nnz-online

Wie Zuhause

Donnerstag, 24. Januar 2013, 15:35 Uhr
In der Stadtverwaltung und in den Ausschüssen des Stadtrates wird derzeit intensiv über Kürzungen für die freien Träger der Jugendarbeit diskutiert. Bislang haben die für dieses Jahr keinen Cent gesehen. Einen "Betroffenen" besuchte heute die nnz...


Es sind 25 bis 30 Kinder und Jugendliche, die jeden Tag in der Woche in die Landgrabenstraße kommen. Sie wohnen hier irgendwie im Revier, sind zwischen acht und 16 Jahre alt. Sie hängen jedoch nicht zwischen Südharz-Galerie und Herkules ab, sondern gehen in den Club Caritas.

Dort erledigen sie zum Beispiel ihre Hausaufgaben, dort tischlern sie, dort wird gekocht und gebacken. In der Petersbergschule wird getöpfert und in der Turnhalle auf dem Petersberg wird Sport getrieben.
"Sie sind doch auch Bürger von Nordhausen und wir kümmern uns um sie", sagt die Chefin vom Club Caritas, Annabelle Walther. Sie und ihre beiden Mitstreiter sind die Kümmerer und die Ansprechpartner in vielen Lebenslagen. Vor allem in denen, wo die Elternhäuser versagen. Diese jungen Menschen, diese Nordhäuser waren von je her die Zielgruppe des Club Caritas, dessen Geburtsjahr 1996 und dessen Geburtsort die Darre in Nordhausen war.

Schon immer war der Club ein Refugium zum Rückzug, wenn der "Stress mit den Alten" zu groß wurde. Seit sieben Jahren gibt es die Landgrabenstraße 1. Es waren zum Teil schlimme Zeiten, jetzt hat es sich eingepegelt, hat die junge Frau Walther von ihren Vorgängern erfahren. Möglich wurde das auch, weil sich erfahrene Menschen um die noch unerfahrenen Menschen kümmerten und sie wie normale Menschen behandelten. 28 Stunden arbeitet Annabelle Walther im Club, 20 Stunden ein Kollege und im Bundesfreiwilligendienst engagiert sich Petra Friedrich.

Das kostet Geld, 60.000 Euro erhielt der Club Caritas, den alle bisherigen kommunalen Politiker für notwendig und sinnvoll hielten und halten, bislang. 37.000 Euro von der Stadt Nordhausen, 23.000 Euro vom Landkreis, dem eigentlich Verantwortlichen für die Jugend. Am Ende eines Jahres blieben 800 Euro für Material, für Ferienaktionen oder Ausflüge.

Damit könnte in diesem Jahr Schluss sein. Das Geld wird knapper und die Verteilung durch Stadtrat und Verwaltung klemmt. Mit weniger aber können die "Club-Macher" nicht auskommen, dann wird die Landgrabenstraße 1 dicht gemacht.

30 junge Menschen haben ihr temporäres Zuhause dann nicht mehr, sie werden sich zu den Typen gesellen, die zwischen Galerie und Herkules rumgammeln oder die einst auf dem Bahnhofsplatz "unterwegs" waren.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de