Willkommen im Kapitalismus?
Montag, 02. Februar 2004, 10:55 Uhr
Nordhausen (nnz). Sie war die Errungenschaft dieser nun seit fast 14 Jahren geeinten Nation: Die soziale Marktwirtschaft. Einen Hauch konnten die jungen, neuen Bundesländer noch miterleben. Doch dieser Hauch ist mittlerweile weggeblasen. Vom Kapitalismus.
Derzeit beschäftigt sich die Gewerkschaft wieder mit Arbeitskämpfen. Die IG Metall wettert gegen die Arbeitgeber und ihr Angebot, die 40-Stunden-Woche wieder einzuführen. Warnstreiks soll es irgendwann auch in Nordthüringen geben. Doch nach dem Streik-Desaster vom Vorjahr ist man etwas vorsichtiger geworden im Osten.
Und mitten in den Warnstreik-Vorbereitungen gibt es für die Metaller noch viele Nebenkriegsschauplätze. Da ist HBM-Nobas und der verzweifelte Kampf des Betriebsrates gegen die Salami-Taktik der Papenburg-Gruppe. Da ist aber auch der Trend von Unternehmen, sich immer zunehmender auf dem Markt der Zeitarbeiter umzusehen. Von Ellrich bis Heringen wird so verfahren, die Zeitarbeitsunternehmen haben Konjunktur.
Die haben zwar seit diesem Jahr auch so etwas wie einen Tarifvertrag, doch sie bieten den Unternehmen die Ware Arbeit einfach billiger an. So geschehen bei Bike Systems, wo sich ein Neuer der Zeitarbeitsbranche gerade einen Großauftrag sicherte. Bei Bike Systems gehen die Leute dann nach nnz-Informationen mit etwas mehr als 6 Euro pro Stunde nach Hause. Zeitarbeitsunternehmen bieten ihren Mitarbeitern kaum Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld. Vielleicht müssen aber die Zeitarbeitsmitarbeiter von den sechs oder sieben Euro auch noch eine Familie ernähren, vielleicht reicht es aber nur zum Überleben? Bleibt den Leiharbeitern ja auch noch die Möglichkeit, sich vielleicht einen Zweit- oder Drittjob zu besorgen. Der Tag hat ja schließlich 24 Stunden.
Arbeitgeber und die ihr nahe stehenden Wirtschaftsinstitute hatten gar in der vergangenen Woche gefordert, dass sich das Lohnniveau im Osten zwischen dem im Westen und dem in Polen einpendeln solle. Nur dann könne man das wirtschaftliche Überleben in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder Thüringen sichern. Die niedrigen Löhne würden zum entscheidenden Standortfaktor, so die Münchner Wirtschaftsforscher. Wenn das so ist, dann hätten in den zurückliegenden Jahren die neuen Bundesländern wirtschaftlich boomen und die alten ebenso ausbluten müssen. Weniger wurde, wird derzeit und auch in naher Zukunft im Osten Deutschlands bezahlt.
Doch zurück zu den Menschen, die hier in Nordhausen bleiben wollen, die keine Zweigniederlassung in Polen oder Tschechien eröffnen und die nicht einen Job in der Nähe von München oder Frankfurt annehmen wollen. Die werden sich auf weniger Geld in ihren Taschen einstellen müssen. Das wird sich jedoch auch auf die Kaufkraft auswirken und wird so einen Strudel in Gang setzen, der für das gesamtwirtschaftliche Gefüge katastrophalen Auswirkungen haben wird. Die das sagen, die sitzen in Halle und haben von Wirtschaft richtig Ahnung.
Auch die Politik wird das wissen. Nur wird da niemand dieses aufziehende Unwetter beim Namen nennen. Man wird versuchen, es umzulenken, abzuschwächen. Und seit dem vergangenen Jahr hat die Politik in diesem Land dafür auch einen Namen: Agenda!
Die nächste Umfrage wird sich mit diesem Themenkomplex beschäftigen. Vielleicht aber schreiben Sie uns dazu auch mal Ihre Meinung im nnz-Forum.
Autor: nnzDerzeit beschäftigt sich die Gewerkschaft wieder mit Arbeitskämpfen. Die IG Metall wettert gegen die Arbeitgeber und ihr Angebot, die 40-Stunden-Woche wieder einzuführen. Warnstreiks soll es irgendwann auch in Nordthüringen geben. Doch nach dem Streik-Desaster vom Vorjahr ist man etwas vorsichtiger geworden im Osten.
Und mitten in den Warnstreik-Vorbereitungen gibt es für die Metaller noch viele Nebenkriegsschauplätze. Da ist HBM-Nobas und der verzweifelte Kampf des Betriebsrates gegen die Salami-Taktik der Papenburg-Gruppe. Da ist aber auch der Trend von Unternehmen, sich immer zunehmender auf dem Markt der Zeitarbeiter umzusehen. Von Ellrich bis Heringen wird so verfahren, die Zeitarbeitsunternehmen haben Konjunktur.
Die haben zwar seit diesem Jahr auch so etwas wie einen Tarifvertrag, doch sie bieten den Unternehmen die Ware Arbeit einfach billiger an. So geschehen bei Bike Systems, wo sich ein Neuer der Zeitarbeitsbranche gerade einen Großauftrag sicherte. Bei Bike Systems gehen die Leute dann nach nnz-Informationen mit etwas mehr als 6 Euro pro Stunde nach Hause. Zeitarbeitsunternehmen bieten ihren Mitarbeitern kaum Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld. Vielleicht müssen aber die Zeitarbeitsmitarbeiter von den sechs oder sieben Euro auch noch eine Familie ernähren, vielleicht reicht es aber nur zum Überleben? Bleibt den Leiharbeitern ja auch noch die Möglichkeit, sich vielleicht einen Zweit- oder Drittjob zu besorgen. Der Tag hat ja schließlich 24 Stunden.
Arbeitgeber und die ihr nahe stehenden Wirtschaftsinstitute hatten gar in der vergangenen Woche gefordert, dass sich das Lohnniveau im Osten zwischen dem im Westen und dem in Polen einpendeln solle. Nur dann könne man das wirtschaftliche Überleben in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder Thüringen sichern. Die niedrigen Löhne würden zum entscheidenden Standortfaktor, so die Münchner Wirtschaftsforscher. Wenn das so ist, dann hätten in den zurückliegenden Jahren die neuen Bundesländern wirtschaftlich boomen und die alten ebenso ausbluten müssen. Weniger wurde, wird derzeit und auch in naher Zukunft im Osten Deutschlands bezahlt.
Doch zurück zu den Menschen, die hier in Nordhausen bleiben wollen, die keine Zweigniederlassung in Polen oder Tschechien eröffnen und die nicht einen Job in der Nähe von München oder Frankfurt annehmen wollen. Die werden sich auf weniger Geld in ihren Taschen einstellen müssen. Das wird sich jedoch auch auf die Kaufkraft auswirken und wird so einen Strudel in Gang setzen, der für das gesamtwirtschaftliche Gefüge katastrophalen Auswirkungen haben wird. Die das sagen, die sitzen in Halle und haben von Wirtschaft richtig Ahnung.
Auch die Politik wird das wissen. Nur wird da niemand dieses aufziehende Unwetter beim Namen nennen. Man wird versuchen, es umzulenken, abzuschwächen. Und seit dem vergangenen Jahr hat die Politik in diesem Land dafür auch einen Namen: Agenda!
Die nächste Umfrage wird sich mit diesem Themenkomplex beschäftigen. Vielleicht aber schreiben Sie uns dazu auch mal Ihre Meinung im nnz-Forum.
