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“Türken” im Alten Reich

Donnerstag, 31. Januar 2013, 15:37 Uhr
Über eine vergessene Minderheit und ihren Platz in der deutschen Gesellschaft spricht Mitte Februar im Museum Tabakspeicher der Frankfurter Historiker Dr. Markus Friedrich. Interessierte sind dazu herzlich eingeladen...


In seinem Vortrag befasst sich Friedrich mit einer weitgehend unbekannten religiösen Minderheit, die in den Jahrhunderten nach der Reformation in Deutschland lebte: den Muslimen. Es mag eigenartig und seltsam klingen, doch tatsächlich lebten in den Jahrhunderten vor der Französischen Revolution immer wieder Muslime im Alten Reich.

Das war vor allem eine Folge der kriegerischen Konflikte zwischen Kaiser und Sultan, die auf dem Balkan, in Ungarn und in Österreich entbrannt waren – viele der Muslime gelangten als Kriegsgefangene, als Sklaven nach Deutschland. Aufgrund umfangreicher Archiv- und Literaturstudien wird Markus Friedrich das Schicksal und die historische Bedeutung dieser Menschengruppe an Hand einer Vielzahl von Einzelfällen rekonstruieren.

Er wird dabei auch die Wahrnehmung der Fremden durch die Christen ansprechen, wie auch die Rolle der Kriegsgefangenen in ihrer neuen Heimat.

Abschließend wird der Vortrag auf die längerfristige Relevanz dieser frühen Begegnung von Christen und Muslimen in Deutschland eingehen, und dabei noch einmal den Bogen zum Jahresthema “Toleranz” der Lutherdekade spannen – wurden die Muslime toleriert, geduldet? Und wie war das damals möglich?

Markus Friedrich, geboren 1974, promovierte 2002 in München und habilitierte 2010 an der Universität Frankfurt. Seither hat er u.a. in Rostock, Berlin und Erfurt gearbeitet und gelehrt. Seine Arbeiten kreisen immer wieder um die Geschichte der Religion sowie um die Frage, wie Wissen entsteht und produziert wird. Er hat verschiedene Monographien und Sammelbände publiziert und veröffentlicht regelmäßig in nationalen und internationalen Fachzeitschriften.

14. Februar, um 19 Uhr, im Museum Tabakspeicher
Autor: red

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