Wahn oder Wirklichkeit
Dienstag, 08. Januar 2013, 09:35 Uhr
Immer häufiger werden Polizisten mit vorwiegend jungen Menschen konfrontiert, die unter Wahnvorstellungen leiden. Dieser Fall vom 2. Januar - ist das etwa die Spitze des berühmten Eisberges? Wir haben nachgefragt...
Es gibt so manchen Eintrag in die täglichen Berichte der Beamten der Nordhäuser Landespolizeiinspektion, in denen von jungen Menschen berichtet wird, die im Drogenrausch Wahnvorstellungen haben. Die Beamten machen dafür vor allem synthetische Drogen verantwortlich, die aus Osteuropa bis nach Thüringen schwappen und durchaus preiswert zu haben sind.
So ganz bestätigen kann das der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Nordhäuser Südharz-Klinikum, Prof. Dr. med Philip Heiser, nicht. Denn: die Zahl der in seiner Klinik behandelten Fälle mit diesen Symptomen ist in den zurückliegenden Jahren relativ konstant geblieben. Allerdings, das gibt Prof. Heiser zu bedenken, ist auch die Halbwertzeit der Drogen, die den Wahn auslösen, sehr gering. Bei Kokain beträgt sie laut Heiser nur etwas mehr als 30 Minuten, dann würden die Wahnwirkungen nachlassen.
Nicht nachgelassen haben indes die schweren Fälle der Sucht nach Drogen und Alkohol. Im Gegenteil, sie sind angestiegen. Dazu zählt der Psychiater auch das sogenannte Komasaufen. Das ist nicht nur eine Erscheinung in Ballungszentren oder Großstädten, sondern gerade im ländlichen Revier, in Nordthüringen, gehen die Zahlen nach oben. Vor allem bei jungen Frauen und Mädchen, hier schon ab einem Alter von 12 Jahren.
Unter den Drogen steht in und um Nordhausen immer noch Cannabis ganz oben auf der Konsumliste. Das deckt sich auch mit bundesweiten Erhebungen. Hinzu kommen aber Aufputschmittel wie Crystal, die derzeit als zweithäufigste Drogen registriert wird. Vor allem die Gruppe der Methylamphetamine macht Fachleuten wie dem Nordhäuser Chefarzt zu schaffen. "Sie setzen vor allem dem jugendlichen Körper derart zu, dass einige unserer Patienten völlig ausgezehrt sind."
Ein großes Thema in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind auch die Psychostimulanzien, die wichtig sind für die Behandlung von vielen ADHS-Patienten und im Rahmen der Therapie kein erhöhtes Suchtpotential hervorrufen. Allerdings tauchen diese Medikamente immer wieder auf dem Schwarzmarkt auf, obwohl die Verschreibung dieser Substanzen unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, und werden dann zur Leistungssteigerung oder für einen Rausch missbraucht. Dafür ist allerdings eine höhere Dosis als in der ADHS-Therapie notwendig.
Die Hälfte der jungen Patienten, die auf richterliche Anordnung in die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Nordhausen eingewiesen werden, hat akute Drogenprobleme. Sie haben eine schwere Zeit bereits hinter sich. Sie zeigen emotionale Auffälligkeiten ebenso wie den immer stärker werdenden Drang die Schule zu verweigern. Da hilft dann keine vierwöchige Entgiftung des jugendlichen Körpers, da hilft nur noch ein mehrmonatiger stationärer Aufenthalt und eine anschließende Reha.
Rund 50 junge Patienten sind im vergangenen Jahr mit den Folgen einer Drogenabhängigkeit in Nordhausen behandelt worden. Das sind - bei aller statistischen Konstanz - immer noch zu viele. Prof. Heiser verweist in diesem Zusammenhang auf die Fürsorgepflicht der Eltern, sie können Veränderungen bei ihren Kindern an ehesten beobachten. Zu spät ist es fast immer, wenn sich erste Straftaten zur Beschaffung von Drogen oder das Schulschwänzen einstellen.
