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Das Monopol lässt grüßen

Montag, 23. Februar 2004, 10:05 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Südharz-Galerie in Nordhausen ist schlicht und ergreifend die Einkaufsadresse Nummer 1. Wer allerdings nach der Schnäppchenjagd noch ein paar Briefmarken mitnehmen will, der muß sich jetzt ins Wartekollektiv am Lutherplatz einreihen.


Seit diesem Jahr verkauft der „Jolly-Point“ in der Südharz-Galerie keine Briefmarken mehr. „Die Post will keine Zwischenhändler mehr“, meinte eine Verkäuferin auf Anfrage. Das aber scheint auf den ersten Blick nur die halbe Wahrheit, denn auf Anfrage lässt die Deutsche Post AG in Erfurt wissen, dass man durchaus noch bei den Händlern seine Briefmarken kaufen könnte. Doch dann rückt die Sprecherin mit der anderen Hälfte der Wahrheit raus. „Es gibt keine Provision für den Verkauf mehr.“

Für Gabriele Moorbach, die Inhaberin des „Jolly-Points“ in der Galerie und in Salza, ist das aber genau der Punkt. Sollten ihre Läden Briefmarken anbieten, dann müssten doch wenigstens die Kosten gedeckt werden. So zum Beispiel müssten die Briefmarken bei der Post abgeholt werden, man müsste man die Quittungsblöcke selbst zahlen, die Abrechnung verschlinge kostbare Arbeitszeit und man müsste in Vorkasse gehen. Betriebswirtschaftlich sei das überhaupt nicht machbar.

Schließlich aber gibt es ja in Nordhausen noch ein Postamt. Am Lutherplatz. Dorthin könnten ja die Besucher der Südharz-Galerie noch gehen, das liege im Einzugsbereich, meint man in Erfurt. Doch auf dem Postamt gibt es die nächsten Hürden. Als Kunde reiht man sich in die Warteschlange ein. Die existiert immer, ob am Morgen, am Mittag oder kurz vor Feierabend. Reihten sich die Wartenden bis vor einem halben Jahr noch vor den jeweils geöffneten Schaltern ein, so gibt es jetzt seit einigen Monaten die revolutionäre Änderung. „Noch mehr Service – Nutzen Sie die zentrale Warteschlange“, wurde den Kunden vor etwa einem Jahr offeriert. Dieser Kunde, der dem postalischen Monopol unterworfen ist, reiht sich geduldig ein. Schließlich gibt es auch für das Warten in der Post eine Norm: „Fünf Minuten“, weiß man in der Erfurter Landespost.

Wer seinen Brief nicht zur Post bringen will, wer ohne passendes Kleingeld resignierend vor dem Briefmarkenautomaten steht, für den könnte es bald Abhilfe geben. Gabriele Morrbach verhandelt derzeit mit einem privaten Briefzusteller, der in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aktiv ist. So könnte es bald im „Jolly Point“ in der Südharz-Galerie und in Salza einen Briefkasten geben. Der wird nicht gelb sein, dafür können dort aber Briefe und Karten reingeworfen werden, deren Adressen in den drei Bundesländern zu finden sind. Die „Marke“ gibt es dann auch zu kaufen. Und der Brief ließe sich dank einer Codierung genau nach verfolgen, der Versand biete dadurch die notwendige Sicherheit.

Das Beste aber kommt dann zum Schluß: Die Gebühr für einen normalen Brief soll weniger als 55 Cent betragen.
Autor: nnz

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