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Gibt es überhaupt ein Industriegebiet?

Mittwoch, 04. Februar 2004, 10:32 Uhr
Nordhausen (nnz). Diese Frage wird in den zurückliegenden Tagen immer häufiger in politischen Kreisen rund um Nordhausen gestellt. Es ist zumindest bei der Bürgerinitiative „Rettung der Goldenen Aue“ sehr ruhig geworden. Das wiederum erscheint einigen Politikern mehr als beunruhigend...


Doch wir wollen erst einmal bei der Politik bleiben. Es war dem Kandidaten der SPD für die Landtagswahlen vorbehalten, endlich mal den Standpunkt der Kreistagsfraktion vorzutragen. Und so tat es denn Manfred Breitrück gestern auch. Der Kandidat meldet sich seit seiner Kandidatur immer fleißig zur Aussprache in diesem Gremium, in dem er in den Jahren zuvor eher durch Schweigsamkeit glänzte. Gestern jedenfalls hatte Manfred Breitrück etwas zur Industrie zu sagen. Er habe in Berlin die Aussage von einem wirtschaftlichen Aufschwung vernommen. Auch bei der Nobas würden die produktiven Zeichen nach oben zeigen. Da gab es dann schon ein mitleidiges Schmunzeln in der christdemokratischen und sozialistischen Abteilung des Kreistages.

Wie dem auch sei: Kandidat Breitrück meinte wörtlich: „Die SPD-Fraktion des Kreistages stehe mehrheitlich hinter dem Industriegebiet in der Goldenen Aue“. Gut nur, dass seine Faktionschefin an diesem Tag nicht anwesend war. Also nun wissen wir es, auch die CDU-Fraktion weiß es und Maik Schröter wird es sich genau notiert haben.

Nach diesem mehrheitlichen Bekenntnis der Genossen zu einem Bekenntnis des Landrates. Joachim Claus (CDU) meinte, daß die Stellungnahme hinsichtlich eines Satzungsbeschlusses seiner Behörde für das Industriegebiet ein bestehendes öffentliches Interesse bekunden würde. Man habe auch einen Lösungshinweis für den Umgang mit dem Krummbach eingearbeitet. So könne das Baurecht geschaffen und dann mit der Werbung für die größere der beiden Flächen begonnen werden.

An dieser Stelle aber müssen dem Wirtschaftsdezernenten der Nordhäuser Stadtverwaltung, Dietrich Beyse, wohl die Nackenhaare zu Berge gestanden haben. Teilfläche, dieses Wort wollen die Macher des Planungsverbandes nicht hören und schon gar nicht lesen. Teilfläche – das bedeutet schlicht und ergreifend das Aus für das Industriegebiet. „Ob nun der Krumbach als Gewässer oder als schraffierte Fläche in den Plan gezeichnet wird, das ist egal. Dann können wir keine 100 Hektar mehr anbieten“, so Beyse im Gespräch mit der nnz.

Seit einem Jahr habe man versucht, das dem Landratsamt klarzumachen. Letztlich aber ohne Erfolg. Die Stellungnahme, von der Landrat Claus im Dezember und auch gestern wieder sprach, die hat der Planungsverband nach nnz-Informationen zur „Nachbesserung“ wieder an die Behringstraße zurückgeschickt. Vielleicht überlegen es sich die Untere Naturschutzbehörde und die Untere Wasserbehörde noch einmal, ob sie mit den Planern zusammenarbeiten können oder ob sie ein Projekt, das auch aus landespolitischer Sicht Priorität hat, verhindern wollen. Das wäre in dieser Dimension mit diesen Auswirkungen wohl einzigartig im Freistaat.

Hinsichtlich dieser Behörden im Landratsamt ranken sich seit Monaten schon die kuriosesten Gerüchte. So munkelt man in Nordhausen, dass vertrauliche Informationen eher zur Bürgerinitiative in Urbach gelangen als zum Planungsverband. Ein ganz übles Gerücht besagt, dass es personelle Verstrickungen von Mitarbeitern im Landratsamt zur Bürgerinitiative geben soll. Das wurde vom Fachbereichsleiter Mathias Ehrhold vehement bestritten. Wo aber nimmt Ehrhold seine Aussage her? Die Bürgerinitiative rückt ihre Mitgliederliste nicht raus, Klaus-Dieter Korb erklärte sie am Rande des Ärzteballs fast zur Geheimen Verschlußsache. Die nnz hatte angefragt.

Dafür reibt man sich in Urbach die Hände und kann sich vermutlich bequem zurücklehnen. Die Fehler machen andere, so hört man aus der Goldenen Aue. Die Fehler wurden vor allem in den planerischen Anfangszeiten gemacht. Der Umgang mit dem Krummbach war nur einer davon. Sie können aber geheilt werden, wenn alle Beteiligten es wollen.

Aber vermutlich gibt es Verhinderer, deren Motiv so alt ist, wie der Landkreis nach der Wende jung: Ein Projekt, das der Stadt Nordhausen auch nur im Entferntesten nutzen könnte, das darf nicht realisiert werden. Selbst wenn es letztlich um Arbeitsplätze für alle Menschen im Landkreis Nordhausen geht.
Autor: nnz

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