FFH-Gebiet soll Winkelberg schützen
Freitag, 06. Februar 2004, 07:09 Uhr
Nordhausen (nnz). Am Winkelberg sollen sich irgendwann die Bagger drehen. Dort schlummert Gips gleich unter der Grasnarbe. Es gibt breiten Protest und es gibt Möglichkeiten, dem Rohstoffabbau entgegenzuwirken. Eine davon erfahren Sie mit dem bekannten Klick...
Beim Schutz des vom Rohstoffabbau bedrohten Gipskarstgebietes Winkelberg in der Rüdigsdorfer Schweiz setzt die Stadt auf dessen Einbeziehung in das benachbarte europäische FFH-Schutzgebiet. Das kündigt Steffen Meyer vom städtischen Amt für Umwelt und Grünordnung an. Das gesamte benachbarte Gelände ist bereits als Schutzgebiet nach der `Flora-Fauna-Habitat´- Richtlinie zur Erhaltung natürlicher Lebensräume und wildlebender Pflanzen und Tiere nach Brüssel gemeldet. Die Thüringer Landesregierung beabsichtigt jetzt einen Teil des Gebietes im Bereich `Günzdorf/ Harzfelder Holz´ nachgemeldet, was wir sehr begrüßen – nur ist leider der Winkelberg wieder nicht einbezogen worden.
In einer Stellungnahme an das Thüringer Umweltministerium habe man diese Einbeziehung noch einmal massiv gefordert weil sie fachlich einfach geboten ist: Wird der Winkelberg nicht einbezogen, steht die Existenz unter anderem von seltenen Trockenrasen-Flächen und von Fledermäusen, Bussarden und Milanen auf dem Spiel, wie auch der Lebensraum der Gelbbauch-Unke, die von europaweiter Bedeutung ist. Dabei handelt es sich um Lebensräume bzw. Arten, die explizit auf der FFH - Liste als schützenswert eingestuft sind und darüber hinaus noch unter die EU-Vogelschutzrichtlinien fallen, erklärte Meyer.
Allein die Gelbbauch-Unke habe einen Wanderradius von mehreren Kilometern – mit der Ausklammerung des Winkelberges aus dem FFH-Gebiet werde deren Lebensraum quasi zerschnitten. Besonders dramatisch könnte sich ein Abbau am Winkelberg auf die wertvollen Fledermaus-Vorkommen auswirken, deren Winterquartiere zwar noch knapp ins FFH-Gebiet fielen, aber deren Lebens- und Jagdräume durch einen Abbau zerstört würden. Unsere Argumente sind wissenschaftlich von anerkannten Fachleuten untersetzt. betonte Meyer.
Auch die Rohstoff-Firma, die am Winkelberg abbauen möchte, hat gestern – im Rahmen des von ihr beantragten Planfeststellungsverfahrens – die Ergebnisse einer FFH-Verträglichkeitsprüfung über das Thüringer Landesbergamt auch der Stadt Nordhausen zur Stellungnahme vorgelegt. Diese Studie werden wir gemeinsam mit dem Landkreis, den betroffenen Gemeinden und dem Arbeitskreis Gipskarst Südharz prüfen und uns im Rahmen des gesamten Verfahrens dazu positionieren. Wir warten dafür noch auf die restlichen Gutachten des Verfahrens. Unser Standpunkt ist allerdings klar:
Ein Planfeststellungsverfahren ist für den `Winkelberg´ nicht tauglich, da es die Auswirkungen eines möglichen Abbaus nur für ein enges und nur sehr begrenztes Gebiet untersucht. Hier muss ein Raumordnungsverfahren eingeleitet werden, das den Einfluss des Abbaus auf den gesamten Naturraum des Gipskarst-Gebietes unserer Region analysiert und deshalb zu einem niederschmetternden Ergebnis für einen möglichen Abbau führen würde, wie das bereits am `Kuhberg´ zwischen Krimderode und Niedersachswerfen der Fall war.
Die Stadt hatte das vom Bergamt und von der Gipsfirma geltend gemachte öffentliche Interesse am Gipsabbau stets verneint. Meyer: Am Kohnstein - in Sichtweite des Winkelberges - gibt es ein 240 Hektar großes Gebiet, das für den Gips-Abbau sowohl im städtischen Flächenutzungsplan als auch im Regionalen Raumordnungsplan des Freistaates Thüringen als Vorranggebiet für den Abbau reserviert ist. Nach der kürzlichen Insolvenz einer Abbau-Firma liege dieses Areal brach und stehe für den Abbau zur Verfügung. Der Gips an dieser Stelle reicht für mehr als 40 Jahre - und mit dem Einstieg einer neuen Firma könnten dort vielleicht an gleicher Stelle verloren gegangene Arbeitsplätze neu entstehen. Deshalb macht es keinen Sinn, neue Abbau-Wunden in eine intakte und einmalige Landschaft zu schlagen.
Allein die Stadt Nordhausen stelle 10 Prozent ihrer Fläche für den Rohstoffabbau zur Verfügung. Damit – und mit weiteren reservierten Arealen im Landkreis - ist der Bedarf an Abbau-Fläche für die Industrie gedeckt. Öffentliches Interesse heißt für uns nicht, dass jede Abbau-Firma einen eigenen Steinbruch beanspruchen kann. Das sehen nicht nur wir als Stadt so, das ist auch die Meinung einer ganzen Region, so Steffen Meyer mit Blick auf zahlreiche entsprechende parteiübergreifende Voten des Nordhäuser Stadtrates der letzten 10 Jahre. Neben Nordhausen hatten sich alle umliegenden Gemeinden und unsere Bürger gegen die Zerstörung der Rüdigsdorfer Schweiz ausgesprochen.
