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Perfides Netzwerk

Mittwoch, 28. Januar 2004, 12:19 Uhr
Nordhausen (nnz). Netzwerke – das ist nicht nur ein Begriff aus der Welt der Bits und Bytes. Netzwerke perfider Art wussten auch die Nationalsozialisten zu installieren. Ein solches Netzwerk wurde in einem Bildband dokumentiert, der gestern Abend offiziell vorgestellt wurde.


Dokumentiert "Es ist vielen nicht bewusst: Mittelbau - Dora war nicht nur das Lager ‚Dora’ - es war ein Netzwerk aus 40 Lagern, das den gesamten Südharz durchzog und mit zivilen Inseln durchsetzt war", sagte Jens-Christian Wagner, Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora, gestern Abend im Bürgersaal des "Neuen Rathauses". Dort stellten - im Beisein ehemaliger Häftlinge - der Fotograf Jürgen M. Pietzsch und Ursula Härtl den Bildband "Mittelbau-Dora: Das ehemalige Konzentrationslager im Südharz" vor, der jetzt erschienen ist.

Mit seinen Fotos, so Pietzsch, habe er von Nordhausen über Woffleben, Ellrich und Mackenrode bis nach Stempeda und Blankenburg Orte in ihrem heutigen Zustand dokumentiert, die früher Leidens- bzw. Sterbeplatz von Häftlingen waren. "Oft ist der Bachlauf auf einer kahlen Wiese oder ein unscheinbarer Mauerrest letzter und einziger Hinweis darauf, das hier ein Lager existiert hat", so der Fotograf.

Obwohl bei der Bevölkerung der benachbarten Ortschaften oft noch eine überraschend exakte Erinnerung an die ehemaligen Lager-Standorte vorhanden sei, gebe es zunehmend mehr sogenannte "vergessene Lager" wie Neusollstedt, Nüxei oder Woffleben, deren Spuren das Buch nachgehe, sagte Ursula Härtl, die Begleit-Texte für das Buch zusammengestellt hatte, die zum größten Teil aus den Erinnerungen ehemaliger Häftlinge bestehen. Die Stadt Nordhausen werde für die Bibliotheken der Regelschulen jeweils ein Exemplar des Buches ankaufen, kündigte Kulturamtsleiterin Dr. Cornelia Klose an.
Autor: nnz

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