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Aufstieg, Wirken und Ende eines Bußpredigers

Sonntag, 10. Februar 2013, 20:05 Uhr
Trotz Weiberfastnacht und verlängerter Öffnungszeit eines großen Nordhäuser Einkaufstempels lenkten über 60 Kultur- und Geschichtsinteressierte am vergangenen Donnerstagabend ihre Schritte in den „Tabakspeicher“. Was es da zu hören und zu sehen gab, weiß nnz-Leser Hans-Georg Backhaus zu berichten...

Vortrag im Tabakspeicher (Foto: privat) Vortrag im Tabakspeicher (Foto: privat)

Innerhalb der Veranstaltungsreihe „Kunst, Gott und die Welt“ präsentierte der seit 40 Jahren in Halle wohnende Theologe und Kunsthistoriker Walter Martin Rehahn einen Vortrag über die Hauptstadt der Frührenaissance Florenz. Dabei stellte er eine charismatisch bemerkenswerte und in seiner Handlungsweise zuweilen widersprüchliche Figur in den Fokus seiner Ausführungen: den Bußprediger, Ordensmann, Reformer und Märtyrer Girolamo Savonarola.

Florenz galt zu jener Zeit als Zentrum des europäischen Handels- und Finanzwesens und wurde quasi von der Familie de Medici beherrscht. Doch der 1452 als Sohn eines Geldwechslers in Ferrara (Italien) geborene Savonarola stellte dies nach erfolgreichen Studien der Theologie, Philosophie und der Medizin alsbald in Frage.

Der Dominikanermönch tat sich – obwohl anfänglich kaum beachtet – schon bald als begnadeter und wortgewaltiger Redner hervor. Seine Predigten richteten sich vor allem gegen die Verkommenheit der herrschenden Schichten und prangerten ebenso den moralischen Verfall der Katholischen Kurie (Kirchenführung) an. Als Prior (Vorsteher) des Klosters San Marco in Florenz leitete er tiefgreifende Reformen ein. Eine neue florentinische Verfassung mit republikanischen Prinzipien trug in wesentlichen Teilen seine Handschrift. Vom einfachen Volk wurde er dafür bejubelt. Doch sein wachsender Einfluss in der Stadt nahm in der Folge diktatorische Formen an, die darin mündeten, dass seine Anhänger durch Razzien und unterschiedliche Arten der Einschüchterung ein Klima der Furcht erzeugten.

Papst Alexander VI. Borgia, der als verrucht und gerissen galt, ließ Savonarola zunächst gewähren und verlieh ihn sogar die Kardinalswürde. Doch als sich dieser nicht zum Schweigen bringen ließ, brandmarkte der Papst den Prior als „einen Ungehorsamen und der Ketzerei Verdächtigen“ und verhängte 1497 den Bann über ihn, wodurch seine Popolarität sehr rasch sank. Als sich 1498 ein Mönch zum Beweis für die Lehren Savonarolas anbot, eine Feuerprobe zu bestehen, kam viel Volk in der Erwartung eines Wunders zusammen.

Doch als der Mönch eine Hostie mit ins Feuer nehmen wollte, wurde dies als Betrug ausgelegt und die Feuerprobe durch feindliche Ordensleute verhindert. Savonarola wurde von einer aufgebrachten Menge gefangen genommen, gefoltert und zum Tode verurteilt. Gemeinsam mit zwei Getreuen wurde er in Anwesenheit einer riesigen Menschenmenge gehängt, dann verbrannt und seine Asche in den Fluss Arno geworfen. Die in den Grundzügen von Girolamo Savonarola geschaffene Volksregierung von Florenz konnte sich jedoch dank des französischen Einflusses bis 1512 behaupten.

Savonarola verfasste zahlreiche scholastisch- philosophische Werke, eine Unmenge an Predigten aber auch Liebeslyrik. Er erfährt bis heute eine unterschiedliche Wertung seines Handelns. Seitens der Evangelischen Kirche wird er oft als „Vorbote Martin Luthers“ gesehen. Der Reformator selbst schätze ihn als „evangelischen Heiligen“. Die Katholische Kirche unter Papst Johannes Paul II. hat eine Rehabilitierung und ein Seligsprechungsverfahren eingeleitet. Bleibt zu hoffen, dass der deutsche Papst Benedikt XVI. dieses Prozess bald vorantreibt.

Das Publikum dankte den Referenten, der gebürtiger Nordhäuser ist, mit reichlichem Beifall für diesen Vortrag, der mit zahlreichen Lichtbildern und Musik bereichert wurde. Und Jürgen Rennebach, Leiter der Jugendkunstschule Nordhausen, kündigte an, dass Walter Martin Rehhahn im Frühherbst dieses Jahres zu einem weiteren Vortrag in den Nordhäuser Tabakspeicher kommen wird. Man darf gespannt sein.
Hans-Georg Backhaus, Nordhausen
Autor: red

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