Autor: nnzBeim Schutz des vom Rohstoffabbau bedrohten Gipskarstgebietes Winkelberg in der Rüdigsdorfer Schweiz setzt die Stadt auf dessen Einbeziehung in das benachbarte europäische FFH-Schutzgebiet. Das kündigt Steffen Meyer vom städtischen Amt für Umwelt und Grünordnung an. Das gesamte benachbarte Gelände ist bereits als Schutzgebiet nach der `Flora-Fauna-Habitat´- Richtlinie zur Erhaltung natürlicher Lebensräume und wildlebender Pflanzen und Tiere nach Brüssel gemeldet. Die Thüringer Landesregierung beabsichtigt jetzt einen Teil des Gebietes im Bereich `Günzdorf/ Harzfelder Holz´ nachgemeldet, was wir sehr begrüßen – nur ist leider der Winkelberg wieder nicht einbezogen worden.
In einer Stellungnahme an das Thüringer Umweltministerium habe man diese Einbeziehung noch einmal massiv gefordert weil sie fachlich einfach geboten ist: Wird der Winkelberg nicht einbezogen, steht die Existenz unter anderem von seltenen Trockenrasen-Flächen und von Fledermäusen, Bussarden und Milanen auf dem Spiel, wie auch der Lebensraum der Gelbbauch-Unke, die von europaweiter Bedeutung ist. Dabei handelt es sich um Lebensräume bzw. Arten, die explizit auf der FFH - Liste als schützenswert eingestuft sind und darüber hinaus noch unter die EU-Vogelschutzrichtlinien fallen, erklärte Meyer.
Allein die Gelbbauch-Unke habe einen Wanderradius von mehreren Kilometern – mit der Ausklammerung des Winkelberges aus dem FFH-Gebiet werde deren Lebensraum quasi zerschnitten. Besonders dramatisch könnte sich ein Abbau am Winkelberg auf die wertvollen Fledermaus-Vorkommen auswirken, deren Winterquartiere zwar noch knapp ins FFH-Gebiet fielen, aber deren Lebens- und Jagdräume durch einen Abbau zerstört würden. Unsere Argumente sind wissenschaftlich von anerkannten Fachleuten untersetzt. betonte Meyer.
Auch die Rohstoff-Firma, die am Winkelberg abbauen möchte, hat gestern – im Rahmen des von ihr beantragten Planfeststellungsverfahrens – die Ergebnisse einer FFH-Verträglichkeitsprüfung über das Thüringer Landesbergamt auch der Stadt Nordhausen zur Stellungnahme vorgelegt. Diese Studie werden wir gemeinsam mit dem Landkreis, den betroffenen Gemeinden und dem Arbeitskreis Gipskarst Südharz prüfen und uns im Rahmen des gesamten Verfahrens dazu positionieren. Wir warten dafür noch auf die restlichen Gutachten des Verfahrens. Unser Standpunkt ist allerdings klar:
Ein Planfeststellungsverfahren ist für den `Winkelberg´ nicht tauglich, da es die Auswirkungen eines möglichen Abbaus nur für ein enges und nur sehr begrenztes Gebiet untersucht. Hier muss ein Raumordnungsverfahren eingeleitet werden, das den Einfluss des Abbaus auf den gesamten Naturraum des Gipskarst-Gebietes unserer Region analysiert und deshalb zu einem niederschmetternden Ergebnis für einen möglichen Abbau führen würde, wie das bereits am `Kuhberg´ zwischen Krimderode und Niedersachswerfen der Fall war.
Die Stadt hatte das vom Bergamt und von der Gipsfirma geltend gemachte öffentliche Interesse am Gipsabbau stets verneint. Meyer: Am Kohnstein - in Sichtweite des Winkelberges - gibt es ein 240 Hektar großes Gebiet, das für den Gips-Abbau sowohl im städtischen Flächenutzungsplan als auch im Regionalen Raumordnungsplan des Freistaates Thüringen als Vorranggebiet für den Abbau reserviert ist. Nach der kürzlichen Insolvenz einer Abbau-Firma liege dieses Areal brach und stehe für den Abbau zur Verfügung. Der Gips an dieser Stelle reicht für mehr als 40 Jahre - und mit dem Einstieg einer neuen Firma könnten dort vielleicht an gleicher Stelle verloren gegangene Arbeitsplätze neu entstehen. Deshalb macht es keinen Sinn, neue Abbau-Wunden in eine intakte und einmalige Landschaft zu schlagen.
Allein die Stadt Nordhausen stelle 10 Prozent ihrer Fläche für den Rohstoffabbau zur Verfügung. Damit – und mit weiteren reservierten Arealen im Landkreis - ist der Bedarf an Abbau-Fläche für die Industrie gedeckt. Öffentliches Interesse heißt für uns nicht, dass jede Abbau-Firma einen eigenen Steinbruch beanspruchen kann. Das sehen nicht nur wir als Stadt so, das ist auch die Meinung einer ganzen Region, so Steffen Meyer mit Blick auf zahlreiche entsprechende parteiübergreifende Voten des Nordhäuser Stadtrates der letzten 10 Jahre. Neben Nordhausen hatten sich alle umliegenden Gemeinden und unsere Bürger gegen die Zerstörung der Rüdigsdorfer Schweiz ausgesprochen.