Hilfe gibt es in Nordhausen bei der Drogen- und Suchtberatungsstelle oder beim Gesundheitsamt der Kreisverwaltung. Gerade die Pubertät sei ein gefährliches Alter, da sich hier der jugendliche Körper neu sortiere. Leider aber, auch muss das Team von Prof. Philip Heiser am Nordhäuser Klinikum immer wieder feststellen, die jungen Patienten mit Drogenproblemen kommen oftmals aus den sozial-schwachen Schichten der Gesellschaft. Aber - auch das gibt der Mediziner zu bedenken: Niemand ist vor Drogen sicher, der Einstieg ist vielfältig und das Suchtpotenzial ist vor allem bei den synthetischen Drogen enorm hoch.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redEs gibt so manchen Eintrag in die täglichen Berichte der Beamten der Nordhäuser Landespolizeiinspektion, in denen von jungen Menschen berichtet wird, die im Drogenrausch Wahnvorstellungen haben. Die Beamten machen dafür vor allem synthetische Drogen verantwortlich, die aus Osteuropa bis nach Thüringen schwappen und durchaus preiswert zu haben sind.
So ganz bestätigen kann das der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Nordhäuser Südharz-Klinikum, Prof. Dr. med Philip Heiser, nicht. Denn: die Zahl der in seiner Klinik behandelten Fälle mit diesen Symptomen ist in den zurückliegenden Jahren relativ konstant geblieben. Allerdings, das gibt Prof. Heiser zu bedenken, ist auch die Halbwertzeit der Drogen, die den Wahn auslösen, sehr gering. Bei Kokain beträgt sie laut Heiser nur etwas mehr als 30 Minuten, dann würden die Wahnwirkungen nachlassen.
Nicht nachgelassen haben indes die schweren Fälle der Sucht nach Drogen und Alkohol. Im Gegenteil, sie sind angestiegen. Dazu zählt der Psychiater auch das sogenannte Komasaufen. Das ist nicht nur eine Erscheinung in Ballungszentren oder Großstädten, sondern gerade im ländlichen Revier, in Nordthüringen, gehen die Zahlen nach oben. Vor allem bei jungen Frauen und Mädchen, hier schon ab einem Alter von 12 Jahren.
Unter den Drogen steht in und um Nordhausen immer noch Cannabis ganz oben auf der Konsumliste. Das deckt sich auch mit bundesweiten Erhebungen. Hinzu kommen aber Aufputschmittel wie Crystal, die derzeit als zweithäufigste Drogen registriert wird. Vor allem die Gruppe der Methylamphetamine macht Fachleuten wie dem Nordhäuser Chefarzt zu schaffen. "Sie setzen vor allem dem jugendlichen Körper derart zu, dass einige unserer Patienten völlig ausgezehrt sind."
Ein großes Thema in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind auch die Psychostimulanzien, die wichtig sind für die Behandlung von vielen ADHS-Patienten und im Rahmen der Therapie kein erhöhtes Suchtpotential hervorrufen. Allerdings tauchen diese Medikamente immer wieder auf dem Schwarzmarkt auf, obwohl die Verschreibung dieser Substanzen unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, und werden dann zur Leistungssteigerung oder für einen Rausch missbraucht. Dafür ist allerdings eine höhere Dosis als in der ADHS-Therapie notwendig.
Die Hälfte der jungen Patienten, die auf richterliche Anordnung in die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Nordhausen eingewiesen werden, hat akute Drogenprobleme. Sie haben eine schwere Zeit bereits hinter sich. Sie zeigen emotionale Auffälligkeiten ebenso wie den immer stärker werdenden Drang die Schule zu verweigern. Da hilft dann keine vierwöchige Entgiftung des jugendlichen Körpers, da hilft nur noch ein mehrmonatiger stationärer Aufenthalt und eine anschließende Reha.
Rund 50 junge Patienten sind im vergangenen Jahr mit den Folgen einer Drogenabhängigkeit in Nordhausen behandelt worden. Das sind - bei aller statistischen Konstanz - immer noch zu viele. Prof. Heiser verweist in diesem Zusammenhang auf die Fürsorgepflicht der Eltern, sie können Veränderungen bei ihren Kindern an ehesten beobachten. Zu spät ist es fast immer, wenn sich erste Straftaten zur Beschaffung von Drogen oder das Schulschwänzen einstellen.
Hilfe gibt es in Nordhausen bei der Drogen- und Suchtberatungsstelle oder beim Gesundheitsamt der Kreisverwaltung. Gerade die Pubertät sei ein gefährliches Alter, da sich hier der jugendliche Körper neu sortiere. Leider aber, auch muss das Team von Prof. Philip Heiser am Nordhäuser Klinikum immer wieder feststellen, die jungen Patienten mit Drogenproblemen kommen oftmals aus den sozial-schwachen Schichten der Gesellschaft. Aber - auch das gibt der Mediziner zu bedenken: Niemand ist vor Drogen sicher, der Einstieg ist vielfältig und das Suchtpotenzial ist vor allem bei den synthetischen Drogen enorm hoch.
Peter-Stefan Greiner
