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Gefahr für Printmedien

Mittwoch, 20. Februar 2013, 19:05 Uhr
Sind die gedruckten Zeitungen im Allgemeinen und das „Neue Deutschland“ im Besonderen in Gefahr. Dieser Frage wollten am späten Nachmittag 50 Interessierte im Nordhäuser Tabakspeicher nachgehen...

Hat das ND eine Zukunft (Foto: nnz) Hat das ND eine Zukunft (Foto: nnz)

Die LINKE in Nordhausen hatte sich dazu den ND-Chefredakteur Tom Strohschneider und Geschäftsführer Olaf Koppe eingeladen. Begrüßt wurden die Gäste von Matthias Mitteldorf, der sich als 30 Jahre treuer Leser und Abonnent outete. Er ist einer von 129 Abonnenten im Landkreis Nordhausen, dessen Kreisstadt die erste Station einer Promo-Tour durch den Osten der Republik ist.

Man wolle mit den Lesern der Zeitung ins Gespräch kommen, wolle Kritik auf- und eventuell annehmen. Und man wolle die derzeitige Situation der deutschen Zeitungslandschaft darstellen. Tageszeitungen hätten es schwer, Auflagenverluste seien sowohl bei den überregionalen als auch regionalen Tageszeitungen an der Tages- oder besser gesagt an der Quartalsordnung.

Strohschneider (Foto: nnz) Strohschneider (Foto: nnz) Chefredakteur Strohschneider sieht dahinter auch ein politisches Problem, in der Vereinheitlichung der Medienlandschaft, in der es zunehmend linke Zeitungen sehr schwer haben. Zwar gebe es immer noch eine relativ stabile Zeitungslandschaft an sich, jedoch habe die Zahl der Verlage in den zurückliegenden Jahrzehnten deutlich abgenommen. Ein Beispiel dafür sei unter anderen die Zeitungskonzentration in Thüringen.

Ein weiteres Problem kommt in der Tatsache zum Ausdruck, dass sich die Geschäftsleitungen mehr und mehr in die Hoheit der Chefredaktionen einmischen. Mit fatalen Folgen – siehe Thüringen und die Personalie Lochthofen, der sich erlaubte einen freundlichen Kommentar zu einem linken Kandidaten zu veröffentlichen, der für die Erhaltung der journalistischen Qualität gekämpft habe und diesen Kampf letztlich verlor, sagte Strohschneider.

Und da ist das Problem mit dem Netz. Momentan gebe es kein vernünftiges Konzept, um über das Internet soviel Geld verdienen zu können, damit ein qualitatives Produkt jeden Tag angeboten werden kann. Also, so schwärmt Geschäftsführer Koppe, könnte doch der Staat den kleinen Verlagen ein wenig unter die Arme greifen, wie es Modelle in mehreren europäischen Ländern gebe. Die unbefriedigende Situation, das 84 Prozent des ND-Etats aus dem Abo-Geschäft kommt, macht den Verlag nicht unbedingt glücklich, macht die Redaktion jedoch sehr unabhängig. Anzeigen werden in dem linken Blatt nur wenige geschaltet – willkommen im Kapitalismus.

Und dann ist da doch noch das Internet, denen sich das ND eben doch bedient. Facebook, Twitter, zwölf Blogs, die „gefüttert“ werden. Die Kanäle werden selbst beim ND zur Erhöhung der Bekanntheit genutzt, aber auch, um jüngere Leser zu erreichen. Das spiegelt den Spagat wieder, in denen sich die klassischen Zeitungen befinden und den wenige in immer kürzeren Abständen nicht mehr aushalten werden. Die goldene Idee zum Umgang mit dem Internet sei noch nicht gefunden.

Nach rund einer Stunde der Selbstdarstellung waren die Leser des ND gefragt. Eine von ihnen wollte wissen, warum denn im ND zwei Seiten über den Papst-Rücktritt berichtet wurde und ob man für das Interview mit Herrn Schäuble Geld habe zahlen müssen? Soviel dazu...
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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