Tageszeitung war gestern
Dienstag, 01. August 2000, 17:37 Uhr
Die hohe Arbeitslosigkeit im Landkreis Nordhausen bringt es mit sich, dass Jobsuchende immer häufiger Stellen annehmen, die weit entfernt vom Wohnort liegen. Ein Umzug wird wegen der sozialen Kontakte in der Heimat häufig nicht ins Auge gefaßt. Höchstens nimmt man sich über die Woche am Arbeitsort ein Zimmer. Einsamkeit ist da vorprogrammiert. Erstens verbringt der Pendler viele Stunden allein in seiner vorübergehendenen Bleibe in der fremden Stadt. Zweitens müssen lange Strecken zum Wohnort per Bus, Bahn oder Auto in Kauf genommen werden. Öffentliche Verkehrsmittel verkehren nicht immer und überall und sind zudem noch relativ teuer. Für viele Pendler bleibt das Auto das Fortbewegungsmittel schlechthin. Aber auch hier ist der Fahrer auf sich allein gestellt. In Ermangelung eines Gesprächspartners neigt er zu Selbstgesprächen, die sich im Bedarfsfall auch in Anwesenheit eines Gegenübers nicht immer restlos abstellen lassen. Natürlich kennt der Fahrer die Strecke mittlerweile aus dem Effeff, und hier lauert die unabschätzbare Gefahr: Sekundenschlaf! Dumm auch, wenn das Radio nicht funktioniert oder bedürftige Mitmenschen es schon unerlaubt ausgebaut haben. Wie gut wäre da ein kommunikativer Beifahrer. Er bietet Unterhaltung, hilft auch mal beim Kartenlesen, wenn eine Umleitung in unbekanntes Terrain führt. Außerdem wickeln besorgte Mitfahrer unterwegs auch gern mal ein schmackhaftes Bonbon für den Fahrer aus und zeigen einer verirrten Fliege den Ausgang durch das geöffnete Fenster. Man will ja, dass es dem Chauffeur gutgeht. Die Stimmung steigt auch, führt man sich die Kostenseite vor Augen. Angesichts steigender Spritpreise gelingt es beim Fahren im Duo, Herrn Eichels Benzinpreiserhöhung ins Leere laufen zu lassen. Doch nicht nur für den Fahrer, auch für den Beifahrer lohnt sich diese Symbiose: Er kann sich direkt vor die Haustür chauffieren lassen, ohne dafür mehr als mit der Bahn zu bezahlen. Das eigene Gefährt, so vorhanden, wird geschont. Blankgewienert steht es in der häuslichen Garage und wartet nur auf die Spritztour am Wochenende, die das Budget nun problemlos erlaubt. Abgefahrene Reifen schmälern seltener den Kontostand, und auch die Zeit zwischen zwei Ölwechseln wird immer länger. Die Werkstatt kennt man nur noch vom Vorbeifahren. Nicht zu vergessen ist der ökologische Aspekt der Zweckgemeinschaft. Viele Gründe, nach einem Mitfahrer Ausschau zu halten, und das möchte ich hiermit tun. Jeden Sonntagabend sattle ich in Jena meinen 2er Golf und mache mich auf die zweistündige Reise über Weimar, Kölleda, Bad Frankenhausen, Sondershausen nach Nordhausen. Fünf Tage lang wird hier gearbeitet, bevor ich Freitagnachmittag meine Schecke packe und wieder nach Jena eile. Übrigens, ein besonders sympathischer Mitfahrer würde mich sogar dazu animieren, die Strecke nach Nordhausen zu variieren, etwa über Erfurt statt Bad Frankenhausen zu fahren. Wer von Ihnen, liebe NNZ-Leser, hat den gleichen Weg und möchte sich auf meinen Beifahrersitz schwingen, um kostengünstig durch Thüringen kutschiert zu werden? Mailen Sie mir doch einfach mal: sscheiding@gmx.de
Autor: psg