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Das gute Ende

Donnerstag, 19. Februar 2004, 08:30 Uhr
Nordhausen (nnz). Aus Sicht des Nordhäuser Rathauses sollen die Planungen zum Industriegebiet in der Goldenen Aue bald ein gutes Ende haben. Warum das so sein könnte und welche Probleme es trotzdem noch gibt, das erfahren Sie mit dem bekannten Klick.


Soll umgesiedelt werden: Feldhamster Die Nordhäuser Oberbürgermeisterin ist mit Blick auf den Planungstand zum Industriegebiet "Goldene Aue" optimistisch. "Noch im Frühjahr kann es für das Industriegebiet Baurecht geben", sagte jetzt Barbara Rinke (SPD). Sobald das Landratsamt seine Stellungnahme zum Entwurf des Bebauungsplanes für das Industriegebiet abgegeben habe, könne man beim Planungsverband - dem neben den Stadt Nordhausen benachbarte Gemeinden angehören - die Abwägung der Stellungnahmen von Bürgern und beteiligten Behörden beenden. Angemerkt sei, daß es sich bei dem angekündiogten Entwurf schon um dei zweite Variante handelt, die erste habe Wirtschaftsdezernent Dietrich Beyse (CDU) auf nnz-Nachfrage Anfang des Jahres wieder an die Behringstraße zurückgeschickt.

Trotzdem Optimismus: "Das Erarbeiten der Stellungnahme würde noch knapp einen Monat dauern, danach kann der Bebauungsplan zur Genehmigung an das Landesverwaltungsamt gehen. Kommt von dort grünes Licht, tritt der Bebauungsplan in Kraft - damit wäre endlich der Weg für Investoren und Arbeitsplätze frei", so die Oberbürgermeisterin.

Auch beim Artenschutz sollen inzwischen alle Fragen geklärt sein: Für die schützenswürdigen Tier- und Pflanzenarten, auf die man im künftigen Industrie-Gebietgelände gestoßen sei, habe man mit dem städtischen Ausgleichsflächen-Pool ausreichend Kompensationsgelände geschaffen, erklärte Steffen Meyer vom städtischen Amt für Umwelt und Grünordnung. "Nordhausen ist eine der wenigen Thüringer Kommunen, die einen solchen Pool haben. Dort stehen insgesamt 42 Hektar für alle möglichen Ausgleichs- und Umsiedlungsbedürfnisse zur Verfügung, wie zum Beispiel für den Feldhamster, der in der Goldenen Aue gefunden wurde" Zum Pool gehörten auch sämtliche Gewässer 2. Ordnung im Stadtgebiet inklusive ihrer Uferbereiche.

Sollte die Umsiedlung nötig werden, habe man dann mit den Wissenschaftlern der Universität Braunschweig kompetente Partner, die derartige Umsiedlungen schon mehrfach vorgenommen hätten. "Mit diesen Flächen und Fachwissen haben wir genug Potential, um der Schutzwürdigkeit von Flora und Fauna gerecht zu werden", sagte Meyer.

Auch für die Tierarten, für die eine Umsiedlung nicht in Frage kommen, böten sich an anderen Stellen Ausweichplätze an, indem man zum Beispiel die Intensiv-Bewirtschaftung von Ackerflächen dämpfe oder Geländeabschnitte so umgestalte, dass sie ihren naturnahen bzw. natürlichen Charakter zurück erhielten. "Damit sind alle Voraussetzungen für die nötigen Ausgleichsmaßnahmen erfüllt", so Meyer. Erfreulich sei auch, dass ein Gutachten geklärt habe, dass das Industriegebiet die europäischen Vogelschutzgebiete am Kelbraer Stausee - ein sogenanntes Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet - nicht beeinträchtige.

Da soll zwar nun für alle möglichen Grashüpfer oder Feldhamsterarten ein neues artgerechtes Zuhause gefunden werden, doch was mit dem Krummbach sein wird, das liegt immer noch im Dunkeln. Hierzu halten sich sowohl die Kreisverwaltung als auch die Stadtverwaltung bedeckt. Probleme scheint es zu geben, denn zur jüngsten Kreisstagssitzung deutete Landrat Joachim Claus (CDU) an, dass die Fläche des Industriegebietes ja auch in zwei Teile aufgeteilt werden könnte. Der Landrat damals wörtlich: „Dann könne man ja mit der Vermarktung der größeren Fläche beginnen.“ Und genau der Krummbach teilt eben diese 100 Hekar, von denen immer wieder „,marketingtechnisch“ gesagt wird, dass sie direkt an der Autobahn liegen würden.

Das ist so auch richtig, die A 38 führt unmittelbar vorbei, doch in Richtung Osten können bislang umworbene Investoren nicht wirklich durchgängig weiter fahren. Sollten die Auswirkungen des Maut-Desasters tatsächlich so fatal sein, wie jetzt zum Beispiel im Thüringer Wirtschaftsministerium befürchtet wird (siehe nnz von gestern), dann könnten Waren und Produkte vor dem Jahr 2008 nicht hergeschafft, geschweige denn abtransportiert werden. Nicht in Richtung Osten, und in Richtung Westen gibt es das Nadelöhr zwischen Bleicherode und Bernterode sowieso. Da ist ein normaler Autobahn-Verkehrsfluß erst ab 2007 machbar. Selbst dann, wenn die Gelder planmäßig fließen würden.
Autor: nnz

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