Aber nicht nur heute
Dienstag, 27. Januar 2004, 19:33 Uhr
Nordhausen(nnz). Zum neunten Mal gedachte der Freistaat Thüringen den Opfern des Hitlerfaschismus. Die Hauptveranstaltung mit vielen Gästen fand diesmal in Nordhausen statt. nnz war für Sie dabei.

Es gibt Erinnerungen, die vergißt man das ganze Leben nicht. Oft sind es Schöne, wie die Hochzeit oder die Geburt von Kindern. Manche Menschen erinnern aber Erlebnisse, die sie wohl am besten vergessen möchten. So geht es zum Beispiel Dr. Franz von Hammerstein.
Was er erlebt hat, das ist unvorstellbar. Zwei seiner Brüder nahmen am 21. Juli 1944 am Attentat gegen Hitler teil. Er selbst kam in Haft, obwohl er mit den Ereignissen nichts zu tun hatte. Aber im "Dritten Reich" gab es die Sippenhaft. Die Familie des Graf von Stauffenberg, dem Anführer des Anschlags, wurde von Heinrich Himmlers Truppen komplett ausgelöscht. Hitler fühlte sich durch sein Überleben sogar noch bestärkt. Wenn es gelungen wäre den "Führer" zu beseitigen, dann hätte vielen Menschen unsagbares Leid erspart werden können, so Dr. von Hammerstein.
Aber vergessen darf und kann man das Leid der Menschen nicht. Deshalb rief der Überlebende 1958 die Aktion Sühnezeichen ins Leben. Junge Leute aus verschiedenen Ländern sollten sich kennenlernen und gemeinsam gegen das Vergessen aktiv werden. So bauten Deutsche eine Synagoge in Frankreich, damit die geretteten Juden eine Gedenkstätte erhielten. Noch immer ist die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in vielen Ländern aktiv und bietet zum Beispiel Workcamps an.
Der lang erwartete französische Gast Stephane Hessel mußte leider absagen. Wegen des Schneefalls konnte sein Flieger in Paris nicht starten. Per Fax übermittelte er Grußworte.
Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) mahnte in seiner Rede an, daß man Mut zum Widerspruch haben müsse um den Anfängen des Extremismus zu wehren. Natürlich sei das Kapitel des Nationalsozialismus das schmerzvollste der deutschen Geschichte, aber es müsse auch schmerzen. Jetzt seien die Generationen in der Verantwortung, die das "Dritte Reich" nicht mehr miterlebt haben. Umso mehr wiegen daher die Berichte von Zeitzeugen, die sich äußern werden, solange sie leben. Der Ministerpräsident meinte, daß es sich lohne ein friedvolles Miteinander zu gestalten, daß man nicht wegschauen dürfe wenn sich Gewalt zeigt. Besonders wichtig sei es, das in den Schulen über Themen wie Toleranz geredet würde.
Die heutige Feierstunde gemeinsam mit den Opfern des Hitlerfaschismus sei laut Althaus eine ausgestreckte Hand der Versöhnung. Diese sollten wir ergreifen solange es noch geht. Deswegen darf man sich an ein so menschenverachtendes Kapitel der deutschen Geschichte nicht nur heute an diesem Gedenktag erinnern, sondern immer.
Autor: nnz
Es gibt Erinnerungen, die vergißt man das ganze Leben nicht. Oft sind es Schöne, wie die Hochzeit oder die Geburt von Kindern. Manche Menschen erinnern aber Erlebnisse, die sie wohl am besten vergessen möchten. So geht es zum Beispiel Dr. Franz von Hammerstein.
Was er erlebt hat, das ist unvorstellbar. Zwei seiner Brüder nahmen am 21. Juli 1944 am Attentat gegen Hitler teil. Er selbst kam in Haft, obwohl er mit den Ereignissen nichts zu tun hatte. Aber im "Dritten Reich" gab es die Sippenhaft. Die Familie des Graf von Stauffenberg, dem Anführer des Anschlags, wurde von Heinrich Himmlers Truppen komplett ausgelöscht. Hitler fühlte sich durch sein Überleben sogar noch bestärkt. Wenn es gelungen wäre den "Führer" zu beseitigen, dann hätte vielen Menschen unsagbares Leid erspart werden können, so Dr. von Hammerstein.
Aber vergessen darf und kann man das Leid der Menschen nicht. Deshalb rief der Überlebende 1958 die Aktion Sühnezeichen ins Leben. Junge Leute aus verschiedenen Ländern sollten sich kennenlernen und gemeinsam gegen das Vergessen aktiv werden. So bauten Deutsche eine Synagoge in Frankreich, damit die geretteten Juden eine Gedenkstätte erhielten. Noch immer ist die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in vielen Ländern aktiv und bietet zum Beispiel Workcamps an.
Der lang erwartete französische Gast Stephane Hessel mußte leider absagen. Wegen des Schneefalls konnte sein Flieger in Paris nicht starten. Per Fax übermittelte er Grußworte. Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) mahnte in seiner Rede an, daß man Mut zum Widerspruch haben müsse um den Anfängen des Extremismus zu wehren. Natürlich sei das Kapitel des Nationalsozialismus das schmerzvollste der deutschen Geschichte, aber es müsse auch schmerzen. Jetzt seien die Generationen in der Verantwortung, die das "Dritte Reich" nicht mehr miterlebt haben. Umso mehr wiegen daher die Berichte von Zeitzeugen, die sich äußern werden, solange sie leben. Der Ministerpräsident meinte, daß es sich lohne ein friedvolles Miteinander zu gestalten, daß man nicht wegschauen dürfe wenn sich Gewalt zeigt. Besonders wichtig sei es, das in den Schulen über Themen wie Toleranz geredet würde.
Die heutige Feierstunde gemeinsam mit den Opfern des Hitlerfaschismus sei laut Althaus eine ausgestreckte Hand der Versöhnung. Diese sollten wir ergreifen solange es noch geht. Deswegen darf man sich an ein so menschenverachtendes Kapitel der deutschen Geschichte nicht nur heute an diesem Gedenktag erinnern, sondern immer.
