nnz-online

Erschreckender Jahresauftakt

Donnerstag, 05. Februar 2004, 12:26 Uhr
Nordhausen (nnz). Bei alle Querelen in der Zentrale der Agentur für Arbeit – einen solchen Jahresauftakt am Arbeitsmarkt hätten sich die Fachleute in Nordhausen nicht vorgestellt. Die Quote schossen nach oben, mehr als 3.000 Nordthüringer sind allein im Januar arbeitslos geworden...


Arbeitslosenquote Januar 2004


Ende Januar waren 32.950 Frauen und Männer im Bezirk der Agentur für Arbeit Nordhausen arbeitslos. Eine so hohe Arbeitslosigkeit wurde seit fünf Jahren nicht mehr in der Region festgestellt. Bereits zum Jahresende 2003 stellte sich die Lage für Arbeitsuchende schwieriger dar als in den Vorjahren. Die Vielzahl der Entlassungen in saisonabhängigen, aber auch in den übrigen Wirtschaftsklassen, führte im Verlauf des Berichtsmonats zu über 7.000 Arbeitslosmeldungen. Das waren 500 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Obwohl die Angebote aus der Wirtschaft im Januar höher ausfielen als im Dezember, erhöhte sich die Arbeitslosenzahl gegenüber dem Jahresende 2003 um 3.110.

Im Monatsverlauf sind rund 5.200 Männer arbeitslos geworden. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Jahresende 2003 um 2.936 auf 17.414. Zum Jahresanfang 2003 waren sogar noch 356 Männer mehr von Arbeitslosigkeit betroffen. Bei den Frauen erhöhte sich zwar gegenüber Dezember die Arbeitslosenzahl nur um 174 auf 15.537, im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies aber ein Anstieg um 462. Die hohe Zunahme an Arbeitslosen resultiert vorwiegend aus Entlassungen im Bau- und aus dem Dienstleistungsgewerbe. Erstmals kamen in einem Januar aus Unternehmen, die Dienstleistungen erbringen, fast so viele Meldungen von Arbeitnehmern wie aus dem Baugewerbe. Die Arbeitslosenquote auf der Basis aller zivilen abhängigen Erwerbspersonen ist wegen der Entwicklung seit Ende Dezember auf 23,0 Prozent Ende Januar angestiegen.

Die Arbeitslosigkeit beendeten 3.914 Personen, 1.238 mehr als im Vormonat, aber auch fast 1.000 mehr als im Januar des Vorjahres. Zugenommen haben die Abmeldungen in eine Erwerbstätigkeit und in sonstige Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik, insbesondere in Trainingsmaßnahmen. Aus Unternehmen der Wirtschaft und der Verwaltung nahmen die Fachkräfte der Arbeitsvermittlung 635 Stellenangebote entgegen, fast 124 weniger als im Dezember und über 80 weniger als im Januar des Vorjahres.

Während die Angebote aus dem produzierenden Gewerbe sich gegenüber dem Vorjahr nicht verringert haben, kam es bei den Angeboten aus dem Dienstleistungsgewerbe zu spürbaren Einbrüchen. Die direkte Förderung in regulärer Beschäftigung erfolgte für fast 2.890 Personen. Dabei gibt es einen leichten Rückgang bei der Gewährung von Lohnkostenzuschüssen. Allerdings ist die Zahl der Existenzgründer insgesamt angestiegen. Der Eintritt in die Selbständigkeit mit Gewährung von Überbrückungsgeld ist zum Vorjahreszeitraum zurück gegangen. Die Gründung einer Ich-AG wurde dagegen von mehr Frauen und Männern als eine Chance gesehen, die Arbeitslosigkeit zu beenden.

In Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung mündeten im Januar 107 Arbeitsuchende ein, 105 davon in Anpassungs- und Fortbildungsmaßnahmen. Damit waren am Monatsende 1.729 Teilnehmer in geförderten Qualifizierungen, fast so viele wie im Vormonat, aber 1.516 weniger als vor einem Jahr. Im Dezember 2003 endeten für über 700 Beschäftigte Maßnahmen des zweiten Arbeitsmarktes. Zum Jahresbeginn 2004 konnte die Zahl der Beschäftigten nur zum Teil durch neue Maßnahmen kompensiert werden. Ende des Monats arbeiteten 1.882 Frauen und Männer in Beschäftigung schaffenden Maßnahmen, 483 weniger als vor vier Wochen. Gegenüber dem Vorjahr verringerte sich diese Zahl um 1.455, das ist mehr als ein Drittel. Allerdings ist die rückläufige Entwicklung fast ausschließlich auf weniger Arbeitnehmer in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zurückzuführen. In den kommenden Wochen werden aber in bereits bewilligte Maßnahmen über 300 Arbeitslose einmünden.

Indirekte Hilfen zur Beschäftigungsaufnahme sind Trainingsmaßnahmen und Förderungen, die Beratung und Vermittlung unterstützen, wie zum Beispiel Bewerbungs- und Reisekosten, Umzugs- oder Fahrkosten. Trainingsmaßnahmen waren 2003 ein wichtiges Instrument, um Arbeitslose auf dem ersten Arbeitsmarkt einzugliedern. Auch im Januar begannen fast 590 Teilnehmer in diesen Maßnahmen, von denen fast die Hälfte nur einen Monat dauert. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich in allen Geschäftsstellen der Agentur für Arbeit Nordhausen verschlechtert. Festzustellen ist, dass sich im Landkreis Nordhausen aber im Vergleich zum Vorjahr die Arbeitslosenzahl um 30 verringert hat, während im Landkreis Eichsfeld diese Zahl um 434 und im Kyffhäuserkreis um 415 angestiegen ist.

Die Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen abhängigen Erwerbspersonen ist im Landkreis Nordhausen mit 23,0 Prozent um 0,2 Prozentpunkte höher ausgefallen als vor einem Jahr. Für den Eichsfeldkreis errechnet sich bei einer Zahl von 10.535 Arbeitslosen diese Quote in Höhe von 18 Prozent und ist damit fast einen Prozentpunkt über dem Vorjahreswert. 11.943 Frauen und Männer aus dem Kyffhäuserkreis suchten Ende Januar eine Arbeit. Die Arbeitslosenquote beträgt damit 25,7 Prozent und liegt über einen Prozentpunkt höher als vor zwölf Monaten. Die Entwicklung sowohl im Landkreis Eichsfeld als auch im Kyffhäuserkreis resultiert aus überdurchschnittlich hohen Meldungen von Arbeitnehmern mit Bau- und Dienstleistungsberufen, die aber vorwiegend als Pendler in den alten Bundesländern beschäftigt waren.

Die ausführlichen Informationen finden Sie im nachfolgenden PDF: Arbeitslosenstatistik Januar 2004 (450 kByte)
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de