nnz-Forum: Sternsinger global
Freitag, 11. Januar 2013, 16:14 Uhr
Mit der Sternsingeraktion setzt sich in der nnz Bodo Schwarzberg auseinander und fordert dabei den Blick über den Tellerrand zu wagen...
Gerade ist der "Fleischatlas" erschienen, der den Deutschen abermals ins Stammbuch schreibt, wie verheerend die Auswirkungen ihres hemmungslosen Fleischkonsums u.a. auf die Regenwälder und die Armutssituation in den so genannten Entwicklungsländern sind.
Andererseits drücken "Brot für die Welt", Sternsinger und andere Organisationen bzw. Ideen mit zum Teil aufgeblähten und teuren Verwaltungsköpfen alljährlich auf die Tränendrüsen, um den satten Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und ebenso fördert die Bundesregierung Regenwaldschutzprojekte in Brasilien mit vielen Millionen Euro.
Zeitgleich werden für deutsche Saumägen aber Regenwälder in Größenordnungen gerodet, um Soja anzubauen und viel CO2 emmittierend nach Europa zu schippern, da ja hier in Europa, wegen des zunehmenden Energiepflanzenbooms, immer weniger Platz für Nahrungspflanzen ist. Folgen, die niemand in Europa sehen will, sind die damit und auch mit E 10 verbundene Vertreibung Einheimischer, inkl. Entführung, Mord und Brandschatzung (siehe z.B. www.regenwald.org) und die zunehmend unbezahlbaren Lebensmittel für die Armen, woran wir also mitschuldig sind.
Und weiter: Die deutschen "Hähnchen-KZs" produzieren so billig und decken einen so gigantischen Markt ab, dass den ursprünglich sehr zahlreichen Geflügel-Produzenten in den Entwicklungsländern die Existenzgrundlage genommen wurde, mit der Folge von Armut und Hunger vieler Familien und ganzer Dörfer. Das geht nachweislich auch zu Lasten tausender Kinder und ist Thema des jüngsten Fleischatlas'.
In diesem Kontext muss man die Sammlung der Sternsinger für die Schule in Nigeria einordnen und kritisieren. Gut gedacht, aber ein Ausdruck opportunistischer, unter dem Strich negativer und nur punktuell positiver Entwicklungshilfe.
Ich wünschte mir weniger Augenwischerei bei solchen Aktionen, sondern eine Diskussion miit den Kindern über das komplexe Versagen der Entwicklungshilfe, woran auch einzelne punktuelle Erfolge, wie vielleicht die Entwicklung dieser konkreten nigerianischen Schule, nichts ändern können. Das Beispiel zeigt, dass kleine konkrete Projekte den Blick auf das komplizierte, aber ENTSCHEIDENDE "große Ganze" verstellen, und zwar schon deswegen, weil das Denken und Argumentieren in komplexen Zusammenhängen kompliziert, energieaufwändig und unbequem ist.
Provinzpolitker sollten dennoch und gerade deswegen endlich ihrer globalen Verantwortung gerecht werden, statt sich im Klein-Klein solcher Sammelaktionen feiern zu lassen. Gerade von einer Linken-Politikerin wie Frau Keller wünschte ich mir hier eindeutige und kritische Bekenntnisse. Da haben wir von ihren politischen Vorgängern in der DDR tiefere Einblicke erhalten, - zumindest zum Komplex "kapitalistische Entwicklungshilfe". Schließlich sollen es diese Kinder ja möglichst einmal besser machen, als unsere heutigen Politiker.
Vermutlich trugen die Kinder bei ihrer Sammelaktion einige Kleidungsstücke, die von Tagelöhnern in Südostasien unter schlimmsten Verhältnissen produziert wurden? Allen diese Möglichkeit relativiert die Sammelaktion für die Schule in Nigeria und zeigt die Komplexität der Problematik auf. Diese Kinder sollen einst diesen Planeten führen und vor allem die von uns immer weiter verschärften globalen Probleme lösen! Sie müssen lernen, wie ihr eigenes alltägliches Tun zur Verschärfung der Konflikte im sozialen und ökologischen Bereich beiträgt und wie sie dagegen angehen können.
Das nenne ich nachhaltig und langfristig wirksam; das ist besser, als das Sammeln einiger Silberlinge zur Erlangung eines zweifelhaften Seelenfriedens. Wenn aber schon diese Kinder nicht mit den wahren Hintergründen ihres Tuns konfrontiert werden, dann frage ich mich, wie sie es später besser richten sollen, als wir.
