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nnz-doku: Bewerbungsrede

Donnerstag, 20. Dezember 2012, 12:37 Uhr
Hannelore Haase ist nun endlich in der bezahlten Politik angekommen. Mit großer Mehrheit wurde die 56jährige gestern vom Nordhäuser Stadtrat gewählt. Ihre Bewerbungsrede veröffentlichen wir in unserer doku-Reihe, damit man ihr Handeln messen kann...


Sehr geehrter Herr Vorsitzender, Herr Oberbürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren Stadträte, liebe Gäste,


zunächst kurz etwas zu meinem persönlichen und beruflichen Werdegang:

Ich wurde 1956 in Leipzig geboren und wohne seit 1970 in Nordhausen. Mitunter bezeichne ich Leipzig als meine Geburtsstadt und Nordhausen als meine Heimat, da ich hier meine Familie gegründet und mit meinem Mann und meinen beiden Söhnen meinen Lebensmittelpunkt gefunden habe.

Nach dem Abitur und der Berufsausbildung als Köchin bin ich für einige Jahre für Studienzwecke nach Leipzig zurück gekehrt und habe an der dortigen Handelshochschule Ökonomie studiert. Nach dem erfolgreichen Abschluss als Diplomökonomin habe ich bereits ab 1980 in verschiedenen Leitungsfunktionen im staatlichen Einzelhandel mehr und mehr Verantwortung übernommen.

Nach 1990 kam dann für mich der Wechsel meiner Tätigkeit in den sozialen Bereich. Mit einem Zusatzstudium an der Pädagogischen Fachhochschule in Freiburg als Leitungskraft für soziale Einrichtungen und einer akademischen Weiterbildung im Bereich der Betriebswirtschaft habe ich die notwendige Fachlichkeit erworben, um in der Geschäftsführung des Jugendsozialwerkes Nordhausen den Aufbau und die Organisation der Verwaltung zu strukturieren bzw. später dann für rund. 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Personalverantwortung zu übernehmen.

2001 wurde mir die Geschäftsführung der LIFT gGmbH übertragen, die ich durch alle Höhen und Tiefen der Arbeitsmarktpolitik der letzten 10 Jahre, entgegen aller Mutmaßungen, mit großem Verantwortungsbewusstsein gut navigiert habe.

Mein ehrenamtliches Engagement umfasst den sozialen, kulturellen und sportlichen Bereich; aber auch die Tätigkeit als ehrenamtliche Richterin beim Arbeitsgericht Nordhausen habe ich in den letzten 10 Jahren mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und großem Interesse erfüllt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
wie Sie wissen, habe ich in diesem Jahr für das Amt der Oberbürgermeisterin in unserer Stadt kandidiert. Ich habe bei dieser Wahl sehr viel an Erfahrung und Bekanntheit gewonnen und ich würde gern meinen Wahlslogan „ehrlich-mutig-konsequent“ auf die Tätigkeit als Beigeordnete übertragen wollen, denn er ist Ausdruck dessen, was ich will und wer ich bin.

Die Frage nach den Zielen und nach den Vorstellungen in der Herangehensweise ist, wenn man realistisch bleiben will und nicht irgendwelchen Wunschvorstellungen nachläuft, nicht ganz einfach zu beantworten. Fakt ist natürlich, dass die Übernahme von kommunaler Verantwortung in Zeiten von Wohlstand und vollen Kassen sehr viel einfacher ist, denn es geht dann um gestalten und nicht nur um verwalten. Die jetzigen Sparzwänge engen die Gestaltungsspielräume schon sehr ein, aber sie können natürlich auch phantasieanregend sein!

Wichtig wird sein, alles Bestehende auf den Prüfstand zu stellen und mit den Akteuren offen und zielführend zu kommunizieren. Nichts finde ich schlimmer, als akute Belange auszusitzen oder an den Betroffenen vorbei zu entscheiden. Wir müssen dazu bereit sein, nicht über Dinge oder Personen zu reden, sondern mit Personen über Dinge zu reden.

Ich möchte negativ besetzter Kommunikation den Kampf ansagen. Dabei möchte ich alle, das heißt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber vor allem auch die Bürgerinnen und Bürger einbeziehen in einen sozialverträglichen Kurs der Haushaltskonsolidierung.

Es reicht heute nicht aus, Erbschaften nur anzutreten, man muss sich ihnen stellen und sie positiv vermarkten. Wir müssen glaubwürdig vermitteln, dass gut gedachtes nicht immer funktioniert, jedoch stets eine neue Chance bietet, wenn man früh genug den Mut zum Umdenken hat.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Kulturbibliothek (fast schon reif für den Status „Nordhäuser Unwort des Jahres 2012“!). Sicher könnte ich es mir an dieser Stelle leicht machen und sagen, ich habe das nicht entschieden, denn ich war zu dem Zeitpunkt nicht im Stadtrat, also trage ich dafür keine Verantwortung! Aber das werde ich nicht tun!

Es muss uns gelingen, diese Investition, die nun mal in nicht geringer Größe getätigt wurde, unter Einbeziehung der späteren Nutzer, nämlich unserer Bürgerinnen und Bürger, ein positives Image zu verleihen und das geht meines Erachtens nur über eine angemessene öffentliche Diskussion der inhaltlichen Ansätze. Mir ist bewusst, dass dies leichter gesagt als getan ist, aber ich denke, einen Versuch ist es allemal wert! Im Übrigen finde ich, ist die Flohburg, die auch ein solches Erbe ist, gerade auf einem solch guten Weg.

Ich denke bzw. bin ich überzeugt davon, dass Ideenreichtum, die Suche nach Kompromissen und verbindliches Handeln unabdingbar sind, um die verordneten Sparzwänge zu bewältigen bzw. ihnen entgegen zu treten.

Ein verantwortungsvolles Miteinander innerhalb der Rathausspitze liegt mir dabei genau so am Herzen wie der kollegiale und faire Umgang mit den Verwaltungsmitarbeitern. Und ich freue mich auf eine spannende und verbindliche Arbeit mit dem Stadtrat, die von gegenseitigem Austausch und von Vertrauen geprägt sein soll und davon lebt. Insbesondere geht es mir darum, fachliche Ressourcen und Strukturen weiter zu entwickeln und für die Arbeit zu nutzen.

Die Geschlossenheit in der Verwaltung, eine enge konstruktive Zusammenarbeit mit den Entscheidungsgremien, mit anderen Behörden und Organisationen sowie eine sinnvolle und zielführende Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungsfindung sind für mich die Grundlage für ein vertrauensvolles und transparentes Miteinander zum Wohle der Stadt und ihrer Einwohner!

Mein Ziel ist es aber auch, dass Verhältnis zwischen der Stadt Nordhausen und dem Landkreis so mit zu gestalten, dass es von gegenseitiger Achtung im täglichen Handeln und von Vertrauen geprägt ist und dass die gesamte Nordhäuser Region durch gemeinsame Strategien in die Lage versetzt wird, im Nordthüringer Raum die zentrale Rolle zu spielen, die sie verdient hat. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis muss nicht nur effektiv, sondern für beide Seiten effizient gestaltet werden.

Dafür bin ich gern bereit, mich über verschiedene Meinungen auszutauschen, zu streiten und abzuwägen – sachlich, konstruktiv und vor allem sozial verträglich!

Sehr geehrte Stadträte,
ich würde mich freuen, wenn Sie sich bei Ihrer Wahl für eine Mischung aus fachlicher Kompetenz, langjähriger Erfahrung und weiblicher Intuition entscheiden.
Autor: red

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