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nnz-Betrachtung: Die Wichtigkeit

Dienstag, 24. Februar 2004, 17:46 Uhr
Nordhausen (nnz). Was interessiert heute die Menschen? Diese Frage müssen sich Redakteure immer wieder stellen. Welche Meldung ist wichtig, welche eher für den Papierkorb gedacht. Lange Zeit gab es dafür Regeln, die aber haben sich verkehrt.


Heute meldeten die Agenturen unter anderem mehrere hundert Tote bei einem Erdbeben in Marokko, in Russland hat Präsident Putin die komplette Regierung gefeuert und in Deutschland könnte der wirtschaftliche Aufschwung nicht nachhaltig sein. Doch eine Meldung toppte das alles und verdrängte diese Nachrichten in den meldungstechnischen Hintergrund: Daniel Küblböck hat einen Unfall verursacht und soll verletzt sein.

Noch vor zehn Jahren hätte diese Meldung einen gleichen Wert gehabt, wie der berühmte Sack Reis, der in China umgefallen sein soll. Doch im jetzigen manipulierten Superstar-Zeitalter gibt es Daniel Küblböck. Man hat sich als Konsument der Nachrichtenwelt vielleicht daran gewöhnt und akzeptiert – wenn vielleicht auch widerwillig – nun folgende Sondersendungen diverser Boulevard-Magazine der privaten Fernsehfunker. Doch selbst das öffentlich-rechtliche Magazin „brisant“ schaltete sich binnen einer halben Stunde zweimal live zum Reporter, der stramm seine Stellung vor der Klinik hält, in der Küblböck behandelt wird.

Der Gipfel der Berichterstattung war für meine empfindlichen Sensoren heute der Umstand, dass der Nachrichten-Sender n-tv mit Küblböck aufmachte. Hier ist die Welt der Nachrichten verkehrt worden. Es wird nicht mehr getrennt, was wichtig und was unwichtig war und ist in der Welt und welchen Auswirkungen ein Ereignis auf uns haben könnte. Es wird vorgegeben, was wichtig zu sein hat. Bei n-tv seit dem Zeitpunkt, da der Nachrichtensender zur rtl-Gruppe gehört.

Aber, liebe nnz-Leser, morgen kommt es noch schlimmer: Die deutsche Leserschar freut sich schon auf die Bild-Zeitung. Vermutlich kommt das Blatt mit mehreren Sonderseiten zum Unfall des angeblichen Superstars. Ob dann auch berichtet wird, dass der bayerische Schreihals überhaupt nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis war und den Unfall selbst verursacht hatte, das bleibt abzuwarten - und Ihnen hoffentlich erspart.
Autor: nnz

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