Bodo Schwarzberg
Gerade ist der "Fleischatlas" erschienen, der den Deutschen abermals ins Stammbuch schreibt, wie verheerend die Auswirkungen ihres hemmungslosen Fleischkonsums u.a. auf die Regenwälder und die Armutssituation in den so genannten Entwicklungsländern sind.
Andererseits drücken "Brot für die Welt", Sternsinger und andere Organisationen bzw. Ideen mit zum Teil aufgeblähten und teuren Verwaltungsköpfen alljährlich auf die Tränendrüsen, um den satten Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und ebenso fördert die Bundesregierung Regenwaldschutzprojekte in Brasilien mit vielen Millionen Euro.
Zeitgleich werden für deutsche Saumägen aber Regenwälder in Größenordnungen gerodet, um Soja anzubauen und viel CO2 emmittierend nach Europa zu schippern, da ja hier in Europa, wegen des zunehmenden Energiepflanzenbooms, immer weniger Platz für Nahrungspflanzen ist. Folgen, die niemand in Europa sehen will, sind die damit und auch mit E 10 verbundene Vertreibung Einheimischer, inkl. Entführung, Mord und Brandschatzung (siehe z.B. www.regenwald.org) und die zunehmend unbezahlbaren Lebensmittel für die Armen, woran wir also mitschuldig sind.
Und weiter: Die deutschen "Hähnchen-KZs" produzieren so billig und decken einen so gigantischen Markt ab, dass den ursprünglich sehr zahlreichen Geflügel-Produzenten in den Entwicklungsländern die Existenzgrundlage genommen wurde, mit der Folge von Armut und Hunger vieler Familien und ganzer Dörfer. Das geht nachweislich auch zu Lasten tausender Kinder und ist Thema des jüngsten Fleischatlas'.
In diesem Kontext muss man die Sammlung der Sternsinger für die Schule in Nigeria einordnen und kritisieren. Gut gedacht, aber ein Ausdruck opportunistischer, unter dem Strich negativer und nur punktuell positiver Entwicklungshilfe.
Ich wünschte mir weniger Augenwischerei bei solchen Aktionen, sondern eine Diskussion miit den Kindern über das komplexe Versagen der Entwicklungshilfe, woran auch einzelne punktuelle Erfolge, wie vielleicht die Entwicklung dieser konkreten nigerianischen Schule, nichts ändern können. Das Beispiel zeigt, dass kleine konkrete Projekte den Blick auf das komplizierte, aber ENTSCHEIDENDE "große Ganze" verstellen, und zwar schon deswegen, weil das Denken und Argumentieren in komplexen Zusammenhängen kompliziert, energieaufwändig und unbequem ist.
Provinzpolitker sollten dennoch und gerade deswegen endlich ihrer globalen Verantwortung gerecht werden, statt sich im Klein-Klein solcher Sammelaktionen feiern zu lassen. Gerade von einer Linken-Politikerin wie Frau Keller wünschte ich mir hier eindeutige und kritische Bekenntnisse. Da haben wir von ihren politischen Vorgängern in der DDR tiefere Einblicke erhalten, - zumindest zum Komplex "kapitalistische Entwicklungshilfe". Schließlich sollen es diese Kinder ja möglichst einmal besser machen, als unsere heutigen Politiker.
Vermutlich trugen die Kinder bei ihrer Sammelaktion einige Kleidungsstücke, die von Tagelöhnern in Südostasien unter schlimmsten Verhältnissen produziert wurden? Allen diese Möglichkeit relativiert die Sammelaktion für die Schule in Nigeria und zeigt die Komplexität der Problematik auf. Diese Kinder sollen einst diesen Planeten führen und vor allem die von uns immer weiter verschärften globalen Probleme lösen! Sie müssen lernen, wie ihr eigenes alltägliches Tun zur Verschärfung der Konflikte im sozialen und ökologischen Bereich beiträgt und wie sie dagegen angehen können.
Das nenne ich nachhaltig und langfristig wirksam; das ist besser, als das Sammeln einiger Silberlinge zur Erlangung eines zweifelhaften Seelenfriedens. Wenn aber schon diese Kinder nicht mit den wahren Hintergründen ihres Tuns konfrontiert werden, dann frage ich mich, wie sie es später besser richten sollen, als wir.
Bodo Schwarzberg
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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