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Naturwaldparzelle Brandesbachtal

Freitag, 15. Februar 2013, 10:49 Uhr
Vor nunmehr zwölf Jahren wurde die Naturwaldparzelle Brandesbachtal auf der Grundlage des Thüringer Waldgesetzes, § 9 Geschützte Waldgebiete, durch die Landesforstverwaltung ausgewiesen. Dazu ein Beitrag von Klaus-Wilhelm Brüggemann in Ihrer nnz...

Karte (Foto: Forstamt, Autor) Karte (Foto: Forstamt, Autor)

Die Parzelle ist 110 Hektar groß und umfasst 6 Forstabteilungen. Natürlich begrenzt wird das forstliche Schutzgebiet im Revier Christianenhaus im Süden durch den Brandesbach, im Osten durch die Forststraße in Richtung Birkenmoor, durch das Große Speckstal , im Norden durch den Waldaus-formungsplatz am Christianenhaus und im Westen durch das Kleine Hagenthal.

Klimatisch dominieren die feuchten Mittleren Berglagen. Die durchschnittlichen Niederschläge im Jahr liegen um 800 mm, die Jahresdurchschnittstemperatur um 6,2°C. In diesem Teil des Thüringer Südharzes überwiegen devonische Gesteine, hier die Grauwacke.

Laubholzbestände prägen mit 82 Prozent den kleinen Ausschnitt des forstlichen Wuchsbezirkes Mittleres-Unterharz-Plateau. Auf kräftigen Standorten stocken natürliche Buchenwaldgesellschaften, in den Tieftälern, aber auch an Steilhängen, nimmt der Anteil von Ahorn, Esche und Hainbuche zu.

Vereinzelt sind noch andere charakteristische Laubbaumarten anzutreffen, wie Sommerlinde, Ulme und auch die Eiche. An der exponierten Bergkuppe des Forstortes Runder Häu nimmt der Fichtenanteil kleinflächig zu. Auf der Hochplateaufläche südlich des Christianenhauses ist ein Hainsimsen-Buchenwald mit einem Holzvorrat von 588 Festmetern anzutreffen.

Diese Baumriesen sind 1833 von dem zuständigen Stolbergisch-Wernigeröder Förster des Revieres Hufthal begründet worden. In der sogenannten Hochwaldphase, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wurde aufgrund des guten Brennholzabsatzes in Nordhausen bis ins Thüringer Becken nach Greußen, weiter auf die Leitbaumart Buche gesetzt. Nachdem Nordhausen um 1865 Bahnanschluss bekam und ausreichend qualitativ hochwertige Steinkohle verfügbar war, änderte sich das zugunsten des Fichtenanbaus. Die Grundherren machten infolge des Preisverfalls für Brennholz dem Försterstand schwere Vorwürfe. Der Thüringer Südharz entging so weitestgehend der Verfichtung.

In der repräsentativen Naturwaldparzelle Brandesbachtal sind seit über zehn Jahren alle Forst-betriebsarbeiten eingestellt worden, um unbeeinflusste, spontane Entwicklungen der vorkommenden Waldgesellschaften mit ihrem Tier- und Pflanzenarten zuzulassen.

Wissenschaftlich begleitet wird dieser Prozessschutz durch das Service- und Kompetenzzentrum von
ThüringenForst in Gotha. Es können so vergleichende Untersuchungen zu bewirtschafteten Wäldern in der gleichen forstlichen Wuchseinheit vorgenommen werden. Das ist ein Langzeitprojekt.
Klaus-W. Brüggemann
Autor: nnz

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