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Hälfte der Gewerbegebiete ist nicht mehr vermarktbar

Mittwoch, 21. März 2001, 13:58 Uhr
Nordhausen (nnz). Es war nach 1990, da kamen die Fördermittelverteiler aus Bund und Land, in der Hand die große Gießkanne mit einer möglichst breiten Tülle. Und jeder Bürgermeister, der nur richtig die Hände aufhielt und vielleicht auch noch der korrekten Partei angehörte, der konnte Gelder abschöpfen ohne Ende. Gewerbegebiete wurden geplant, meist von Büros aus den alten Bundesländern. Für die galt, je größer desto mehr anteiliger Gewinn. Nun stehen (oder liegen) sie da, die grünen Wiesen, auch die im Landkreis Nordhausen. Sicher, einige sind gut bis sehr gut gefüllt, zum Beispiel an der Helme in Nordhausen oder in Ellrich. Ob sich hinter den Fassaden aus Stahl und Beton allerdings auch das richtige wirtschaftliche Leben noch abspielt, ist eine weitere Frage. Die Träume von Gewerbe- oder gar Industrieansiedlung, die sind jedoch geplatzt. Händeringend suchen Landesentwicklungsgesellschaft und kommunale Wirtschaftsförderer nach Investoren.
Auch das Land Thüringen hat nun eingesehen, dass vor allem Industriegebiete nur noch punktuell gefördert werden sollen. Klasse statt Masse - so die Erfurter Devise. Drei bis vier Standorte sollen künftig in Thüringen entwickelt werden. Standorte, die mehr als 100 Hektar Fläche aufweisen, unmittelbar an einer Autobahn liegen und über eine investorenfreundliche Topographie verfügen, also platt wie ein Reißbrett sind. All diese Kriterien erfüllt das zu planende Industriegebiet in der Goldenen Aue. Nach Ansicht kommunaler Politiker solle dieses Industriegebiet denn auch erschlossen werden, so bald Investoren in Sicht sind. Dazu müsse man sich jedoch beeilen, denn die großzügigen Förderung durch EU, Bund oder vielleicht auch Land wird in den nächsten Jahren auslaufen. Andere europäische Regionen im Osten dieses Kontinents warten bereits auf die versprochenen Gelder aus Brüssel.
Dieser Zeitfaktor aber ist es nun, der den Planern in der Goldenen Aue im Nacken sitzt. Eigentlich im Nacken sitzen den „Entwicklern“ die Macher der Bürgerinitiative. Die haben sich in den zurückliegenden Wochen so richtig organisiert, sind Verbänden beigetreten. Und was mit Klagen des BUND zum Beispiel für Zeit in diesem Deutschland geschunden kann, davon kann jeder Straßenplaner vor allem in den alten Bundesländern ein Liedchen singen.
Autor: nnz

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