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Bitte schämen Sie sich!

Montag, 07. Januar 2013, 06:40 Uhr
Die Nordhäuser Sternsinger haben 100 Euro von der Führungsspitze des Nordhäuser Rathauses erhalten. Dazu ein offener Brief des nnz-Herausgebers an zwei Herren und eine Dame...


Sehr geehrte Frau Haase und sehr geehrte Herren Dr. Zeh und Jendricke,

mit großer Freude und Anteilnahme habe ich in der nnz am Donnerstag vergangener Woche vernommen, dass Sie, Herr Dr. Zeh, Herr Jendricke und Frau Haase, die Sternsinger-Aktion unterstützen. Sie nutzten diese Unterstützung natürlich auch, um sich in trauter Gemeinschaft ablichten zu lassen.

Nun ist bekannt geworden, dass nicht Sie, Herr Dr. Zeh, nicht Sie, Herr Jendricke und auch nicht Sie, Frau Haase, diese 100 Euro aus eigener Tasche, sondern quasi im Namen aller mehr als 40.000 Nordhäuser übergeben haben. Das sind 0,0000000625 Euro pro Einwohner, die auch ich übergeben habe. Nach dem ich im vergangenen Jahr als Europäer schon den Friedensnobelpreis symbolisch erhalten habe, ist das ein weiteres Glücksmoment in meinem Leben.

Nur: Das Trio, das den Nobelpreis in Empfang nahm, betrachtet ihn wie Eigentum, so etwa wie: Den haben eigentlich nur wir bekommen. Ähnlich verhalten Sie sich, Herr Dr. Zeh, Herr Jendricke und Sie, Frau Haase sich, nur eben im Geben. Dem unbedarften Leser suggerieren Sie, dass Sie persönlich – sozusagen aus eigener Tasche – die 100 Euro übergeben haben.

Ich will diese Behauptung nicht überprüfen müssen, wenn die drei meine Bitte erfüllen. Da ich – wie Sie, liebe Nordhäuser Leserinnen und Leser – Bürger dieser Stadt bin, möchte ich in einem Jahr die 100 Euro an die Sternsinger übergeben. Schließlich ist es öffentliches Geld, das Sie ausgegeben haben, Geld des Steuerzahlers. Es kann meinetwegen auch ein anderer Bürger sein, nur kein Politiker und Verwalter.

Wie kommunale Spitzenpolitiker mit ihrem eigenen Geld umgehen, das macht seit Jahren ein sozialdemokratischer Landrat in Nordthüringen vor. Harald Zanker spendet in beharrlicher Frechheit an Vereine und soziale Einrichtung tatsächlich privates Geld.

Für den Rest der 364 Tage sollten Sie, Herr Dr. Zeh, Sie, Herr Jendricke und Sie, Frau Haase sich schämen, bei dem Gehalt, zu dem ihnen die Bürger dieser Stadt verholfen haben, die 100 Euro nicht aus eigener Tasche bezahlt zu haben. Geben ist nicht schwer, für Sie scheint jedoch das Verteilen wesentlich einfacher zu sein.

Ich werde also Anfang Januar 2014 zur Stadtkasse gehen und mir die 100 Euro auszahlen lassen. Bitte bereiten Sie das entsprechend vor. Ein Foto von der Übergabe muss dabei nicht gemacht werden. Ich bin kein Politiker, verbleibe aber trotzdem mit freundlichen Grüßen
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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