Aus tausend Spiegeln ...
Sonntag, 20. Januar 2013, 09:35 Uhr
Aus tausend Spiegeln sehe ich mich an. Diese Textzeile steht auf einem Bucheinband neben einem gemalten Selbstporträt der Paula Ludwig, der Dichterin und Malerin aus Österreich, deren Lebenszeit zwischen 1900 und 1974 lag. Sie wird als erste in diesem Jahr am Samstag in der Dichterstätte in Limlingerode mit Gedichten und Briefen vorgestellt...
In kürzester Form formulierte sie einmal ihren Lebenslauf so: Geboren: 5.1.1900; gestorben hundertmal voraus! Aus Berlin emigriert 1933! aus Tirol geflohen 1938! aus Paris geflohen 1940! 13 Jahre Brasilien; 1953 Heimkehr – fatal! Fatal beschreibt, dass sie nach ihrer Rückkehr 1953 aus dem entbehrungsreichen Exil zu den vergessenen Dichterinnen gehörte.
Fuß fasste sie in der Bundesrepublik, wo sie sich dann überwiegend aufhielt, nicht wirklich. Sie, die in den 1920er und 1930er Jahren zu den gefragten Poetinnen im deutschsprachigen Raum gehörte, war nach ihrer Heimkehr nur noch bei wenigen im Gedächtnis. Sie lebte krank und ruhelos, oft an der Grenze des Existenzminimums, in Düsseldorf und Wetzlar. Wenige Freunde waren geblieben. In Darmstadt verstarb sie am 27. Januar 1974 und fand ihr Grab auf dem dortigen Waldfriedhof.
Bezeichnend ist auch, dass erst 2004.eine umfassendere Ausstellung ihrer Bilder stattfand, obwohl sie besonders im Exil in Brasilien ihren schmalen Unterhalt fast ausschließlich damit verdient hatte. Im Voralberger Landesmuseum in Bregenz stellte man die Zeichnungen und Gemälde aus und entwarf anhand ihres Nachlasses ein Lebensbild dieser Doppelbegabung.
Cover (Foto: Archiv Kneffel)
Paula Ludwig wurde in Feldkirch (Voralberg) geboren, verbrachte ihre Kindheit in Linz und Breslau, lebte mit ihren Geschwister zuerst bei der Mutter, nach deren Tod beim Vater. Paulas Wunsch war es, Schauspielerin zu werden. Sie verdiente früh ihren Lebensunterhalt als Zimmermädchen und Ateliergehilfin in einer Malerschule, verfasste erste Gedichte. Bei ihr heißt es: ...ich wurde Atelier-Paula. Stand Modell, kochte Tee, putzte und behütete Wohnung, Bilder, Pinsel und Paletten. Nie aber wäre ich auf den Gedanken gekommen, selbst zu malen. Ich besuchte die Breslauer Dichterschule.
1917 kam unehelich ihr Sohn Siegfried (Friedel) zur Welt, für den sie mehrere Gedichte schrieb. Sie lebte die ersten Jahre mit ihrem Kind in einem Heim für alleinstehende Mütter in München und arbeitete weiter als Dienstmädchen und Aktmodell. An den Münchner Kammerspielen war sie Souffleuse und spielte kleine Rollen. Sie lernte Klaus und Erika Mann kennen, die Dichterin Else Lasker-Schüler, die sie bestärkte, Gedichte und Zeichnungen zu veröffentlichen.
Zeitweilig bestritt die Ludwig ihren Lebensunterhalt allein durch den Verkauf ihrer Bilder sowie kunstgewerblicher Arbeiten. 1923 zog es sie nach Berlin und sie befreundete sich mit den Schriftstellern Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky, Joachim Ringelnatz und Waldemar Bonsels, dem Autor der Biene Maja. Mit diesem war sie eng befreundet. In Berlin begegnete sie ihrer großen Liebe, dem verheirateten deutsch-französischen Dichter jüdischer Herkunft, Ivan Goll, mit dem sie acht Jahre in enger Verbundenheit lebte.
Das ins Exilgehen trennte ihre Wege und als Paula Ludwig nach Deutschland zurückkehrte, war er verstorben. Er schrieb in der Zeit ihres Kennenlernens an seine Frau Claire Goll über sie: Tochter eines Sargtischlers, ziemlich holzschnitthafter Kopf, aber eine feine Seele. Aus dieser Liebe erwuchs in beiden je ein Gedichtzyklus. Paula Ludwig schuf
Dem dunklen Gott. Ein Jahresgedicht der Liebe und Goll die Malaiischen Liebeslieder.
