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Keinen Bock

Donnerstag, 27. Dezember 2012, 07:38 Uhr
Seit Wochen klagen die Träger der freien Jugendarbeit über die mangelnde Finanzausstattung seitens der Kommunen. Doch zum Werben gehört auch das "Klappern". Damit ist es jedoch nicht weit her...


Im November, also vor rund sechs Wochen hatte die nnz über eine Zusammenkunft im Jugendklubhaus berichtet, bei der auf die finanzielle Misere der Träger hingewiesen wurde. Sabine Reich, die Geschäftsführerin des Kreisjugendrings, klappert sich seitdem durch die Einwohnerfragestunden von Kreistag und Stadtrat und mahnt die Zahlung der ausstehenden Gelder an und fordert Zu- oder eben auch Absagen. Sie fordert nur eines: Klare Ansagen. Was sie erhält, sind Verschiebungen von Zusagen. Erst müsse in der Stadt der Haushalt verabschiedet werden, dann könne man eine Summe nennen, führt Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh (CDU) als Antwort gebetsmühlenartig an.

Die nnz hatte kurz nach dem November-Bericht aus dem Jugendclubhaus angeregt, dass sich die Vereine, ihre Arbeit, ihre Projekte, Ziele und Erfolge in der nnz vorstellen, deren Existenz gefährdet scheint, wenn man den damaligen Aussagen Glauben schenken darf. Sabine Reich war begeistert und hatte dieses Angebot an die Mitgliedsvereine des Kreisjugendrings weitergeleitet.

Die Reaktion der Vereine und Träger bis heute: Null, was auch Reich maßlos ärgert.

Was ist also daraus zu schlussfolgern? PR in eigener Sache macht Arbeit. Arbeit mal über das normale, bezahlte Maß hinaus. Oder: es wird ein Horrorszenario beschrieben, das es so nicht gibt. Oder: die Jugendarbeit, die angeblich eine so große Resonanz unter den Jugendlichen findet, die so beliebt und begehrt ist, die gibt es überhaupt nicht und manch ein Jugendklub ist nur der Ort eines Selbstfindungsprozesses von wenigen Akteuren?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass in Zeiten sprudelnder Kassen (rund 500.000 Euro allein von der Stadt Nordhausen als freiwillige Leistung), Konzepte, Ideen finanziert wurden, ohne auf deren tatsächliche Realisierung zu achten. Von Abrechnung der Fördergelder ganz zu schweigen. Oder das Geld diente zum größten Teil nicht der Finanzierung von Inhalten der Jugendarbeit, sondern zu Finanzierung der hauptamtlichen Tätigkeit von Sozialarbeitern?

Und so beschleicht den einen oder anderen der Gedanke, dass vor allem in der Jugendarbeit oft schludrig mit dem Geld umgegangen wurde, denn wie ist zu begründen, dass für ein Projekt rund 30 Liegestühle gekauft werden mussten. Ach ja - das ist vermutlich wieder eine andere Spielwiese: Die Liegestühle waren Bestandteil der Präventionsarbeit gegen Rechtsextremismus. Und sind doch irgendwie typisch für das heutige Agieren in der Szene.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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