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Großes Eichsfeld - großes Nordhausen?

Dienstag, 17. Februar 2004, 11:07 Uhr
Nordhausen (nnz). In diesem Jahr wird gewählt. Dann stehen die kommunalpolitischen Konstellationen und auch die in Erfurt für die nächsten fünf Jahre fest. Jetzt aber schon werden die territorialen Claims abgesteckt...


...und zwar noch im Geheimen, denn schließlich wird ja gewählt und da könnten die Pläne in den Schubladen einige Missverständnisse produzieren. Weniger geheim geht man mit den künftigen Revieren vermutlich im Landkreis Eichsfeld um, denn dort gilt der Ausgang aller Wahlen als ziemlich sicher. Nach Erkenntnissen der nnz soll es im Heiligenstädter Landratsamt bereits Karten geben, in denen der „Großkreis Eichsfeld“ aufgemalt sei. Da wollen sich die Eichsfelder zum Beispiel die Eichsfelddörfer des jetzigen Unstrut-Hainich-Kreises einverleiben. Was haben die auch dort zu suchen, fragen sich Politiker in Heiligenstadt oder Dingelstädt seit Jahren besorgt, zumal der Unstrut-Hainich-Kreis von einem SPD-Landrat regiert wird? Doch mit dem „Heim-ins-Reich-holen“ ist damit nicht Schluß. Auch Bleicherode und Umgebung soll dazu gehören und sich künftig zum Oberzentrum Göttingen ausrichten. Und so sind die Stadt und die Dörfer drum herum schon mal im „neuen“ Eichsfeldkreis eingezeichnet.

Bei allen Abschottungen im Thüringer Innenministerium – die Konturen für das künftige Nordthüringen seien schon ziemlich genau aufgezeichnet, so ein Insider. Schon unter Christian Köckert habe man sich darauf verständigt, dass es bis 2009 keine kleinen Landkreise Sömmerda und Nordhausen mehr geben würde. Man will sie vermutlich größer gestalten. Zu Lasten des Kyffhäuserkreises. Der ehemalige Kreis Sondershausen wird nach Nordhausen zugeschlagen, der Altkreis Artern nach Sömmerda. Für den neuen großen Landkreis „Nordhausen“ wird man vermutlich einen Kunstnamen finden, doch das Verwaltungszentrum wird Nordhausen bleiben.

Schließlich soll Nordhausen Leuchtturm werden. Mit welchem Status, darüber streiten bisweilen Regierung und Opposition in Thüringen. Während sich die Nordhäuser und Sondershäuser Kommunalpolitik für den lupenreinen Status eines Oberzentrums ausspricht, meinte Innenminister Andreas Trautvetter am Rande der Biathlon-WM in Oberhof, dass Nordhausen durchaus für ein Mittelzentrum mit oberzentralen Funktionen prädestiniert sei. „Ich glaube, dass man auch in Nordthüringen oberzentrale Funktionen vorhalten muß .. und dazu gehören auch oberzentrale Einrichtungen wie zum Beispiel in Nordhausen“, sagte Trautvetter dem „Freien Wort“ in Suhl.

Die Zeitung war noch nicht richtig an diesem Tag verteilt, da schäumten Teile der SPD-Landtagsfraktion vor Wut und in einer Pressemitteilung ließ man ausrichten, dass es künftig in Thüringen nur noch drei Oberzentren geben soll: Erfurt, Jena und - man lese und staune – Weimar. Das bestätigte SPD-Abgeordnete Dagmar Becker der nnz. Die Fraktion habe sich mehrheitlich so geeinigt, meinte Becker bedauernd, vor allem in Richtung Nordhausen.

Bleiben wir bei Nordhausen. Selbst für diese Nordregion soll es im Innenministerium „Feinplanungen“ geben. Die beinhalten auch Landkarten. Und da könnte Nordhausen sich in den kommenden Jahren zum Beispiel bis nach Neustadt und Ellrich ausdehnen. Nur Heringen und Bleicherode sollen nicht zu Nordhausen gehören. Ellrichs Bürgermeister Gerald Schröder fand das nicht schlecht und sprach auch schon mit der Nordhäuser Stadtverwaltung und wurde dafür gerügt.

Man will Nordhausen künftig stärker machen, hört man hinter der bekannten vorgehaltenen Hand in Erfurt, nur eines will man nicht: Die Kreisfreiheit der Rolandstadt. Und da sollen sich sogar Opposition und Regierung einig sein.
Autor: nnz

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