Wer dieser dichtenden und malenden Frau begegnen möchte, ist für den Nachmittag des 26. Januar ab 14.30 Uhr nach Limlingerode eingeladen.
Heidelore Kneffel
Autor: redIn kürzester Form formulierte sie einmal ihren Lebenslauf so: Geboren: 5.1.1900; gestorben hundertmal voraus! Aus Berlin emigriert 1933! aus Tirol geflohen 1938! aus Paris geflohen 1940! 13 Jahre Brasilien; 1953 Heimkehr – fatal! Fatal beschreibt, dass sie nach ihrer Rückkehr 1953 aus dem entbehrungsreichen Exil zu den vergessenen Dichterinnen gehörte.
Fuß fasste sie in der Bundesrepublik, wo sie sich dann überwiegend aufhielt, nicht wirklich. Sie, die in den 1920er und 1930er Jahren zu den gefragten Poetinnen im deutschsprachigen Raum gehörte, war nach ihrer Heimkehr nur noch bei wenigen im Gedächtnis. Sie lebte krank und ruhelos, oft an der Grenze des Existenzminimums, in Düsseldorf und Wetzlar. Wenige Freunde waren geblieben. In Darmstadt verstarb sie am 27. Januar 1974 und fand ihr Grab auf dem dortigen Waldfriedhof.
Bezeichnend ist auch, dass erst 2004.eine umfassendere Ausstellung ihrer Bilder stattfand, obwohl sie besonders im Exil in Brasilien ihren schmalen Unterhalt fast ausschließlich damit verdient hatte. Im Voralberger Landesmuseum in Bregenz stellte man die Zeichnungen und Gemälde aus und entwarf anhand ihres Nachlasses ein Lebensbild dieser Doppelbegabung.
Cover (Foto: Archiv Kneffel)
Paula Ludwig wurde in Feldkirch (Voralberg) geboren, verbrachte ihre Kindheit in Linz und Breslau, lebte mit ihren Geschwister zuerst bei der Mutter, nach deren Tod beim Vater. Paulas Wunsch war es, Schauspielerin zu werden. Sie verdiente früh ihren Lebensunterhalt als Zimmermädchen und Ateliergehilfin in einer Malerschule, verfasste erste Gedichte. Bei ihr heißt es: ...ich wurde Atelier-Paula. Stand Modell, kochte Tee, putzte und behütete Wohnung, Bilder, Pinsel und Paletten. Nie aber wäre ich auf den Gedanken gekommen, selbst zu malen. Ich besuchte die Breslauer Dichterschule. 1917 kam unehelich ihr Sohn Siegfried (Friedel) zur Welt, für den sie mehrere Gedichte schrieb. Sie lebte die ersten Jahre mit ihrem Kind in einem Heim für alleinstehende Mütter in München und arbeitete weiter als Dienstmädchen und Aktmodell. An den Münchner Kammerspielen war sie Souffleuse und spielte kleine Rollen. Sie lernte Klaus und Erika Mann kennen, die Dichterin Else Lasker-Schüler, die sie bestärkte, Gedichte und Zeichnungen zu veröffentlichen.
Zeitweilig bestritt die Ludwig ihren Lebensunterhalt allein durch den Verkauf ihrer Bilder sowie kunstgewerblicher Arbeiten. 1923 zog es sie nach Berlin und sie befreundete sich mit den Schriftstellern Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky, Joachim Ringelnatz und Waldemar Bonsels, dem Autor der Biene Maja. Mit diesem war sie eng befreundet. In Berlin begegnete sie ihrer großen Liebe, dem verheirateten deutsch-französischen Dichter jüdischer Herkunft, Ivan Goll, mit dem sie acht Jahre in enger Verbundenheit lebte.
Das ins Exilgehen trennte ihre Wege und als Paula Ludwig nach Deutschland zurückkehrte, war er verstorben. Er schrieb in der Zeit ihres Kennenlernens an seine Frau Claire Goll über sie: Tochter eines Sargtischlers, ziemlich holzschnitthafter Kopf, aber eine feine Seele. Aus dieser Liebe erwuchs in beiden je ein Gedichtzyklus. Paula Ludwig schuf
Dem dunklen Gott. Ein Jahresgedicht der Liebe und Goll die Malaiischen Liebeslieder.
Wer dieser dichtenden und malenden Frau begegnen möchte, ist für den Nachmittag des 26. Januar ab 14.30 Uhr nach Limlingerode eingeladen.
Heidelore Kneffel

