die Gülle aus den Ställen, die dann anschließend als wertvoller Dünger aufs Feld gelangt – ein geschlossener Kreislauf, in dem alles verwertet wird.

Einen Teil des erzeugten Stroms und der Wärme nutzt die Agrarproduktion selbst. „Wir wollen, dass die Wertschöpfung im Dorf bleibt“, betonte Benkstein.
Autor: red

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